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CD-Besprechung

cpo 777 727-2

2 CD • 2h 23min • 2010

08.04.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Erst dreizehn Jahre alt war Carl Maria von Weber, als er mit seiner ersten Oper Das stumme Waldmädchen in Freiberg herauskam und Schiffbruch erlitt. Doch das Sujet ließ ihn offenbar nicht los. Zehn Jahre später (1810) brachte er eine, in Zusammenarbeit mit einem neuen Librettisten gründlich überarbeitete neue Fassung unter dem Titel Silvana auf die Bühne des Frankfurter Nationaltheaters. Auch diese Version stellte den selbstkritischen Komponisten noch nicht zufrieden, so dass er sie noch zwei weitere Male (1812, 1818) revidierte. In jüngerer Zeit (1996) hat das Stadttheater Hagen die Oper szenisch erneut auf den Prüfstand gestellt und bei Marco Polo auch eine CD (ohne Dialoge) veröffentlicht. Der nun vorliegende Mitschnitt einer konzertanten Aufführung des BR stützt sich auf die Urfassung von 1810 und enthält in verknappter Form auch die für das Verständnis der Handlung notwendigen Sprechtexte. Der Wiederbelebungsversuch an diesem Jugendwerk ist vollauf gelungen, man kann von einer echten Entdeckung sprechen.

Die Story ist recht verwickelt. Graf Rudolph soll Mechtilde heiraten, die Tochter des Grafen Adelhart, wozu er keine Neigung verspürt. Diese eben so wenig, denn sie liebt Albert von Cleeburg, dessen Vater einst ihre Schwester Ottilie hat ermorden lassen. Eine unmögliche Beziehung also, denn Adelhart hat tödliche Rache geschworen. Rudolph entdeckt auf der Jagd das stumme Waldmädchen Silvana und verliebt sich in sie. Bis die scheinbar heillose Lage sich entspannt und die richtigen Paare zueinander finden, gibt es hochdramatische, lebensgefährliche Situationen, das Happy End wird dann durch einen Theatercoup herbeigeführt. Silvana ist niemand anders als Ottilie, die von ihrem gedungenen Mörder in Sicherheit gebracht und aufgezogen wurde. Und sie ist auch gar nicht stumm, sondern folgte nur dem strikten Redeverbot ihres Pflegevaters.

Das dramaturgisch krude zusammengeschusterte, mit holprigen Reimen gespickte Libretto Franz Karl Hiemers enthält dennoch einige Ingredienzien einer echten romantischen Oper, die einen begabten jungen Komponisten sehr wohl beflügeln konnten: Die Jagdszene mit Hörnerklang als Introduktion, das Ritterturnier im zweiten, das Gewitter im dritten Akt. Und dann gab die stumme Rolle der Silvana ausreichend Gelegenheit, als Pendant für den Gesang tänzerische Situationen zu erfinden. Und hier war der junge Weber ganz in seinem Element. Silvanas Tänze zeigen ihn schon ganz auf der Höhe seiner Schaffenskraft und es ist eine reine Freude, ihnen zu lauschen. Doch auch sonst gibt es neben konventionelleren Nummern einiges zu bewundern, das für die Zeit neu war und auf den späteren Meister voraus weist. Das gilt vor allem für die drei großen Arien von Rudolph, Mechtilde und Adelhart, die man eigentlich als Monologe bezeichnen muß in ihrem Wechsel von dramatisch durchpulstem Rezitativ und kontemplativen Kantilenen. Die Ansprüche, die dabei an die Sänger gestellt werden, sind eminent, denn Weber führt ihre Parts sehr instrumental aus, jagt sie durch zwei Oktaven und beglückt sie mit Koloraturen wie sie damals in der italienischen Oper üblich waren.

Besonders Rudolph wird bis an die Grenzen der Tenorstimme gefordert. In dieser Rolle scheinen Adolar und Hüon schon vorweg genommen, aber auch Max klingt in einigen Passagen an. Die schmelzreiche und biegsame Stimme Ferdinand von Bothmers entspricht den Anforderungen in bewundernswerter Weise, noch nicht ganz perfekt, aber das Ideal schon in Sicht- respektive Hörweite. Dass in der tiefen Lage dann nur heiße Luft kommt, darf man ihm nicht ankreiden, das ist der Sorglosigkeit geschuldet, mit der Weber (nicht nur hier) die Gesangsstimmen behandelt. Michaela Kaune ist – auf dem Wege vom lyrischen zum jugendlich-dramatischen Sopran – für die Partie der Mechtilde, die eine Agathen-Stimme verlangt, schon zu reif und sie besitzt nicht mehr die Flexibilität, die vor allem die Läufe der großen Arie ihr abverlangen. Nicht ideal für den Wüterich Adelhart, der eine Stimme wie Pizarro in Fidelio verlangt, ist auch der noch zu lyrische Detlef Roth, dem das Bassfundament eines echten Heldenbaritons fehlt. Sehr ansprechend sein Fachkollege Simon Pauly in der buffonesken Rolle des Knappen Krips, der einige Verwandtschaften zu Papageno, aber auch zu Scherasmin in Oberon aufweist.

Die Seele des ganzen Unternehmens ist freilich das Münchner Rundfunkorchester, das unter der Leitung seines Chefdirigenten Ulf Schirmer die ganze Klangpalette der romantischen Oper ausbreitet und überall, auch in den nur halb gelungenen Nummern, den späteren Großmeister Weber erkennen lässt.

Ekkehard Pluta [08.04.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Maria von Weber
1Silvana (Romantische Oper in drei Aufzügen)

Interpreten der Einspielung

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