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CD-Besprechung

Ch. Gounod

cpo 1 CD 777 863-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 22.09.14

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 863-2

1 CD • 68min • 2011, 2012

Mitte des 19. Jahrhunderts muß sich Euterpe recht kapriziös gefühlt haben. Sonst hätte sie kaum die verspielten Seiten der Wiener Klassik und frühesten Romantik mit launiger Hand über einige französische Talente verstreut wie ein Zuckerbäcker, der zur Abrundung seiner jüngsten Kreationen noch ein paar Nonpareilles oder Schokoraspeln auf den halbfesten Guß wirft: Wollen wir doch mal sehen, scheint die Muse der Tonkunst zu ihren Schwestern gesagt zu haben, ob jemand was besonderes draus macht ...

Tatsächlich sind die Resultate ziemlich beachtlich, wenngleich für den repertoiregefüllten Datenspeicher des Recensenten von einer gewissen Pein begleitet. Die ewige Frage des „woher kenne ich das bloß?” und „das ist aber doch von ...?” kann, wenn man beispielsweise die D-Dur-Sinfonie von Charles Gounod aus dem Jahre 1855 vor sich hat, von den klingenden Ereignissen so sehr ablenken, dass einem unter Umständen beim ersten Hören der wohlgeratenen Produktion aus dem Studio des Radio della Svizzera Italiana unter Oleg Caetani die ganze Leichtfüßigkeit und vergnügte Eleganz der Darbietungen, ihre bestrickende Balance und Ausleuchtung, ihre zauberhafte Farbgebung und die durchweg „richtig” anmutende Tempowahl schier entgehen wollen. Der Kopfsatz? Das ist doch eine der Frühen von Schubert? Oder Haydn? Mozart? Nachher, oder wie’s Heinz Erhardt treffend sagte: „Viel nachherer” – der Geistesblitz: Es ist die exakt im selben Jahr entstandene Sinfonie C-Dur von Georges Bizet, die Felix von Weingartner Jahrzehnte später uraufgeführt hat und die Gounod eigentlich nur durch das himmlische Relais der neckischen Muse kennen konnte.

Bei der gleichaltrigen zweiten Sinfonie in der „eroischen” Tonart Es-Dur sind dann – ähnlich wie in der Urbs Roma-Sinfonie des erheblich jüngeren Camille Saint-Saëns – auch Beethovens Signale angekommen, die freilich durch mancherlei systematische Aufführungen und Studienmaterialien weitaus handfester nach Paris fanden als etwa die jugendlichen Unternehmungen des Wiener Schulmeistersohnes Schubert. Gounods Konsequenzen sind deutlich, ohne dass er mit seinen immerhin schon siebenunddreißig Jahren über die tonsetzerischen Phänomene hinausgelangt wäre: Wieder wedelt die Hand, mit der hier „Titanisches” nachgeschrieben und nachgebildet wird, in jener unnachahmlich legeren Fächerbewegung, mit der man im Héxagone so gern etwas Staunenswertes gestisch begleitet. Dass es dabei vor allem im Finale des Werkes zu leichten Ermüdungserscheinungen kommt, liegt in der Natur des musikalischen Vorsatzes, nicht aber im redlichsten Bemühen des schweizerischen Orchesters und seines Dirigenten begründet.

Zu einem chef-d’œuvre braucht’s denn doch eine andere Durchschlagskraft. Die hätte Gounod womöglich, wenn wir den hier als Bonus eingespielten Fragmenten glauben dürfen, in der neuen Sinfhonie erreicht, die er gegen Ende seines Lebens in Angriff nahm. Einleitung und Exposition des Kopfsatzes sowie knapp fünf Minuten eines Andante sind zwar alles, was am Ende zustande kam, und somit nicht so viel, um aufs Ganze zu schließen: In jedem Fall aber spürt man neben der lyrischen Begabung ein leises Aufbegehren, über das zu spekulieren indes sinnlos wäre. Die Wiedergabe der zwei Bruchstücke ist tadellos.

Rasmus van Rijn [22.09.2014]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Ch. Gounod Sinfonie Nr. 1 D-Dur 00:26:54
5 Sinfonie Nr. 2 Es-Dur
9 Sinfonie Nr. 3 C-Dur (Fragment) 00:08:21

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Orchestra della Svizzera Italiana Orchester
Oleg Caetani Dirigent
 
777 863-2;0761203786329

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