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CD-Besprechung

Zemlinsky • Schönberg • Busoni

Capriccio C5138

1 CD • 48min • 2011

08.11.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Es war Weberns 1918 angefertigte Bearbeitung von Arnold Schönbergs Kammersymphonie op. 9, die für die Gründung von Schönbergs „Verein für musikalische Privataufführungen“ (mit-) verantwortlich zeichnete. Ebenfalls für diesen Verein – zum Zweck eben einer musikalischen Privataufführung – entstanden 1921 die Bearbeitungen des Schönberg-Schülers Erwin Stein von Ferruccio Busonis Berceuse élégiaque op. 42 und der als Maeterlinck-Gesänge bekannt gewordenen Sechs Gesänge op. 13 Alexander Zemlinskys; da Stein allerdings nur zwei der Gesänge bearbeitet hatte, beauftragte das Linos Ensemble vor einigen Jahren den deutschen Komponisten Alexander Tarkmann mit der Vervollständigung des Zyklus.

Zu seinem vierzigjährigen Jubiläum veröffentlicht das Linos Ensemble nun eine Produktion, die man durchaus als schwere Kost bezeichnen kann. Die enorme Ausdrucksintensität der Kammerensemble-Bearbeitungen von Schönbergs Kammersymphonie op. 9, Zemlinskys Maeterlinck-Gesängen und Busonis Berceuse élégiaque op. 42 vermag den Hörer nicht nur unweigerlich in ihren Bann, sondern auch komplett in die Musik hinein zu ziehen. Diese Dringlichkeit des Ausdrucks, ja diese Ausdrucksgewalt vermag ihn aber ebenso vor sich herzutreiben; kaum, dass sich der Hörer an erkennbaren Anker- oder Orientierungspunkten festhalten könnte. Das führt im Zusammenhang mit Zemlinskys die Grenzen der Tonalität streifenden, herben wie geheimnisvollen und verführerischen Maeterlinck-Gesängen dann jedoch zu meinem einzigen Kritikpunkt an dieser insgesamt einfach großartigen, im besten Wortsinne atemberaubenden Veröffentlichung, auf der das Linos Ensemble durchweg mit Präzision, rhythmischer Energie, gestenreicher Rhetorik und mit einer überragenden Klanglichkeit brilliert. Leider kann in den Maeterlinck-Gesängen Zoryana Kushplers sauber geführter, in seiner Innerlichkeit und dunklen Tönung mich an Violeta Urmana erinnernder Mezzosopran nicht mit der Souveränität des Linos Ensembles mithalten. Die mit zahlreichen Preisen bedachte Ukrainerin scheint mir zu viel zu wollen. Ihr Dauer-Espressivo geht immer wieder auf Kosten der Textverständlichkeit, kennt nur wenige Farbnuancen und wirkt daher auf mich über die Dauer des gesamten Zyklus etwas gekünstelt und somit auch ermüdend.

Wenngleich Arnold Schönbergs dicht gearbeitete und unruhig-virtuose Kammersymphonie op. 9 mit ihren Ganztonleitern, übermäßigen Intervallen und mit ihrer Quarten-Architektur das Tor zur Neuen und zur atonalen Musik weit aufstößt, kann man sie aufgrund ihres tonalen Anstrichs auch als ein Stück exzessiv überhöhter Spätromantik verstehen. Dem trägt für mich die pointiert analytische, gleichzeitig empfindsam klangsinnliche Herangehensweise des Linos Ensembles Rechnung. Zerbrechlich bis satt, detailgenau bis klanglich hypnotisierend – so gestaltet das in diesem Jahr mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnete Linos Ensemble schließlich Busonis ergreifende, zwischen zarten Momenten und dunkler Grundstimmung pendelnde Trauermusik, die unmittelbar auf den Tod seiner Mutter entstandene Berceuse élégiaque op. 42 mit ihrem Untertitel „Des Mannes Wiegenlied am Grabe seiner Mutter“.

Christof Jetzschke [08.11.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Arnold Schönberg
1Kammersinfonie Nr. 1 E-Dur op. 9 00:20:43
Alexander Zemlinsky
2Die drei Schwestern op. 13 Nr. 1 (aus: Sechs Maeterlinck-Gesänge op. 13) 00:04:14
3Die Mädchen mit den verbundenen Augen op. 13 Nr. 2 (aus: Sechs Maeterlinck-Gesänge op. 13) 00:03:13
4Lied der Jungfrau op. 13 Nr. 3 (aus: Sechs Maeterlinck-Gesänge op. 13) 00:02:28
5Als ihr Geliebter schied op. 13 Nr. 4 (aus: Sechs Maeterlinck-Gesänge op. 13) 00:02:18
6Und kehrt er einst heim op. 13 Nr. 5 (aus: Sechs Maeterlinck-Gesänge op. 13) 00:03:02
7Sie kam zum Schloß gegangen op. 13 Nr. 6 (aus: Sechs Maeterlinck-Gesänge op. 13) 00:04:31
Ferruccio Busoni
8Berceuse élégiaque op. 42 BV 252a 00:07:21

Interpreten der Einspielung

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