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CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Manuel M. Ponce • Leo Brouwer • Antonio Lauro

encora enc-019

1 CD • 51min • 2015

24.08.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Den Mexikaner Manuel Maria Ponce (1882-1948), den Kubaner Leo Brower (Jg. 1939) und den Venezolaner Antonio Lauro (1917-1986) verbinden vor allem eins: ein aufgewecktes künstlerisches Weltbürgertum. Alle drei wurden von kleinauf durch die lateinamerikanische Musiktraditionen sozialisiert, dann zog es jeden von ihnen zum Studium des europäischen Musiklebens, wo sie eine urbane, weltoffene künstlerische Sprache formulierten.

Christian Buck, der Interpret dieser CD, geht einen ähnlichen Weg, wenn er eine tiefe Einfühlungsgabe in Stilistiken mit einem aufgeschlossenen Ohr für die Herausforderungen der zeitgenössischen Musik verbindet. Wer konzentriert hörend in diese Solo-CD eintaucht, erlebt einen Saitenkünstler auf einem unbeirrten Weg, der hier drei unterschiedliche Personalstile in ihrem Facettenreichtum erfahrbar macht. Zum Einstieg hört man Manuel Maria Ponces Mazurka – ganz von der osteuropäischen Romantik geprägt. In einigen kürzeren, lyrischen Stücken lädt sein Spiel dazu ein, ins südamerikanische Kolorit einzutauchen, was aber in Ponces Tonsprache, die maßgeblich vom großen Andrés Segovia geprägt ist, in keinem Moment folkloristisch wirkt. Und Christian Bucks tiefgründendes Spiel legt darüber hinaus offen, wie sich Manuel Maria Ponce am Kernbestand der abendländischen Musikgeschichte abgearbeitet hat. Ein kühn komprimierter Variationenzyklus setzt nicht zuletzt Bachsche Polyphonie, mediterrane Tanzformen und impressionistische Sinnlichkeit in einen Bezug.

Bucks Gitarrenspiel verweigert sich dem allzu filigran hochglanzpolierten Blendwerk – dafür ist seine Saitenartistik viel zu nachforschend. In der Ruhe liegt hier die Kraft. Bestechend ist seine Gabe, zwei Stimmen völlig emanzipiert voneinander im Raum stehen zu lassen, was von viel analytischem Verständnis gepaart mit traumwandlerisch koordinierten Spielhänden zeugt. Jene daraus oft hervorgehende Illusion, dass hier möglicherweise mehrere Spieler dialogisieren, soll sich in den deutlich moderneren Stücken von Leo Brower noch steigern: Da gehen Tanzminiaturen, ostinate Strukturen und vertrackte Skalen verblüffende Konstellationen miteinander ein. Hier geht es gerne auch mal perkussiv zur Sache, was nicht ausbleibt, wenn das unmittelbare Klangereignis zum rhetorischen Mittel wird – was Brower unter anderem bei Stockhausen, Penderecki oder Xenakis abgelauscht hat. Aber der gebürtige Kubaner Brower hat sich auch in den Kulturen der „Alten Welt“ umgehört – etwa, um sich ein bulgarisches Tanzstück für die Schaffung eines vertrackten Synkopengeflechts einzuverleiben.

Fließender, geschmeidiger erklingt zum Finale Antonio Lauros Suite Venezola. Da lässt Christian Buck die Arpeggien wie einem Präludium fließen, während lebendige Harmonie- und Metrenwechsel eine subtile Licht- und Schattenwelt erzeugen. Das letzte Wort in diesem abwechslungsreichen, von Christian Buck aber betont unaufgeregt inszenierten Zyklus hat schließlich wieder Leo Brouwer – mit einer friedlichen Berceuse.

Stefan Pieper [24.08.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Manuel Maria Ponce
1Mazurka
2Tropico
3Thème varié et Finale (1926)
Leo Brouwer
4Tarantos
5Del homenaje a Falla (aus: Tres Apuntes)
6De un fragmento instrumental (aus: Tres Apuntes)
7Sobre und canto de Bulgaria (aus: Tres Apuntes)
8Pieza Sin Titulo Nr. 2
9Pieza Sin Titulo Nr. 3
10Canticum
Antonio Lauro
12Suite Venezolana
Leo Brouwer
16Berceuse

Interpreten der Einspielung

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