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CD-Besprechung

Georg Philipp Telemann
The Grand Concertos for mixed instruments Vol. 2

Georg Philipp Telemann<br />The Grand Concertos for mixed instruments Vol. 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 22.05.15

cpo 777 890-2

1 CD • 60min • 2013, 2014

Nur etwas mehr als einem halben Jahr nach der ersten erscheint die zweite von vier geplanten Folgen der Konzerte für gemischte Besetzungen von Telemann mit La Stagione Frankfurt unter der Leitung von Michael Schneider. Wieder ist eine farbige Zusammenstellung verschiedenartiger solistischer Kombinationen gelungen, so dass während der einstündigen Spieldauer der CD keine Langeweile aufkommen kann – Telemann zu Dank und nicht zuletzt auch dank seinem durch jahrzehntelange Vertrautheit höchst kundigen Deuter Michael Schneider.

Die Vergleichsaufnahmen zu den Werken dieser CD eröffnen zugleich eine historische Übersicht über die Telemann-Diskographie der letzten 33 Jahre: Christopher Hogwoods Einspielung des Konzerts für 3 Trompeten TWV 54:D4 datiert als älteste Aufnahme von 1981. Zudem tritt Michael Schneider in der Konkurrenz auch gegen sich selbst an, hat er doch zwei Concerti bereits früher mit seiner Camerata Köln für die deutsche harmonia mundi aufgenommen, in TWV 52:a1 ist in beiden Fällen auch Rainer Zipperling sein Partner an der Gambe. Überdies spielt Schneider als Ensemblemitglied der Musica Antiqua Köln bei der Vergleichsaufnahme von TWV 54:B2 mit.

Bei Michael Schneider hat in den mehr als 20 Jahren zwischen seinen beiden Einspielungen keine bahnbrechende musikalische Veränderung, geschweige denn ein Paradigmenwechsel, stattgefunden – wozu auch kein Anlass bestand, hatte der Künstler schon 1991 als gereifte Persönlichkeit zu seinen künstlerischen Maximen gefunden, die seiner Wirksamkeit bis heute das Fundament bieten. Als Frucht der fortgeschrittenen Zeit mag man allerdings jetzt eine gelöstere Atmosphäre wahrnehmen, was dem Musizieren bei aller Sorgfalt und Intelligenz noch ein wenig mehr von dem Charme und der Eleganz verleiht, die Telemanns Musik in so unwiderstehlicher Weise auszeichnet. Leider enthüllt der Vergleich zwischen Alt und Neu auch, dass die Tontechnik damals ein ungleich differenzierteres räumliches Klangbild einfing, als das offensichtlich heute möglich oder gewollt ist – schleierhaft, wo die Gründe für die Eindimensionalität der Neuaufnahme liegen: Der koproduzierende Sender war damals wie heute die gleiche Anstalt.

Im Vergleich der beiden Einspielungen des Konzerts für zwei Blockflöten und zwei Oboen TWV 54:B2 (bei Musica Antiqua Köln war Schneider ja 1993 als Blockflötist beteiligt) zeigt sich besonders beim Presto ein ungeduldiges Vorwärtsdrängen bei der MAK, wo Schneider heute als Solist und Ensembleleiter auf eine solche leicht gereizte Stimmung völlig verzichten kann, ohne dass es dem Satz an Schwung und Energie fehlt.

Das Konzert mit der reizvollen Solistenkombination Trompete und Violine TWV 53:D5, bei La Stagione spielen Ingeborg Scherer die Sologeige und Hannes Rux die Trompete, ergibt sich neben der Aufnahme der Musica Antiqua mit Reinhard Goebel als Geiger und dem vorzüglichen Friedemann Immer an der Trompete noch die Vergleichsmöglichkeit mit dem französischen Ensemble Stradivaria mit Daniel Cuiller (Leitung und Violine) und Gilles Rapin (Trompete) als Solisten. Wieder drückt Musica Antiqua auf die Tube und rast im ersten Satz mit extra beschleunigten Stretta-Einlauf auf die letzte Note zu: Telemann als Formel-1-Erlebnis. Cuiller und Schneider geben den Solisten Gelegenheit zu lustvollem Dialog, besonders auch im festlichen Kehraus des abschließenden Allegros, Schneider besticht noch zusätzlich im Mittelsatz durch besonders liebevolle Gestaltung des stimmungsvollen Adagio.

Wer Christopher Hogwoods 1981 aufgenommene CD mit Doppel- und Tripelkonzerten von Telemann besitzt, wird anhand des Konzerts für drei Trompeten und Pauken TWV 54:D4 feststellen können, dass das Bess’re des Guten Feind ist – Schneiders schöne und festlich-freudige Interpretation ist ohne Fehl und Tadel, doch schon die gravitätische Feierlichkeit, mit der Hogwood das Stück beginnt, schlägt den Hörer unmittelbar in den Bann. Das nachfolgende Allegro dauert bei Hogwood 2 Minuten und 57 Sekunden gegenüber 2 Minuten und 19 Sekunden bei Schneider: Ein beachtlicher Tempounterschied, der Schneiders Schwung und Trompetenschall von Hogwoods überaus stimmiger Würde trennt. Dasselbe Wunder an perfekt angemessener Gravität gelingt Hogwood auch im abschließenden Presto, das trotz des schnellen Zeitmaßes doch etwas erheblich anderes darstellt als Schneiders fröhlich-funkelnder Abschluss dieses Konzerts.

TWV 53:D4: Camerata Köln, Schneider (deutsche harmonia mundi 88697568712, AD: 1991)

TWV 52:a1: New London Consort, Pickett (Dec 433043-2 AD: 1990); Camerata Köln, Schneider (deutsche harmonia mundi 88697568712, AD: 1991); Cappriccio Stravagante, Sempé (Paradizo PA 0002, AD: 2005); Le Concert des Nations, Savall (AVSA 9877, VÖ: 2010)

TWV 54:D4: Academy of Ancient Music, Hogwood (Dec 478002-2, AD: 1981)

TWV 54:B2: Musica Antiqua Köln, Goebel (DG Archiv 413788-2, AD: 1993)

TWV 53:D5: Ensemble Stradivaria, Cuiller (MIR 011, AD: 2005); Musica Antiqua Köln, Goebel (DG Archiv 419633-2, AD: 1986)

Detmar Huchting [22.05.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.Ph. Telemann Concerto D-Dur TWV 53:D4 00:12:37
5 Concerto a-Moll TWV 52:a1 00:14:50
9 Concerto D-Dur TWV 54:D4 00:07:27
13 Concerto B-Dur TWV 54:B2 00:10:46
17 Concerto D-Dur TWV 53:D5 00:13:19

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
La Stagione Frankfurt Orchester
Michael Schneider Dirigent
 
777 890-2;0761203789023

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