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CD-Besprechung

Sol Gabetta

Vasks

Presence

Sol Gabetta

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 22.02.16

Sony Classical 088725423122

1 CD • 61min • 2015, 2009

Der große lettische Nationalkomponist Peteris Vasks hat 2011-12 für Sol Gabetta sein 35-minütiges zweites Cellokonzert, diesmal mit Streicherbegleitung, geschrieben. Die Satzfolge langsam-schnell-langsam ist typisch für ihn und kennzeichnet seine Vorliebe für das Elegische, Melancholische und Introvertierte. Das Konzert wird von einer ausgedehnten Solokadenz eröffnet, der im kontrastreichen Mittelsatz eine weitere folgt. Am Ende singt die Cellistin zu ihrem Cellospiel wie schon in ‚Gramata Cellam’ (Buch für Cello) für Cello solo von 1978, dem mittlerweile zum Kultstück avancierten, extrem gegensätzlichen Zweiteiler, mit dem die CD schließt – dessen zweiter Satz insbesondere hat unbestreitbar zeitlose Qualitäten fern jeder Normalität des Kompositionsbetriebs. Aufschlussreich lässt sich hier auch die stilistische Wandlung im Schaffen Vasks’ von der Sowjetzeit zur an den Westen angebundenen Unabhängigkeit nachvollziehen. Außerdem spielt Sol Gabetta mit ihrer Mutter die Musique du soir für Cello und Orgel, eine in der Urtümlichkeit und teils schroffen Einfachheit der Gegenüberstellung tief beeindruckende Tondichtung von 13 Minuten Dauer.

Die intensive Zusammenarbeit von Komponist und Solistin verleiht den Aufführungen eine authentische Kraft, die der Beweglichkeit des Ausdrucks nicht im Wege steht. Für mich entsteht dabei auch der Eindruck, dass man sich so inwendig leidenschaftlich ins Geschehen stürzte, dass viele Vortragsbezeichnungen auf der Strecke blieben. Das Ergebnis kann gewiss für alle Hörer, die beispielsweise auch Pärt, Kantscheli oder Silvestrov lieben, überwältigend sein. Insofern gibt es nicht nur bereits ein breites Publikum für diese Musik, sondern noch ein weit größeres potentielles Publikum, dessen Sehnsüchte und Schmerzen in Vasks’ Tonsprache eine ideale Entsprechung finden werden. Die Technik spielt in jeder Hinsicht eine zwar unentbehrliche, jedoch immer geringere Rolle, es geht um die intensive Übertragung einfacher menschlicher Botschaften, die in ihrer Lebensbejahung und Demut vor dem Wunder der Natur den Menschen als Ganzes und nicht nur in seinem Intellekt, seinen Emotionen oder seinen Trieben ansprechen will. Vasks hat seine schöpferische Stimme schon vor Jahrzehnten gefunden und sie zu einer immer größeren Reinheit entwickelt, die weniger denn je auf Klangeffekte setzt. In den kraftvoll-ruppigen Abschnitten des Mittelsatzes wäre mehr dynamische Differenzierung innerhalb des Streichorchesters, das ohne Dirigent spielt, aber auch von Seiten der technisch absolut untadeligen Solistin dringend wünschenswert gewesen. Ansonsten ist alles verständlich und man findet zu weitgehend einheitlichem Ausdruck. Die Aufnahmequalität ist auf der Höhe der Zeit, im Booklet finden sich ein schöner Einführungstext von Sol Gabetta und ein interessantes Interview mit dem Komponisten.

Christoph Schlüren [22.02.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. Vasks Konzert Nr. 2 für Violoncello und Streichorchester (Klātbūtne - Presence) 00:35:02
4 Musique du soir für Orgel und Violoncello 00:12:17
5 Grāmata čellam (The Book) für Violoncello solo 00:12:46

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sol Gabetta Violoncello
Amsterdam Sinfonietta Orchester
Candida Thompson Dirigent
Irène Timacheff-Gabetta Orgel
 
088725423122;0887254231226

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