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CD-Besprechung

Beethoven
String Quartets

Beethoven<br />String Quartets

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 15.04.14

hänssler CLASSIC 98.029

1 CD • 67min • 2013

Technisch gesehen ist das Minetti Quartett eine hochklassige Formation, exzellent in Intonation und Rhythmus. Musikalisch sieht das ein wenig anders aus. Die Tonartenabfolge dieses Beethoven-Albums ist schlüssig gewählt: c-Moll (op. 18 Nr. 4), f-Moll (op. 95) und G-Dur (op. 18 Nr. 2) und ergibt daher ein originelles, stimmig „komponiertes“ Programm. Eine gewisse durchgehende Unbewusstheit der Phrasierung, die sich in der immer wieder automatischen Betonung von Takt-Einsen niederschlägt, bewegt sich im Rahmen dessen, was wir mittlerweile gewohnt sind, als normal zu betrachten – die Folge ist stets der Verlust weitertragender melodischer Spannkraft, wie die Komposition sie eigentlich unbedingt verlangt. Auch die Unachtsamkeit hinsichtlich zu kurz gespielter Notenwerte hält sich in Grenzen – am ungünstigsten wirkt sich das bei den Achteln im punktierten Rhythmus des Hauptthemas im Kopfsatz des G-Dur-Quartetts aus, wo dadurch der Gegensatz zum späteren Staccato nivelliert wird. Der große Schwachpunkt dieser Aufnahme sind die großteils überhastet genommenen Tempi, manchmal in geradezu groteske Rastlosigkeit übertrieben, in welcher einfach ein „so schnell wie möglich“ zur Maxime erhoben wurde. So wird aus dem eröffnenden Allegro ma non tanto des c-Moll-Quartetts ein geschwindes Allegro, das folgende Andante scherzoso quasi allegretto wird eher zum Allegretto assai. Dann kommt ein Allegretto-Menuett, das schlicht zu einem groben Allegro verheizt wird – ein Tempo, das sich in den Triolen des Trios, welches nicht langsamer zu nehmen ist, nicht halten lässt, also spielt man es eben Meno mosso… Auch das Finale ist grenzwertig, aber hier kann das bezüglich des Charakters angehen, wenn man in der Lage ist, die Finessen der Phrasierung und Artikulation auszuspielen.

Nicht anders in Opus 95, dem ‚Quartetto serioso’: das Allegro con brio des Kopfsatzes gerät zum Presto, der Zusatz ‚ma non troppo’ des folgenden Allegretto bleibt außen vor, das Più allegro-Ende des Scherzos wird zum Grenzritt, das Allegretto agitato des Finales ist ein Allegro agitato. Und auch im G-Dur-Quartett bleiben wir von hektischen Entscheidungen nicht verschont, wo zumal der Allegro-Einschub im langsamen Satz in einen rasanten Prestissimo-Überfall mutiert. In solchen überdrehten Tempi leidet naturgemäß die eingehend differenzierende Gestaltung der Details, das Ausspielen der Gegensätze, die Sinnfälligkeit der modulatorischen Fortschreitungen, kurz: sowohl die Mannigfaltigkeit als auch die aus den Gegensätzlichkeiten sich speisende, unifizierende Kraft der Komposition. Heißsporne! Man muss schon wissen, wo Überstürzung angebracht ist. Die klangliche Qualität in der Wiener Hofkapelle ist hingegen ein erfreulicher Aspekt des Ganzen, wogegen der Booklettext sich geradezu unterirdisch an die willkürlichen programmatischen Ausdeutungen Arnold Scherings anlehnt. Da ist reichlich unfreiwillige Komik angesagt. Das geheime Programm des c-Moll-Quartetts soll Euripides’ Medea geliefert haben, dasjenige des Quartetto serioso Shakespeares Othello… Was das musikalisch bedeuten soll? Zwei Beispiele mögen einen Geschmack von dieser Geschmacklosigkeit vermitteln. Im Finale des c-Moll-Quartetts: „Doch es gibt kein Zurück. Das Schreckliche muss getan werden.“ Und am Ende des Kopfsatzes von Opus 95 „stürmt Othello aus dem Schlafzimmer und hinterlässt eine beklommene Desdemona“. Oder vielleicht doch nur amüsiert kopfschüttelnde Leser, die fürs Finale so richtig unverdauliche Kost aufgetischt bekommen, wenn die Wende nach Dur gerechtfertigt werden muss: „Treu bis in den Tod. Als würde etwas zu lichten Höhen emporgetragen und oben schweben bleiben.“ Da passt es nur zu gut, wenn die Autorin in Ermangelung einer Schering’schen Eingebung hinter dem G-Dur-Quartett den ‚Kaufmann von Venedig’ vermutet, und zum Abschluss ihrer Spekulationen fragt: „Ist es Zufall? Absicht? Besteht ein Zusammenhang? Und wer hat sich was dabei gedacht? Wir wissen es nicht. Und das ist auch gut so.“

Christoph Schlüren [15.04.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Streichquartett Nr. 4 c-Moll op. 18 Nr. 4 00:22:55
5 Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 95 (Quartetto serioso) 00:19:25
9 Streichquartett Nr. 2 G-Dur op. 18 Nr. 2 00:23:41

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Minetti Quartett Streichquartett
 
98.029;4010276026655

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