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CD-Besprechung

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.09.17

Klassik Heute
Empfehlung

Prima Facie PFCD050

1 CD • 72min • 2016

Aus dunkler Tiefe steigen schwärzeste Bass-Töne auf, formen eine Tonskala und vereinigen sich mit einer weiteren Stimme zur strengen Fuge. Die ewige Polyphonie hat seit Bachs Zeiten nichts von ihrer Faszination und Gültigkeit eingebüßt. Ronald Stevensons Kompositionen für Klavier kosten reibungsvoll und wagemutig das Spannungsfeld zwischen strenger Tonarchitektur und kühner Klang-Fantasie aus und favorisieren nur zu gerne Zitat und Paraphrase dabei. Musik zu komponieren ist ja ohnehin oft das „Beantworten“ bereits vorhandener Musik, könnte das Fazit hier lauten.

Das Eröffnungsstück der CD mit Stevensons Klavierwerken treibt gleich zu Anfang eine bedrängende Dramaturgie auf die Spitze: Aus dem treibenden Fugato erhebt sich ein stürmisches Thema aus Benjamin Brittens Oper Peter Grimes, welches auch in dessen rasanten Sea Interludes Anwendung findet.

Die Faszination dieser Musik ist vor allem das Verdienst des Interpreten Kenneth Hamilton, der in den Stücken aus verschiedenen Schaffensphasen Stevensons alles an energetischer Wucht, straffen Tempi und zupackendem Gestaltungswillen aufbietet. Hamilton, ein schottischer Landsmann, scheint mit dem Schöpfer dieser Musik nahezu seelenverwandt. In diesem Sinne trafen sich Interpret und Komponist zum intensiven Austausch, bevor letzterer 2015 starb.

Stevenson komponiert tonal und rückt gern starke Melodien ins Zentrum, um diese dann wieder mit raffinierten kontrapunktischen Verfahren weiterzudenken, gleichzeitig auch mit betont moderner, von Chromanik und Sekundreibungen gesättiger Harmonik in aufregender Manier zu aktualisieren. Das können Choräle, aber auch schottische Folksongs, Paraphrasen aus Kompositionen der Romantik oder Moderne sein.

Die persönliche Affinität zum Grenzgängertum eines Franz Liszt kommt in einer Symphonic Elegy for Liszt zum Ausdruck. Choral und Fuge und dies gleich rückwärts komponiert und auf romantischen Themen von Clara und Robert Schumann aufbauend zeugen ebenfalls von Stevensons Kreativität gepaart mit stilsicherer Einfühlungsgabe, ebenso eine kurze, aber eindringliche Rachmaninoff-Hommage.

Kennth Hamilton stürzt sich unerschrocken und leidenschaftlich auf alle pianistischen Herausforderungen, die aus diesem Prozess hervor gehen. Tief fühlt er sich ein in diese kolossale, manchmal zerklüftete Welt, malt in einem reichen Spektrum Klänge und Klangräume aus, hält auch in jedem Moment einen maximalen Energielevel souverän aufrecht. Und seine Gabe, die Schwingungen des Flügels zu intensiven, subtilen, differenzierten, gerne auch bedrohlich dunklen Farbtönen zu mischen, ist genau das, was diese Kompositionen brauchen.

Dies ist erst das Volume1 - und für sich genommen schon eine echte, von diesem Interpreten bravourös umgesetzte Repertoire-Entdeckung. Diese Quelle ist also – wenn auch nach dem Tod Stevensons aus der Retrospektive betrachtet – noch lange nicht erschöpft.

Stefan Pieper [19.09.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Stevenson Peter Grimes-Fantasy 00:07:41
2 Lord Randal (schottische Ballade) 00:03:28
3 The Dowie Dens O' Yarrow (schottische Ballade) 00:03:44
4 Newhaven Fishwife's Cry (schottische Ballade) 00:02:46
5 Beltane Bonfire 00:08:22
6 Heroic Song for Hugh MacDiarmid 00:05:19
7 Symphonic Elegy for Liszt 00:12:46
8 Chorale and Fugue in Reverse on Themes of Robert and Clara Schumann 00:03:28
9 Pavan (Elisabethanisches Stück nach John Bull) 00:05:16
10 Galiard (Elisabethanisches Stück nach John Bull) 00:03:03
11 Jig (The King's Hunt, Elisabethanisches Stück nach John Bull) 00:04:14
12 S. Rachmaninow Lilacs op. 21 Nr. 5 00:02:45
13 R. Stevenson We'll Gather Lilacs 00:04:24
14 Tauberiana (My Heart and I) 00:04:27

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Kenneth Hamilton Klavier
 
PFCD050;0654469439026

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