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CD-Besprechung

GiovinCello

Cello Concertos

Erato 460526 6

1 CD • 80min • 2015

20.11.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Auf dem CD-Cover der mit „Giovincello“ betitelten Produktion (ital. für einen jungen sorglosen Kerl) springt ein junger Mann den Betrachter förmlich an. Will man jedoch mehr über ihn und das ihm zur Seite stehende Ensemble Il Pomo D’Oro unter der Leitung von Riccardo Minasi erfahren, ist man erstmal auf das Internet angewiesen. Das CD-Booklet hüllt sich nämlich bezüglich des aus Paris stammenden Cellisten Edgar Moreau und des 2012 gegründeten Alte-Musik-Ensembles in Schweigen. Was zuerst befremdet, sich aber schnell als kleiner Vorteil herausstellt (möglicherweise ein wohlüberlegter Schachzug der Plattenfirma?). Denn so kann sich der Hörer wirklich vorbehaltlos der hinreißenden Musik, vor allem aber der anspringenden Spielfreude und dem unbedingten Ausdruckswillen des jungen Franzosen und seiner italienischen Mitstreiter hingeben.

„Die Werke auf dieser CD zeichnen am Beispiel einiger der repräsentativsten Konzerte des 18. Jahrhunderts die wachsenden Ausdrucksmöglichkeiten des Violoncellos in ihrer Entwicklung nach. Cellotechnik und -literatur veränderten sich in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts beträchtlich“ – so der Einführungstext von Guido Olivieri. Tatsächlich kann man das eingespielte Repertoire als ein Abbild der fiebernden Aufbruchsstimmung zwischen Barock und Klassik verstehen. Diesem Umstand entspricht auf ideale Weise auch die hoch gespannte und Musizierhaltung aller Beteiligten, wie sie sich etwa in Haydns Cellokonzert C-Dur Hob.VIIb:1 zeigt, besonders im Allegro-Molto-Finale, einem rasanten Perpetuum mobile. Wie sehr Il Pomo D’Oro und Edgar Moreau auch aufdrehen, verblüffen sie doch mit einer faszinierend federnden Elastizität und mit feinsinnigen dynamischen Abstufungen. Wie natürlich fließend der einundzwanzigjährige Cellist hier die rasenden Läufe durch sämtliche Register nimmt, mit welcher Sinnlichkeit er das legato-Spiel über mehrere Lagen im Andante des Vivaldi-Konzerts a-Moll RV 419 oder selbst das Passagenwerk in den höchsten Lagen innerhalb des Cellokonzerts D-Dur G479 von Luigi Boccherini gestaltet – all das zeugt von einer überlegenen Kunst, einem intuitiven Ansatz frei von jeglichen interpretatorischen Konventionen und abseits möglicher Fragestellungen bezüglich einer historisch informierten Musizierpraxis. Er macht sich die Musik einfach zu eigen und hinterlässt mit seinem erfrischenden, ja beglückenden Spiel in jeder einzelnen Phrase seine eigene, unverwechselbare Handschrift. Oder anders ausgedrückt: Die Musik der Cello-Klassiker von Vivaldi, Haydn und Boccherini erzählt Edgar Moreau wie zum ersten Mal. Und zwar, ohne sich in den Vordergrund spielen zu müssen, stets – auch aufnahmetechnisch – organisch eingebettet in den farbenfrohen und sehr beredten Vortrag der italienischen Alte-Musik-Spezialisten.

Damit nicht genug, überraschen die Interpreten auch noch mit der Weltersteinspielung eines Cellokonzerts des Haydn-Zeitgenossen Carlo Graziani (gest. 1787), einem in Paris, London, Frankfurt und Berlin tätigen italienischen Cellovirtuosen, zu dessen Schülern sogar der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm II. gehörte. Das Werk ist eine bemerkenswerte Entdeckung nicht allein wegen seiner für die damalige Zeit allumfassenden Herausforderungen an den Solisten, sondern auch aufgrund seiner Tonsprache, die italienische Kantabilität mit einem symphonischen Gepräge deutsch-österreichischer Art verbindet. Und wieder ist es die für Edgar Moreaus Spiel so typische mit rhythmischer Dringlichkeit gepaarte Sinnlichkeit, die den Hörer, wenn auch nicht anspringt, so doch in ihren Bann zieht. Womit ich wieder am Beginn wäre, bei der Betrachtung des CD-Covers. Mit dieser Produktion (übrigens die 2. CD-Veröffentlichung des jungen Franzosen) ist Edgar Moreau für mich ohne Zweifel auf dem Sprung zu einer großen Karriere, vielleicht sogar im Sinne einer Fortführung der großen französischen Cello-Tradition.

Christof Jetzschke [20.11.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Violoncellokonzert Nr. 1 C-Dur Hob. VIIb:1 00:23:06
Antonio Vivaldi
4Concerto a minor RV 419 for Violoncello, Strings and B.c. 00:08:03
Giovanni Benedetto Platti
7Concerto D major for Violoncello and Orchestra 00:11:53
Luigi Boccherini
10Violoncellokonzert Nr. 6 D-Dur G 479 00:15:32
Carlo Graziani
13Concerto C major for Violoncello and Orchestra 00:21:13

Interpreten der Einspielung

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