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CD-Besprechung

Ferdinand Ries

Complete Chamber Music for Flute & String Trio Vol. 2

cpo 555 231-2

1 CD • 58min • 2017, 2018

18.03.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit Vol. 2 der Flötenquartette setzt cpo seine ungemein verdienstvolle Serie mit Kammermusikwerken von Ferdinand Ries auf Originalinstrumenten fort. Ries (1784-1838), Schüler Beethovens und Albrechtsbergers, in ganz Europa gefeierter Ausnahmepianist, Direktor der London Philharmonic Society, zu Lebzeiten erfolgreicher Komponist, steht stilistisch noch in der späten Klassik, andererseits aber schon in der frühen Romantik. Diese Frühromantik ist eher von freundlicher denn von tragischer Natur, was ob der glanzvollen Karriere nicht verwundert. Hierin ist er eher ein Vorbote Mendelssohns denn ein Seelenverwandter des zu Lebzeiten unterschätzten Schubert. Mit Mendelssohn verbindet ihn auch seine handwerkliche Meisterschaft, die es ihm ermöglichte – manchmal vielleicht zu – schnell zu produzieren. Beethovens Vorwurf, Ries ahme ihn zu sehr nach, ließe sich auch dahingehend interpretieren, dass Ries die großen Gesten des Titanen mit spielerischer Leichtigkeit zu reproduzieren wusste.

Ries‘ Flötenquartette entstanden in zwei Gruppen zu je dreien 1814/15 (op.145) und 1827 (WoO 33, ungedruckt, gut lesbares Autograph im Internet). Sie sind in der Art von Streichquartetten als Unterhaltung zwischen vier vernünftigen Leuten gestaltet und nicht als für den Bläser hochvirtuose „Quatuors concertants“ angelegt. Somit stellen sie eine dankbare Herausforderung für versierte Hausmusiker dar. Aber auch bei „Jugend musiziert“ oder in einem Hochschulkonzert wäre mit diesen Werken durchaus Beifall einzuheimsen. Der melodische Reichtum, das raffinierte Spiel mit Texturen und Kontrasten und der stets wohlklingende instrumentengerechte Satz lohnen eine Ausgrabung allemal. Höchst vergnüglich gibt sich das Finale von WoO 35 mit seinem ecossaisenhaften Thema, das Streicher gerne fugieren würden, wenn die dazwischensingende Flöte es denn zuließe. Anrührend in seinem zwischen Trotz und Melancholie changierenden Duktus gibt sich das Finalrondo von op. 145,2.

Das Streichtrio WoO 70,2 mit höchst anspruchsvollem Violinpart wird als frühes Werk angesehen und wartet – ähnlich wie manche Haydn-Werke im Umfeld der „Sturm und Drang“-Sinfonien – mit barockisierenden Floskeln auf. Gegen ein Frühwerk, als das es das Booklet darstellt, spricht die satztechnische Meisterschaft. Vielleicht könnte hierfür eher die Bach-Renaissance der 1820er Jahre von Einfluss gewesen sein?

Interpretatorisch bieten die Ardinghellos ein fein ausgehörtes Dialogisieren, schlankes vibratoarmes Spiel und sorgfältigste, liebevolle Phrasierung. Ein paar Flötentöne der dritten Oktave sind eine winzige Spur zu hoch angesetzt, was aber durchaus an dem ansonsten wundervoll nach Holz klingenden – wenn man nach dem Foto urteilt, wohl 9-klappigen – historischen Instrument liegen kann, über das man im Booklet gerne mehr erfahren hätte.

Aufnahmetechnisch wurde das Geschehen höchst transparent und farbig eingefangen. Auf dem Cover hat sich ein Druckfehler eingeschlichen: WoO 35,2 steht in G-Dur und nicht in Moll. Fazit: Wer romantische Kammermusik einmal auf Instrumenten der Entstehungszeit hören möchte und Freude an den Werken Webers oder Spohrs entwickelt hat, sollte hier bedenkenlos zugreifen. Die Stücke lohnen sich auf jeden Fall.

Thomas Baack [18.03.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ferdinand Ries
1Quartett G-Dur WoO 35,2 für Flöte, Violine, Viola und Violoncello 00:15:56
4Trio e-Moll WoO 70,2 für Violine, Viola und Violoncello 00:21:28
8Quartett e-Moll op. 145 Nr. 2 für Flöte, Violine, Viola und Violoncello 00:20:47

Interpreten der Einspielung

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