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CD-Besprechung

Matthias Weckmann

Complete Organ Works

Matthias Weckmann

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 07.08.14

cpo 777 873-2

2 CD • 1h 56min • 2013

Die musikalische Laufbahn des 1616 im thüringischen Niederdorla bei Mühlhausen geborenen Matthias Weckmann begann mit 12 Jahren als Chorknabe in der von Heinrich Schütz geleiteten Dresdner Hofkapelle. Das Orgelspiel erlernte Weckmann ab 1633 auf Vermittlung von Schütz mit einem kurfürstlich-sächsischen Stipendium in Hamburg bei Hieronymus Praetorius (einem Schüler des legendären Jan Pieterszoon Sweelinck). Heinrich Scheidemann, dem weiteren berühmten Hamburger Organisten der norddeutschen Barockschule dieser Zeit, wird der junge Mann zweifellos auch gelauscht haben: Somit wird er in Hamburg eine ebenso fundierte wie vielseitige Ausbildung erhalten haben.

Ab 1636 befand sich Weckmann wieder in Dresden, wo er als Hoforganist und Mitglied der kurprinzlichen Kapelle wirkte. Zwischen 1643 und 1647 hielt er sich in Dänemark auf, um für den Kronprinzen und späteren König Christian V. eine Hofkapelle aufzubauen; insbesondere seine Unterweisungen der Sänger im italienischen Stil prägten das Ensemble nachhaltig.

Von besonderer Bedeutung wurde für Weckmann ein Besuch des Cembalovirtuosen Johann Jacob Froberger im Winter 1649/50 – die beiden Musiker maßen in einem Wettstreit ihre Kräfte und wurden in der Folge enge Freunde. Froberger vermittelte Weckmann Einblicke in den süddeutschen Musikstil, der neben italienischen auch französische Einflüsse verarbeitete.

1655 wurde Weckmann Organist an St. Jacobi in Hamburg; 1674 ist er in der Hansestadt gestorben und in der Kirche begraben worden, an der er die letzten 19 Jahre seines Lebens gewirkt hatte. Erst weitere 19 Jahre nach Weckmanns Tod baute Arp Schnitger für St. Jacobi die berühmte Orgel, die heute nach einer skrupulösen Restaurierung durch die Orgelbauwerkstatt Jürgen Arend von 1989 bis 1993 wieder in ihrer ursprünglichen Form zu erleben ist – freilich hat auch schon Arp Schnitger viele Pfeifen des von Weckmann genutzten Vorgängerinstruments in den Pfeifenbestand seiner Orgel integriert und ihr somit bereits eine historische Dimension verliehen.

2008 hatte Joseph Kelemen bereits eine CD mit Orgelwerken Weckmanns auf der Arp-Schnitger-Orgel in St. Jacobi zu Hamburg eingespielt. Friedhelm Flamme hat für seine Einspielung sämtlicher erhaltener Orgelwerke von Matthias Weckmann eine andere Orgel verwendet: Die Johann-Patroclus-Möller-Orgel der Abteikirche Marienmünster ist freilich von ihrem Pfeifenbestand bestens dazu geeignet, die Klangvorstellungen des Komponisten umzusetzen, wie sie in teilweise erhaltenen Registrierungsanweisungen Weckmanns noch heute nachvollziehbar sind. Eine der Rekonstruktion der Arp-Schnitger-Orgel an St. Jacobi ebenbürtige Restaurierung der Orgel in Marienmünster, 2010 bis 2012 ausgeführt von der Straßburger Orgelbaufirma Mühleisen, gab dem Instrument seine originale Stimme wieder, die der Lippstädter Orgelbauer Johann Patroclus Möller (1968-1772) seiner Orgel 1738 mitgegeben hat. Zusätzlich bemerkenswert ist die Tatsache, dass durch die Rekonstruktion der ursprünglichen Blasebalganlage für diese Aufnahme kein elektrischer Gebläsemotor verwendet wurde. Durch die Muskelkraft zweier die Balganlage betätigender so genannter „Kalkanten“ ist mit flexibler Windversorgung und Windstößigkeit sowie entsprechenden Geräuschen der Bälge das lebendige Klangbild um eine weitere historische Facette vermehrt worden.

In seiner klingenden Anthologie norddeutscher Orgelmusik macht Friedhelm Flamme mit dieser Einspielung das Dutzend voll – und er feiert diesen bemerkenswerten Anlass mit einem erstrangigen Meister, der (abgesehen von Kelemens CD) in der Diskografie bisher nicht nach Verdienst gewürdigt worden ist. Der prachtvolle Klang der insgesamt ein wenig weicher als das Hamburger Schnitger-Instrument intonierten Johann-Patroclus-Möller-Orgel trägt das seine dazu bei, dass diese CD alle Eigenschaften vereint, die sie zu einem Liebling der Freunde der Orgelmusik machen sollten.

Vergleichseinspielung: Weckmann: Orgelwerke; Joseph Kelemen (Orgel); Oehms Classics OC 627 (AD: 2008)

Detmar Huchting [07.08.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Weckmann Praeambulum Primi toni a 5 d-Moll 00:03:27
2 Magnificat Secundi Toni 00:06:39
6 Gelobet seystu Jesu Christ 00:11:29
10 Gelobet seist du, Jesus Christ 00:04:07
13 Ach wir armen Sünder 00:07:15
16 Es ist das Heyl uns kommen her 00:28:37
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Fantasia ex D d-Moll 00:04:07
2 Fuga ex D. ped(aliter) primi toni d-Moll 00:05:05
3 Komm, heiliger Geist, Herre Gott 00:09:10
6 Gott sei gelobet und gebenedeiet 00:06:41
8 Nun freut euch, lieben Christen gmein 00:06:20
11 O lux beata Trinitas 00:23:47

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Friedhelm Flamme Orgel
 
777 873-2;0761203787326

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