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CD-Besprechung

DG 479 3922

1 CD • 75min • 2014

10.11.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Verbunden sind Martha Argerich und Daniel Barenboim – abgesehen vom Weltruhm – durch ihre geographischen Wurzeln. Sie wuchsen als vielbestaunte pianistische Wunderkinder in Buenos Aires auf, traten gleich nach dem Zweiten Weltkrieg bei den selben Anlässen auf. Dennoch hat es lange gedauert, bis sie sich fanden – in den achtziger Jahren präsentierte sich Martha Argerich gelegentlich als Solistin beim Dirigenten Barenboim, ein einziges Mal kam es damals in Paris zu einem gemeinsamen Klavierrezital. Das Verpasste wurde jetzt umso spektakulärer nachgeholt – am 19. April 2014 in der Berliner Philharmonie bei den dortigen Festtagen. Das Konzert wurde mitgeschnitten und, wie es sich für Superstars ziemt, zügig auf den Markt gebracht. Fazit: die 73jährige Pianistin und der 72jährige Pianist spielen, als wollten sie ihre Alterslosigkeit demonstrieren. Mit Schwung und Elan, kaum sonderlicher Diskretion verpflichtet. Der Eindruck des Draufgängerischen wird durch die Tontechnik unterstrichen: die Mikrofone stehen nahe bei den Flügeln, ja scheinen gelegentlich mitten drin zu stecken. Die dazu angepasste Kraftgebärde bestimmt vor allem den zweiten Teil des Programms.

Zuvor ist gehobene Hausmusik angesagt, bei welcher Barenboim die führende Stimme übernommen hat. Sowohl Mozart (D-Dur-Sonate für zwei Klaviere KV 448) wie Schubert (Variationen über ein eigenes Thema für Klavier vierhändig D 813) schrieben die entsprechenden Kompositionen für begabte Schülerinnen. Dass in beiden Werken, über den pädagogischen Zweck hinaus, viel Spielfreude herrscht, wird von Barenboim/Argerich nicht unterschlagen, sondern resolut herausgestrichen – manchmal ein bisschen auf Kosten subtilerer Zwischentöne. Immerhin, das Besinnliche zumal bei Schubert bleibt gewahrt.

Das „sehnsüchtig erwartete“ (Zitat CD-Heft) Hauptereignis des Berliner Abends jedoch fand nach der Pause statt. Nämlich Igor Strawinskys Le Sacre du printemps in der vom geschäftstüchtigen Komponisten selber eingerichteten Fassung für Klavier zu vier Händen. Sie ist in den Schatten der effektvollen Orchesterversion geraten (auch Barenboim hat diese natürlich oft dirigiert) und wird verhältnismässig selten aufgeführt. Am ehesten noch von wagemutigen Klavierduos – dass zwei prominente Solisten zusammenkommen, ist fast so etwas wie die pikante Ausnahme. Barenboim und Argerich schonen sich keineswegs, geraten mitunter sogar ins martialisch Hämmernde und versuchen immer, den oft vertrackten Rhythmen so eng wie möglich auf der Spur zu bleiben. Und sie verlieren die Kontrolle nie – selbst dort nicht, wo im Ausklang des ersten Teils L’Adoration de la terre die Musik außer sich zu geraten droht. Man mag es das kalkulierte Risiko nennen – vielleicht können nur langerfahrene Künstler solch eine knifflige Balance herbeizwingen.

Mario Gerteis † [10.11.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Sonate D-Dur KV 448 für 2 Klaviere 00:24:40
Franz Schubert
4Variationen über ein Originalthema As-Dur op. 35 D 813 für Klavier zu vier Händen 00:18:32
Igor Strawinsky
5The Rite of Spring 00:14:48

Interpreten der Einspielung

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