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CD-Besprechung

Beethoven
String Quartets op. 59 & 74

Beethoven<br />String Quartets op. 59 & 74

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 13.03.14

Klassik Heute
Empfehlung

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Thorofon CTH2611/2

2 CD • 2h 19min • 2013

Eine neue Aufnahme der Rasumowsky-Quartette sowie des „Harfen“-Quartetts op. 74! Die Furcht davor, dass die Ausführenden der gigantischen Aufgabe nur eingeschränkt gewachsen sein könnten, sowohl in technischer wie insbesondere in musikalischer Hinsicht, mischt sich mit dem Frohlocken, diesen in ihrer kompakten Größe unübertroffenen Meisterwerken wieder zu begegnen. Doch schon nach wenigen Tönen ist offensichtlich, dass es sich um eine großartige Aufnahme handelt – offen gestanden, um die beste in neuerer Zeit, und in ihrer Gänze um die mutmaßlich gelungenste, die überhaupt je gemacht wurde.

Das Philharmonia Quartett, bestehend aus führenden Mitgliedern der Berliner Philharmoniker, wird den Werken in ihrer Mannigfaltigkeit mit einer makellos flexiblen Detailgenauigkeit und sanglichen Emphase, einer Treffsicherheit der Charaktere und ausgewogenen klanglichen Kultur gerecht, die es weit über alle Starensembles der letzten Jahrzehnte erhebt. Das Vibrato ist stets lebendig und niemals jenseits der Grenzen erlesenen Geschmacks. Das kontrapunktische Ineinanderwirken beruht auf der Idee absoluter Gleichberechtigung der Mitwirkenden, ohne falsche Dominanz des Primarius, und profitiert natürlich davon, dass jeder mit höchster Präzision und Wachsamkeit dabei ist.

Die dynamischen Wechsel werden, auch bei kompliziertesten Satzverhältnissen, bis ins Kleinste dem Willen des Komponisten entsprechend umgesetzt. Diese Musiker machen auch nicht den geläufigen Fehler, zu schnell zu crescendieren – sie disponieren jedes Anwachsen bis zum Ziel hin und haben am Schluss stets noch eine Reserve, die es ihnen ermöglicht, das ohnehin Drängende noch drängender werden zu lassen. Wenn als Generaldynamik piano gefordert ist, so bewegt sich das gesamte Geschehen innerhalb des piano und findet auch nach jedem kurzfristigen Anwachsen wieder dorthin zurück. Es werden keine überhetzten Tempi genommen (sehr wohl aber, wo angebracht, rasante wie im Finale des dritten Rasumowsky-Quartetts). Jeder Satz ist in seiner rhythmisch-metrischen Gesamterscheinung von unwiderstehlicher Schwungkraft, doch niemals wird es kurzatmig starr, das ununterbrochene Pulsieren ist menschlich, wo geboten wird mit feinem Rubato gearbeitet, allerdings ohne jedwede Willkür, Übertreibung oder Sentimentalitäten.

So genau jeder Buchstabe der Partitur umgesetzt wird, so ist er doch nicht das alles entscheidende, dogmatisch verstandene Kriterium. Das wird beispielsweise im wunderbar geschmeidig und grazil dargebotenen Menuett aus op. 59 Nr. 3 offenkundig, wenn die Coda – sozusagen in Brahms antizipierender Manier – eine in der Partitur nicht verlangte, etwas langsamere, zurückgehaltene Gangart anschlägt, bevor (ausnahmsweise etwas zu kräftig) attacca das Allegro molto-Finale einsetzt.

Ganz besonders gefällt mir auch der Umgang mit Tenuti, Staccati und Sforzati. Was für eine der jeweiligen Situation angemessene, unerschöpfliche Vielseitigkeit. Ein Sforzato innerhalb des piano ist eben twas ganz anderes als ein subito forte! Und Staccato heißt eben nun wirklich nicht so kurz wie möglich! Je nachdem, was der melodischen Gestalt, der modulatorischen Funktion usw. angemessen ist, kann es sogar fast ein Tenuto sein. Anstatt routiniert in den „Werkzeugkasten der Grundartikulationsarten“ zu greifen, wird uns hier das ganze Spektrum des Möglichen in unendlichen Schattierungen und Übergängen offeriert. Dieser Beethoven hat nicht nur Kraft und Schwung, er hat ebenso Poesie und Innigkeit, und seine revolutionäre Haltung ist nicht äußerlich aufgezwungen, sondern ergibt sich unwillkürlich aus dem Dienst an der Sache selbst.

Auch klangtechnisch ist dieses Album erstklassig geworden, außerdem ausgestattet mit einem profunden Booklet-Essay. Ja, so möchte man nicht nur alle Beethoven-Quartette hören, sondern unbedingt auch Schubert, Mendelssohn, Schumann und Brahms. Wenn ich künftig gefragt werde, welche Aufnahme von den Rasumowsky-Quartetten man hören sollte, kann ich ihm die hier vorliegende empfehlen.

Christoph Schlüren [13.03.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Streichquartett Nr. 7 F-Dur op. 59 Nr. 1 (Rasumowsky-Quartett Nr. 1) 00:39:40
5 Streichquartett Nr. 8 e-Moll op. 59 Nr. 2 (Rasumowsky-Quartett Nr. 2) 00:36:58
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Streichquartett Nr. 9 C-Dur op. 59 Nr. 3 00:30:55
5 Streichquartett Nr. 10 Es-Dur op. 74 (Harfen-Quartett) 00:31:25

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Philharmonia Quartett Berlin Streichquartett
 
CTH2611/2;4003913126115

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