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CD-Besprechung

Eyktime

Eyktime

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 07.05.14

Gateway music duol 001

1 CD • 52min • 2013

Ebenso schlicht wie originell ziert ein Küchenwecker in Form eines Eis die Vorderseite der Debüt-CD des jungen dänischen Duos Oldrup/Lauridsen mit vorwiegend skandinavischen zeitgenössischen Werken für Blockflöte und Gitarre. Nicht ohne Hintersinn wird hier mit egg timer (englisch für Eieruhr) und dem Titel eines der eingespielten Werke Eyktime gespielt (in dem seinerseits der Name und die Musik des altniederländischen Blockflötenspielers- und Komponisten Jacob van Eyck anklingt).

Die Kombination beider Instrumente birgt großes Potential: seit Jahrzehnten ist das ebenfalls aus Dänemark stammende Duo Hannibal/Petri auf den Bühnen der Welt aktiv.

Christina Lauridsen und Peter Oldrup haben sich während ihres Studiums an der Königlichen Musikakademie in Kopenhagen kennengelernt, und die enge Verbindung mit der Hochschule manifestiert sich auch in der Wahl des Repertoires: Mit Ole Buck und Vagn Holmboe sind zwei bekannte dänische Komponisten mit im Boot, der griechische Komponist Christos Farmakis ist ein Kopenhagener Studienkollege, Frode Barth ein Allroundmusiker aus Oslo und Hermann Rechberger eine der bekanntesten Figuren in der Neuen Musik Finnlands.

Wer Michala und Hanne Petris CD-Einspielung von Ole Bucks magisch-hypnotischem Stück Gymel für Blockflöte und Cembalo kennt, wird von seiner Petite Suite für Blockflöte und Gitarre eher enttäuscht sein: ein verspieltes, leicht skurriles Stück mit einer Menge belanglosem, leerem Figurenwerk. Christina Lauridsens wenig flexible Tongestaltung (insbesondere auf der Sopraninoblockflöte im zweiten Satz) verstärkt diesen Eindruck leider noch.

Versöhnt hat mich das zweite Werk der CD – „9“ von Christos Farmakis (Jg. 1981). Ursprünglich 2008 für Alt-Querflöte und Gitarre komponiert, richtete Farmakis den Flötenpart 2012 für Bass-Blockflöte ein – mit faszinierendem Ergebnis: der geheimnisvolle, raue Klang der Bass-Blockflöte harmoniert ideal mit der verhaltenen, um sich selbst kreisenden Musik. Besonders gefällt mir hier der sehr stimmig-atmosphärische und nicht im Mindesten vordergründige Einsatz moderner Spieltechniken. Hier überzeugt das Duo auf ganzer Linie und „9“ ist für mich mit großem Abstand das eindrucksvollste, ja gewichtigste Werk der CD.

Vagn Holmboe – ein Klassiker der dänischen Moderne – hat einige Kompositionen mit Blockflöte hinterlassen, u.a. das herrliche Trio für Blockflöte, Cello und Cembalo oder das Konzert für Blockflöte und Streichorchester. Sein Canto e Danza von 1992 steht unter dem Einfluss iberischer Volksmusik und steht repräsentativ für den spielerischen Personalstil Holmboes, den man von seinen früheren Blockflötenwerken kennt.

Dem norwegischen Gitarristen und Komponisten Frode Barth (Jg. 1968) gelingt mit The Cure ein unterhaltsamer, eklektischer Mix mit deutlichen Einflüssen (welch Wunder!) von Jazz, Pop und Rock. Hier gefällt mir vor allem der hörbar idiomatische Gitarrenpart, den Peter Oldrup ganz laid-back meistert.

Zum Abschluss des Programms erklingt das mit fast einer Viertelstunde Spielzeit längste und auch titelgebende Stück der CD, Hermann Rechbergers Eyktime, eine Hommage an den bekannten blinden holländischen Carillon- und Blockflötenspieler Jacob van Eyck (ca. 1590-1657). Rechberger hat sich intensiv mit dem Instrument auseinandergesetzt und ist Autor einer bedeutenden Studie zu modernen Spieltechniken. So sehr ich etwa Rechbergers Orchestermusik schätze, in Eyktime mischen sich Anklänge an van Eycks Fluyten Lust-hof mit zahllosen unmotivierten, harschen Multiphonics zu einem formal wenig überzeugenden und inkohärenten Stück.

Peter Oldrups Gitarrenspiel überzeugt klanglich wie musikalisch. Christina Lauridsen hat, was Tongestaltung und Dynamik betrifft, noch etwas Luft nach oben. Alles in allem ein ansprechendes, gelungenes und auch mutiges CD-Debüt. Für kommende Produktionen würde ich mir vielleicht eine dramaturgisch noch besser durchdachte Programmauswahl wünschen, ohne in seicht-gefälliges Mainstream-Repertoire abzugleiten.

Das äußere Design der CD ist dem skandinavischen Minimalismus verpflichtet – insofern originell. Leider färbt dieser Hang zur Schlichtheit auf das Booklet ab, das nur sehr spärliche Informationen über die eingespielten Werke, fast keine über die Komponisten und bis auf freundliche Internet-Links auch nicht zu den beiden Interpreten liefert. Sparzwang oder minimalistisches Kalkül?

Ein so spezielles Programm hätte meines Erachtens ausführlichere Hintergrundinformationen zur Musik und den Interpreten verdient.

Heinz Braun [07.05.2014]

Bechstein Konzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 O. Buck Petite Suite 00:13:13
4 C. Farmakis "9" 00:05:54
5 V. Holmboe Canto e Danza 00:08:35
7 F. Barth The Cure 00:09:59
10 H. Rechberger Eyktime 00:14:47

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Peter Oldrup Gitarre
Christina Lauridsen Blockflöte
 
duol 001;5707471031704

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