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CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Schumann • Brahms

Piano Quartet • Piano Quintet

BIS 2258

1 CD/SACD stereo/surround • 65min • 2016

19.12.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Violina Petrychenko stammt wie der Komponisten Vasyl Barvinsky aus der Ukraine Die Pianistin lebt heute in Deutschland, der besseren beruflichen Möglichkeiten wegen. Der Komponist, der von1888 bis1963 lebte, war den sowjetischen Machthabern in der Ukraine aufgrund seines Bekenntnisses zu einer eigenständigen Nationalkultur ein Dorn im Auge. Das ging schließlich so weit, dass der angesehene Leiter des Lemberger Konservatoriums für zehn Jahre - aufgrund fadenscheiniger Anschuldigungen! - in einen Gulag deportiert wurde. Seine Noten wurden öffentlich verbrannt.

Violina Petrychenko fühlte sich durch Barvinskys Schicksal ermutigt, einmal mehr die ausgetretenem Repertoire-Pfade zu verlassen und hat die Reanimierung der Musik dieses verkannten Komponisten zu ihrem Herzensanliegen gemacht. Auf der vorliegenden CD erfahren Barvinskys Klavierwerke ihre Ersteinspielung auf Tonträger – die einfühlsame Pianistin zeigt sich hier als engagierte Mittlerin für diese Musik.

Denn Violina Petrychenkos sensible, zugleich zupackend-unprätentiöse Spielkultur legt eindrücklich offen, was ein Zeitgenosse über Barvinsky sagte. Er sei ein „Lyriker der Natur mit entwickeltem Harmoniegefühl“. Man kann hier unweigerlich ins Schwelgen und Träumen geraten und fühlt sich beim Hören mitgenommen in eine andere, abgeklärte Welt. In der ist nichts grell oder zerrissen, denn Barvinskys verweigert sich konsequent jedem schrillen Effekt. Stattdessen werden subtile Farben aus einer reichen Palette geschöpft. Da kommt einem das Etikett eines „Fin de Siecle“ in den Sinn – das heißt, dass hier ein romantisches Erbe behutsam kultiviert wird, aber auch mal der eine oder andere impressionistische Anflug in die Zukunft blickt. Aber immer, ohne die Schwelle zu einer Moderne wirklich zu überspringen.

Violina Petrychenkos Spielkultur fühlt sich in in dieser Welt sichtlich wohl. Das macht das hier erlebbare, von organischer Wärme durchdrungene Spiel auf jeden Fall erfahrbar. An den Anfang der CD hat sie einen Zyklus über die Liebe gesetzt in der Barvinsky sein Innerstes nach außen kehrt und in Töne kleidet. Melancholie ist der Grundtenor, wo Liebe auch Leiden heißt. Weitgespannte Linien weisen etwas nachdenkliches Grüblerisches auf, aber die Musik scheint auch zärtlich Rückschau halten zu wollen. Im dritten Satz kommt Violina Petrychenkos Spiel deutlich impulsiver daher, wenn es in einer Art Scherzo-artigen Struktur um den Widerstreit von Schmerz und inneren Kämpfen, schließlich um den Triumph der Liebe geht.

Barvinskys Zyklus aus Präludien legt jene Vielgestalt offen, mit der sich dieser Komponist mannigfaltige Formen einer deutlich subjektiveren Grundidee einverleibt. Nicht selten werden etudenartige Strukturen mit eigener Poesie aufgeladen. Dann wieder eröffnet ein Variationensatz viele Perspektiven in der eigenen subtil-reichhaltigen Ideenwelt dieses Komponisten.

Das, wofür Barvinsky so eklatant in Ungnade fiel, tritt erst im dritten Teil dieser CD hervor - nämlich das Bekenntnis zu einer eigenen ukrainischen Musikkultur: Die Ukrainische Suite stellt in jedem einzelnen Satz ein melodisch-reichhaltiges Volkslied ins Zentrum, um daraus ein Präludium, ein Scherzo, eine Liedform und schließlich ein erhabenes Gebilde aus Variation und Fuge zu formen.

Und auch hier kann man Violina Petrychenko in jedem Moment zustimmen, wie sie durch ihr tiefempfundenes und uneitles Spiel ein gültiges Statement für diesen Komponisten setzt. Schon bald will sie weitere Werke aufnehmen, unter anderem Barvinksys Klavierkonzert mit Orchester. Man darf gespannt sein!

Christof Jetzschke [19.12.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Vasyl Barvinsky
1Love (Klavierzyklus) 00:16:50
4Prelude Nr. 1 F-Dur 00:02:43
5Prelude Nr. 2 Cis-Dur 00:02:19
6Prelude Nr. 3 G-Dur 00:04:30
7Prelude Nr. 4 Fis-Dur 00:02:20
8Prelude Nr. 5 g-Moll 00:03:07
9Prelude Nr. 6 b-Moll 00:05:49
10Prelude Nr. 7 As-Dur 00:02:39
11Prelude Nr. 8 c-Moll 00:02:41
12Suite on Ukrainian Themes 00:25:43

Interpreten der Einspielung

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