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CD-Besprechung

Duo Praxedis

From Praxedis With Love

paladino music pmr 0080

1 CD • 55min • 2014, 2015

26.06.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Sie teilen sich den gleichen Vornamen, sind musikalische eine Symbiose – und dazu Mutter und Tochter: Die Harfenistin Praxedis Hug-Rütti und die Pianistin Praxedis Geneviève Hug kombinieren zwei Instrumente, die in dieser Zusammenstellung fast schon ein Alleinstellungsmerkmal darstellen: Duos für Harfe und Klavier gibt es heute so gut wie keine mehr. Das war einst, in ferner frühklassischer Epoche, anders. Aber weil die beiden hochtalentierten und kreativen Damen aus der Schweiz gerne über Tellerränder einer Epoche hinaus blicken, üben sie sich fleißig in der Kunst des aufgeklärte Neuarrangements, um regelmäßig neues Material zu erschließen und der gemeinsamen, raffinierten Musizierkultur einzuverleiben. Das Duo Praxedis setzt dabei Prioritäten, die schon in den vorangegangen CDs unüberhörbar sind: Es geht um die hellen Seiten der Musik, um schwungvollen Esprit und nicht selten ein originelles Spiel mit Wiedererkennungsfaktoren, wenn etwa einschlägig bekannte Repertoire-Hits in verblüffend neuer, kammermusikalischer Färbung erklingen.

Die neueste CD des Duos entführt in die Welt von Operette, Opera buffa und artverwandter orchestraler „Unterhaltungsmusik“. Rossini, Lehár oder auch Carl Maria von Weber haben Musik geschaffen, die Handlungen untermalen und illustrieren, mit Schwung in ein Geschehen einführen oder plakativ verständliche Bilder evozieren sollen. Das Duo Praxedis macht sich solche Bravourstücke in unkonventioneller Herangehensweise zu eigen – und schafft es dabei mühelos, die inspirierten Melodien von allem Pomp und aller Klischeehaftigkeit zu entschlacken. Großartig ist die subtile Finesse, zu der sich die beiden Interpretinnen in ihrem Spiel gegenseitig beflügeln: Tochter Praxedis-Geneviève Hug steckt am Flügel weite Klangräume ab, modelliert melodische Bögen und schöpft aus ihrem leuchtkräftigen Spiel ein Feuerwerk aus Figurationen und Auszierungen. Fantastisch ist ihre Gabe, perkussiv die Tasten zu behandeln, so dass gerade die vielen verspielten Tonrepetitionen zu etwas federleitem, kaum fassbaren werden. Die Mutter, Praxedis Hug-Rütti besinnt sich derweil auf ein puristisches, mehr in sich ruhendes kantables Spiel, als wenn sie sich nichts mehr beweisen muss und ein Komplementär zum sprühenden jugendfrischen Temperament ihrer Tochter liefert. Das heißt nicht, dass diese Form einer in sich ruhenden Präsenz auch feine Ausfinanzierungen und pulsierende Akzente im richtigen Moment für beredte Statements gut sind. Zwar gibt es ein paar Momente, wo die eine etwas ihren Druck zügeln könnte und die andere noch etwas dominanter ins Zentrum treten könnte. Aber dann ist auch schnell wieder eine gute Balance hergestellt.

Mit getragener Intimität eröffnet Rossinis Wilhelm-Tell-Ouvertüre diesen Reigen, bevor dieses Stück plötzlich temperamentvoll wird. Luftige Melodik ohne Netz und doppelten Boden verströmt auch Webers Ouvertüre zu Oberon. Spielerisch kurzweiliger geht es weiter in Richard Eilenbergs Petersburger Schlittenfahrt. Und es stellen sich lautmalerische Bilder ein: Man denkt an die Musik alter prunkvoller Kirmesorgeln auf Jahrmärkten oder hört auch ganz plastisch die Spieluhr aus Emil von Sauers gleichnamigem Kabinettstück. Und damit sich die CD auf die Dauer nicht zu sehr in unterhaltsamem Gestus erschöpft, besorgen drei kontrastierende Nummern aus Camille Saint-Saens` Samson und Dalila eine wohldosierte Portion Dramatik mit viel tänzerischem Verve und eine anregenden, bestens zündenden Prise Exotik.

Stefan Pieper [26.06.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gioachino Rossini
1Wilhelm Tell (Ouvertüre) 00:10:07
Otto Nicolai
2Die lustigen Weiber von Windsor (Ouvertüre) 00:09:03
Carl Maria von Weber
3Oberon (Ouvertüre) 00:09:11
Richard Eilenberg
4Petersburger Schlittenfahrt op. 57 00:03:05
Franz Lehár
5Die lustige Witwe (Ballsirenen-Walzer) 00:07:27
Emil von Sauer
6Spieluhr 00:03:11
Camille Saint-Saëns
7Samson et Dalila (Dance of the Priests) 00:02:18
8Samson et Dalila (Bacchanal) 00:07:49
Louis-Moreau Gottschalk
9Ojos criollos op. 37 00:03:05

Interpreten der Einspielung

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