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CD-Besprechung

Rachmaninov

Piano Concerto No. 2 • Études-tableaux Op. 33

Rachmaninov

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 04.09.17

Naxos 8.573629

1 CD • 67min • 2016

Nachdem der russischstämmige, in Israel aufgewachsene Boris Giltburg nach zahlreichen, kleineren Wettbewerben 2013 den prestigeträchtigen Concours Reine Élisabeth in Brüssel gewonnen hatte, entschloss man sich bei Naxos schnell für eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Pianisten. Nach den bereits erschienenen Études-tableaux op. 39 widmet sich diese CD Rachmaninows erstem Etüden-Zyklus op. 33 sowie dem zweiten Klavierkonzert.

Vom populären C-Moll-Konzert liegen noch mehr Aufnahmen vor als vom dritten Klavierkonzert, mittlerweile das Rachmaninow-Aushängeschild, spieltechnisch natürlich durchgehend auf höchstem Niveau angesiedelt. Im Wesentlichen bewegen sich die verschiedenen Interpretationen irgendwo zwischen einer gewissen, russischen (?) Schwerblütigkeit (Ashkenazy unter Haitink) und total entschlackter Eleganz, oft emotional an der Grenze zur Oberflächlichkeit (Kocsis, Buniatshvili). Das ist keineswegs nur eine Frage der Tempowahl, sondern hängt mindestens ebenso von der Gestaltung des Orchesterparts ab, der bei Rachmaninow viel größeren Einfluss auf das Gesamtbild hat als bei anderen romantischen Konzerten. Sicher kein Zufall, dass für mich die zuletzt schönsten Aufnahmen des Werkes gerade die mit den bedeutendsten Klangkörpern bzw. Dirigenten sind (Wang, Andsnes, Zimerman, Licad…). Gehörte der Komponist selbst bekanntlich eher zur schnellen Truppe, hat Swjatoslaw Richter bereits 1960 einen überzeugenden Kompromiss zwischen obigen Extremen gewählt, der anscheinend auch Giltburg als Vorbild dient. Für heutige Verhältnisse wählt dieser fast verhaltene Tempi, bei denen wirklich alles – mit Erfolg – auf Deutlichkeit angelegt ist. Ein schönes Legatospiel interessiert Giltburg hingegen nicht; so verlieren melodische Oberstimmen oft an Zusammenhalt. Wo die Partitur musikalische Steigerung ausdrücklich auch über ein Anziehen des Tempos vorschreibt, bleibt dies leider oft zu lasch, was wohl auch dem Dirigenten Carlos Miguel Prieto anzulasten ist, der allenfalls präzise begleitet, aber wenig Sinn für Klangfarben hat. Manche Passagen geraten so zum Gähnen langweilig – etwa der Meno mosso Übergang im 3. Satz [Ziffer 32]. Ärgerlich die Aufnahmetechnik (nur beim Konzert): Flöten und Oboen sind praktisch nicht zu hören (abgesehen von den Soli im 2. Satz), die Streicher zu sehr im Vordergrund, das Klangbild etwas wummerig. Insgesamt eine ernstzunehmende Visitenkarte ohne irgendwelche neuen Aspekte, mehr leider nicht.

Bei den Études-tableaux op. 33 überzeugt Giltburg hingegen mit einem wirklich großartigen Verständnis der harmonischen Zusammenhänge. Auch hier gelingt eine seltene Deutlichkeit der Stimmführung (Es-Moll-Etüde!), durch die äußerst behäbigen Tempi leider auf Kosten der metrischen Geschlossenheit. Manches Fortissimo gerät leicht penetrant (Etüden Es-Dur bzw. cis-Moll). Die Sichtweise eines mit dicken Gummistiefeln im Morast wühlenden Philosophen ist mir allerdings zu einseitig; bildhafte Phantastik mag sich so nicht wirklich einstellen. Dass Rachmaninow durchaus auch Ansätze für impressionistische Leichtigkeit böte, zeigte höchst beeindruckend François-Joël Thiollier, dessen Rachmaninow-Gesamtaufnahme mal ein großes Label wiederveröffentlichen sollte. Dennoch spielt Giltburg bei diesen eigentlich erstaunlich wenig erschlossenen Stücken zweifellos in der ersten Liga mit. Absolut umwerfend schließlich die beiden Zugabenstücke!

Vergleichseinspielungen op. 18: Swjatoslaw Richter, Philharmonie Warschau, Stanislaw Wislocki (DG 415 119-2, 1960), - Cecile Licad, Chicago Symphony Orchestra, Claudio Abbado (CBS CD 45803, 1983),- Vladimir Ashkenazy, Concertgebouw Orchestra, Bernard Haitink (Decca 421 590-2, 1984) - Zoltán Kocsis, San Francisco Symphony, Edo de Waart (Philips 468 921-2, 1984) - Krystian Zimerman, Boston Symphony Orchestra, Seiji Ozawa (DG 459 643-2, 2000) - Leif Ove Andsnes, Berliner Philharmoniker, Antonio Pappano (EMI 4 74813 2, 2005) - Yuja Wang, Mahler Chamber Orchestra, Claudio Abbado (DG 477 9308, 2010) - Khatia Buniatshvili, Tschechische Philharmonie, Paavo Järvi (Sony 88985402412, 2016) op. 33 – Idil Biret (Naxos 8.550347, 1989), François-Joël Thiollier (RCA RL 37294, 1979, LP).

Martin Blaumeiser [04.09.2017]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 S. Rachmaninow Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 00:34:49
4 Étude-Tableau f-Moll op. 33 Nr. 1 00:02:47
5 Étude-Tableau C-Dur op. 33 Nr. 2 00:02:05
6 Étude-Tableau c-Moll op. 33 Nr. 3 00:04:50
7 Étude-Tableau d-Moll op. 33 Nr. 4 00:03:37
8 Étude-Tableau es-Moll op. 33 Nr. 5 00:01:38
9 Étude-Tableau Es-Dur op. 33 Nr. 6 00:01:44
10 Étude-Tableau g-Moll op. 33 Nr. 7 00:03:25
11 Étude-Tableau cis-Moll op. 33 Nr. 8 00:03:08
12 F. Kreisler Liebesleid (Bearb. für Klavier) 00:04:54
13 F. Behr Lachtäubchen (Scherzpolka; arr. Rachmaninow "Polka de W.R.") 00:03:59

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Boris Giltburg Klavier
Royal Scottish National Orchestra Orchester
Carlos Miguel Prieto Dirigent
 
8.573629;0747313362974

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