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CD-Besprechung

Franz Schubert

Werke für Klaviertrio

Franz Schubert

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 17.07.18

Coviello Classics COV91808

2 CD • 2h 01min • 2017

Schuberts beide große Klaviertrios aus seinem letzten Lebensjahr müssen auf die Zeitgenossen – keineswegs nur durch ihre Überlänge – wie unbezwingbare Berggipfel gewirkt haben. Aber selbstverständlich gehören sie heute zu den absolut unverzichtbaren Werken der Gattung und daher auch ins Repertoire jeder Klaviertrio-Formation; dafür muss man sich nicht rechtfertigen. Wenn das junge schweizerische Trio Rafale im Booklet dies dennoch tut, dann im Bewusstsein der großen Konkurrenz an Einspielungen, der man sich mit einer weiteren Aufnahme aussetzt – es sind knapp hundert.

Zuzugeben, dass man sich bei der Erarbeitung „die Zähne ausgebissen“ habe, mag bei einem mehrfach preisgekrönten Profi-Ensemble, das nun auch bereits zehn Jahre gemeinsam musiziert, vielleicht zunächst verblüffen. Aber nicht nur Laien, die sich mal an diesen monströsen Stücken versucht haben, machen die Erfahrung, dass bei Schubert die Schwierigkeiten eben nicht nur im Detail liegen – schon die Intonation ist vertrackter als bei vielen anderen Trios der Romantik – sondern auch der große Zusammenhang sich keineswegs von alleine herstellt. Nun hat sich das Trio Rafale dieser Aufgabe erfolgreich gestellt: Neben der rein technischen Bewältigung wird hier der epische Duktus Schuberts sogar noch konsequent unterstrichen. So werden alle Wiederholungen gespielt, und dem Hörer im vierten Satz des Es-Dur-Trios (D. 929) auch nicht die zusätzlichen 100 Takte aus dem Autograph vorenthalten wie auf anderen Aufnahmen: Dieser Satz dauert hier allein knapp 23 Minuten (zum Vergleich: 14 Minuten beim Beaux Arts Trio). Man versucht auch erst gar nicht, die Diskrepanz zwischen der formalen Zugehörigkeit der Schubert-Trios noch zur Wiener Klassik bei gleichzeitig unbedingt romantischem Ausdruckswillen etwa dadurch auszubügeln, dass man ein wenig von Beethovenscher „gewollter“ Eloquenz übrig lässt und mit exquisiter Intimität überfrachtet. Die vorliegende Darbietung orientiert sich in ihrer Ausrichtung mehr an der Dramaturgie etwa der Winterreise als noch Erwartungen an klassische Formen erfüllen zu wollen. Dies gelingt beim zweiten Trio Es-Dur besser als beim Schwesterwerk in B-Dur. Gerade an Stellen, an denen eher wenig passiert – etwa dem Übergang zur Wiederholung der Exposition des ersten Satzes von D. 898 – geht dieses Konzept, alles in Ruhe auszukosten und sich nie in etwas hineintreiben zu lassen, sehr schön auf. Die – bis auf die durchaus spritzigen Scherzi – eher zurückhaltenden Tempi wirken aber oft zu behäbig; dann wird das Zuhören doch anstrengend. Und warum man im berühmten c-Moll Andante von D. 929 in einem recht flüssigen Tempo beginnt, bei den dichteren Stellen im Klaviersatz aber deutlich abbremst, bleibt unverständlich. Da die Pianistin Maki Wiederkehr längst nicht über den Farbenreichtum eines Menahem Pressler verfügt, wirken die zahllosen Tonrepetitionen im Es-Dur-Finalsatz dann mit der Zeit auch etwas zäh. Die mit Schuberts ausufernden Modulationen verbundenen Farbwechsel werden hier umso mehr von den beiden Streichern herausgearbeitet.

Dennoch: Hier gelingen über weite Strecken magische Momente, denen man sich als Hörer gerne überlässt und die alle zeitlichen Dimensionen hinter sich zu lassen scheinen. Wenn das eine Essenz Schubertscher Kunst darstellt, so kann das Ensemble hier absolut überzeugen. Auch der frühe B-Dur-Satz und das Notturno D. 897 werden gleichermaßen ernst genommen. Leider klingt die Aufnahme insgesamt zwar durchsichtig, aber etwas topfig. Die Booklet-Beiträge sind dann aber wieder hervorragend. So kann und darf man sich selbstbewusst der Konkurrenz stellen.

Vergleichsaufnahme: Beaux Arts Trio (1985, Philips 475 7571).

Martin Blaumeiser [17.07.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Klaviertrio Nr. 1 B-Dur op. 99 D 898 00:43:25
5 Sonatensatz B-Dur D 28 00:11:42
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Trio Nr. 2 Es-Dur op. 100 D 929 für Klavier, Violine und Violoncello 00:56:46
5 Klaviertrio Es-Dur op. 148 D 897 (Notturno) 00:08:59

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Trio Rafale Klaviertrio
 
COV91808;4039956918080

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