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CD-Besprechung

Bruckner

Symphony No. 4

DG 479 7577

1 CD • 79min • 2017

14.06.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Im Mai 2017 aus Konzertmitschnitten des Gewandhausorchesters im Leipziger Gewandhaus zusammengestellt, ist diese Aufnahme der Vierten Symphonie Anton Bruckners (in der Fassung 1878-80 nach der Ausgabe von Leopold Nowak) symptomatisch für das, was sich in der allgemeinen Orchesterkultur mittlerweile in Sachen Bruckner getan hat. Grundsätzlich kann man feststellen, dass das Momentum (also die Kraft der unerbittlichen Durchsetzungsfähigkeit eines eingeschlagenen Tempos) ebenso eindeutig schwächer geworden ist wie die Neigung zu gemütlichem und – im Wagner’schen Sinne – elastischem Gestalten der lyrischen Gegenepisoden hier die Musiker (und damit den Hörer) mehr zum verweilenden Genuss einlädt als in den harscher abgrenzenden Zugangsweisen der meisten Bruckner-Apologeten des 20. Jahrhunderts.

Damit ist auch schon das meiste gesagt. Mehr Bewusstsein für ein zwar durchaus stets Modifikationen vertragendes, doch im Höreindruck kontinuierliches Grundtempo wäre sehr hilfreich, um die Gesamtgestaltung der vier Sätze jeweils zwingender erscheinen zu lassen. So sind wir beispielsweise zu Beginn der Durchführung des Kopfsatzes im – zweifellos dem Zauber der Erscheinungen geschuldeten – deutlich verbreiterten Dahintreiben der Bewegung ein bisschen verloren, und die Coda dieses Satzes leidet unter Rubati, die eben bei dieser keine Abweichungen duldenden Struktur erheblich hinsichtlich ihrer Ausrichtung. Derlei geschieht in allen Sätzen, und immer wieder wäre es besser da fest, wo es besonders beweglich wird, und da beweglicher, wo es einfach so unmodifiziert vor sich hin schreitet. Daher kommt dann manches stürmische Aufbrechen unorganisch, manches in sich Gekehrt-Werden nicht als notwendige Konsequenz des Vorangegangenen, und außerdem hält sich Andris Nelsons nicht überall wirklich an Bruckners Anweisungen zum Tempo, schlägt auch – besonders im langsamen Satzes – offensichtlich voneinander abweichende ‚Grundtempi’ an, und oftmals hat es vor allem mit einem gewissen Mangel an Verständnis für die kadenzierenden und modulierenden Kräfte der Harmonik zu tun, wie dies so bezeichnend für die meisten Dirigenten unserer Zeit ist. Viele einzelne Effekte sind wunderbar, mit erlesener Spielkultur ausgekostet, doch das, was die Musik „im Innersten zusammenhält“, also die unmittelbar erfahrbare Spannkraft der tonalen Bindung, entgeht über weite Strecken dem bewussten Augenmerk des Navigators, dessen Begabung ja außer Zweifel steht. Wenn der weitertreibende Impuls mit entsprechender Akzentuierung zu inaktiv ausgeführt wird, dann kann auch die beste Tontechnik dies so massiv zu stützen versuchen wie sie will – sie kann den mangelnden Impetus nicht ausgleichen. Eine ausgezeichnete Aufführung nach aktuellen Maßstäben, der es lediglich an bewusster Durchdringung des Ganzen – und daher Gestaltung in-Bezug-aufeinander! – fehlt, um zeitlosen Rang zu erlangen.

Christoph Schlüren [14.06.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Wagner
1Lohengrin (Romantische Oper in 3 Aufzügen) 00:09:17
Anton Bruckner
2Sinfonie Nr. 4 Es-Dur (Romantische) 01:10:07

Interpreten der Einspielung

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