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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Mendelssohn

BIS 2166

1 CD/SACD stereo/surround • 69min • 2014

12.11.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Überrascht sein werden die Fans der Aufnahmen Thomas Dausgaards mit seinem Swedish Chamber Orchestra von deren erster Mendelssohn-Produktion nicht. Hochkarätiges, vorwärtsdrängendes, im Rasanten wie im Heiklen äußerst präzise synchronisiertes Zusammenspiel, mit staunenswert sauberer Intonation gerade auch im Sommernachtstraum. Dort ist auch der Chor ausgezeichnet, ebenso die beiden Sopranistinnen, unter welchen Camilla Tilling mit biegsam reiner, ausdrucksstark schlanker Stimme zu verzaubern weiß. Von ganz besonderem Reiz ist, dass hier einmal die gesamte Schauspielmusik zum Sommernachtstraum ohne Sprechstimmen erklingt, was die Musik zu alleiniger Geltung bringt und uns sie viel bewusster wahrnehmen lässt.

Die Musik Felix Mendelssohn Bartholdys liegt Thomas Dausgaards Neigung zum Geschwinden und Frischen, auch zur Bizarrerie, wenngleich er hier – bei diesem Meister der vollendeten Balance – zu Übertreibungen neigt, die Mendelssohn in Richtung Berlioz rücken, was der Tonsatz nicht einlöst. Im kräftigen Forte lässt es Dausgaard ordentlich krachen, was immer wieder zur Folge hat, dass wichtige Stimmen vom mächtigen Blech verdeckt werden. Sogar im Hochzeitsmarsch passiert das mit dem einen oder anderen Melodieton. Die beiden beigegebenen Ouvertüren – Das Märchen von der schönen Melusine und die Hebriden – sind ziemlich schnell genommen, was oftmals das freie Resonieren verhindert und so einen überstürzten Eindruck macht. Das gilt auch für die Sommernachtstraum-Ouvertüre und den Tanz der Rüpel. Dausgaard liebt die Extreme: äußerstes pianissimo, in welchem es dann zu herrlich spukhaften Zaubereien kommen kann, und zwar meist noch einigermaßen durchsichtiges, jedoch sehr scharfkantiges Fortissimo, in welchem die Balance, um in Abwandlung Hindemith zu zitieren, „Nebensache ist“. Wenn er sich mehr Zeit lässt, wie im Notturno, kann sich sofort ein sehr schöner Gesamtklang entfalten, und auch dann spürt man, dass das Con moto tranquillo mit noch ein wenig mehr Zeit seinen Charakter hätte noch mehr entfalten können.

Der Booklettext informiert ausführlich, das Klangbild ist exzellent auch in der Räumlichkeit und macht fast alles klar durchhörbar mit Ausnahme jener Momente, wo dies einfach nicht mehr so ganz möglich ist. Wenn er will, lässt Dausgaard wunderbar sanglich und sensibel phrasieren, wenn er will, entsteht momentweise ein kammermusikalisches Ganzes, doch noch überdeckt der Rausch des Stürmens und Drängens, der brillanten Effekte des Augenblicks den Sinn für eine energetisch zusammenhängende Darstellung.

Christoph Schlüren [12.11.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Felix Mendelssohn Bartholdy
2Ein Sommernachtstraum op. 61 (Bühnenmusik zu Shakespeares Schauspiel; Ausschnitte - arr. Hendrik Schnökel) 00:49:26
16Die Hebriden h-Moll op. 26 (Fingals Höhle, Konzertouvertüre) 00:08:51

Interpreten der Einspielung

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