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CD/SACD stereo-Besprechung

Slavic Nobility

Ars Produktion 38 153

1 CD/SACD stereo • 61min • 2014

31.07.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die junge, in Deutschland lebende und derzeit in Essen studierende Ukrainerin Violina Petrychenko ist nicht nur eine beseelte, ausdrucksstarke Musikerin, sondern sie hat mit der Musik des in St. Petersburg geborenen später in Kiew wirkenden, allzu früh verstorbenen Viktor Kosenko (1896-1938) eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Sie stellt auf ihrem Album "Slavic Nobility" genreverwandte Werke Alexander Scriabins und Kosenkos gegenüber, und dies mit gutem Grund, handelt es sich doch um seelenverwandte Geister, die, zumal der späte Scriabin nicht vertreten ist, von den ornamentischen Charakteren Chopins unüberhörbar befruchtet wurden: die beiden Poèmes op. 32 von Scriabin werden von zwei Poèmes Legendes op. 12 (1921) Kosenkos reflektiert, Scriabins drei frühe Mazurken op. 3 von Kosenkos drei Mazurken op. 3 (1916-23), und das ambitionierte Programm gipfelt in Scriabins zweiter Sonate op. 19 und Kosenkos zweiter Sonate op. 14 (1924). Dass Kosenko hinsichtlich Originalität nicht auf einer Höhe mit Scriabin steht, bereitet dem Hörer kein Problem, denn seine Musik ist pianistisch raffiniert, von introvertiertem Sentiment und äußerst dankbar, stets harmonisch sehr interessant und in der melismatischen Melodik geschmackvoll, duftig und von dekadent verfeinertem Reiz, wie ein nostalgischer Reflex auf eine vergangene Epoche – Delikatessen von einem beschlagenen Pianisten, die mit Charme, Können und Aufrichtigkeit bezaubern. Besonders hervorzuheben ist Kosenkos zwanzigminütige, dreisätzige Sonate cis-Moll, wo auf einen umfangreichen Kopfsatz ein besonders schöner, inniger Espressivo-Mittelsatz folgt, um mit einem kraftvoll bewegten Allegro vivo zu schließen. Damit lässt sich auch im Konzertsaal das Publikum in Bann schlagen.

Technisch und bezüglich der flexiblen Nuancierung des Anschlags erweist sich Violina Petrychenko als ambitionierte, seriöse und warm empfindende Könnerin, die etwas zu sagen hat und nicht in mechanische Routine verfällt. Kritisch anzumerken ist sowohl, dass gerade bei Scriabin immer wieder viel zu schnell zu massive Stärkegrade erreicht werden, was freilich bei der höchst filigran organisierten Faktur ein generelles Problem ist, an dem fast alle Aufführungen seiner Musik kranken. Was ich weit bedenklicher finde, und auch das ist typisch für unsere Zeit, ist der unorganische Gebrauch des Rubatos: das ist zwar sehr einfalls- und abwechslungsreich, doch leidet darunter kontinuierlich die Erkennbarkeit des Metrums. Die wahre Kunst des Rubato besteht jedoch immer darin, dass ein sich unmittelbar übertragendes metrisches Empfinden subtilen Nuancierungen unterworfen wird, die den energetischen Fluss der Musik modifizieren und unterstreichen. Es ist eine ständige Gratwanderung, bei der das Momentum, das unwiderstehliche Weiterstreben der Musik die Voraussetzung bildet, um die herum all die kleinen und größeren Abwandlungen und Schattierungen erst ihren Sinn innerhalb eines fasslichen Zusammenhangs entfalten können. Hier wäre mehr Bewusstheit zu wünschen, die auch größere Zusammenhänge zwingend erscheinen ließe.

Christoph Schlüren [31.07.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alexander Scriabin
1Poème Fis-Dur op. 32 Nr. 1 – Andante cantabile 00:03:13
2Poème op. 32 Nr. 2 – Allegro, con eleganzia, con fiducia 00:01:47
Viktor Kosenko
3Poème op. 12 Nr. 1 (Legenden) – Con afflizione 00:01:50
4Poème op. 12 Nr. 2 (Legenden) – Dramatico 00:04:45
Alexander Scriabin
5Mazurka h-Moll op. 3 Nr. 1 – Tempo giusto 00:03:56
6Mazurka g-Moll op. 3 Nr. 3 – Allegretto 00:01:30
7Mazurka dis-Moll op. 3 Nr. 5 – Doloroso 00:04:03
Viktor Kosenko
8Mazurka fis-Moll op. 3 Nr. 1 – Moderato 00:02:27
9Mazurka Des-Dur op. 3 Nr. 2 – Quasi allegretto 00:01:44
10Mazurka cis-Moll op. 3 Nr. 3 – Lento ma non troppo 00:02:25
Alexander Scriabin
11Klaviersonate Nr. 2 gis-Moll op. 19 (Sonate-Fantasie) 00:12:33
Viktor Kosenko
13Klaviersonate Nr. 2 cis-Moll op. 14 00:20:20

Interpreten der Einspielung

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