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CD-Besprechung

Carl Martin Reinthaler Lieder

cpo 777 570-2

1 CD • 78min • 2009, 2010

16.04.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Vor zwei Jahren erschien bei cpo der Mitschnitt einer Erfurter Produktion von Carl Reinthalers romantischer Oper Das Käthchen von Heilbronn, die zuvor nicht einmal unter Fachleuten bekannt war. Das überwiegend positive Echo auf diese Publikation dürfte die Firma ermutigt haben, nun ein Liedprogramm des Komponisten nachzuschieben, das bereits vor vier Jahren von Radio Bremen aufgezeichnet wurde. Es wird von dem jungen Bariton Peter Schöne bestritten, der in der Erfurter Aufführung des „Käthchen“ in einer kleineren Partie dabei war.

Dass Carl Reinthaler (1822-1896) in Vergessenheit geriet, hängt weniger mit seinem musikalischen Talent zusammen als mit der ästhetischen Position, die er hartnäckig vertrat. Von den „Neudeutschen“ Wagner und Liszt wollte er nichts wissen, ihre Musik empfand der studierte Theologe wohl als Teufelszeug. Seine Vorbilder waren Schumann und Brahms. Als städtischer Musikdirektor in Bremen ermöglichte er 1868 die Uraufführung des Deutschen Requiem unter Leitung des Komponisten.

In seinem Liedschaffen wirkt Reinthaler indes selbst im Vergleich zu seinen Idolen ziemlich konservativ. Er bevorzugt das Strophenlied und schreibt in einer Art, die an Schuberts Zeitgenossen denken lässt. Originalität kann er nicht für sich beanspruchen und will es wohl auch gar nicht. Er ist ein versierter Handwerker, dem das Komponieren ohrenscheinlich nicht schwer gefallen ist. Verfügt er doch über das „Gewußt wie“ und das „Gewußt wo“ - für jede Stilhaltung, jede Stimmung findet er das richtige Schubfach, ob Elegie oder Ballade, ob Sturmgebraus oder Sterngefunkel. Manchmal wirken die Kunstmittel auch etwas beliebig, wenn er etwa ein Frühlingslied mit einem Bolero unterlegt. Da es sich bei einem Großteil der vertonten Gedichte (Arbeiten von Schack, Holtei, Bodenstedt, Hertz u. a.) um lyrische Konfektionsware handelt, mag seine Verfahrensweise sogar adäquat erscheinen.

In dem Bariton Peter Schöne und seinem Begleiter Günther Albers findet er jedenfalls eloquente Anwälte. Ihr lebendiger Vortrag lässt die fast 80 Minuten Spieldauer als kurz erscheinen, auch wenn er nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass diese Lieder fast durchweg „zum raschen Verzehr bestimmt“ sind. Schöne, ein Schüler von Harald Stamm und von daher einem deutschen Belcanto verpflichtet, besticht durch vokale wie gestalterische Geschmeidigkeit. Die schlanke, helle, beinahe tenoral klingende Stimme ist in jeder Lage perfekt kontrolliert, im Vortrag gehen jungenhafter Überschwang und intellektuelle Distanz eine glückliche Verbindung ein. Von dem Lied-Interpreten Schöne wird man in Zukunft zweifellos noch viel hören.

Der nicht genannte Redakteur des Booklets, das die Liedtexte auf deutsch und englisch und eine Werkeinführung aus der Feder des Sängers enthält, scheint eine besondere Vorliebe für Vornamen zu haben. Reinthaler heißt demnach Carl Martin. Aber wie steht es mit unseren vertrauten Dichtern? Johann Christoph Friedrich von Schiller, Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde, Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff! Hätten Sie’s gewusst?

Ekkehard Pluta [16.04.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Reinthaler
1Sehnsucht op. 10 Nr. 1 00:02:20
2Weit in nebelgrauer Ferne op. 10 Nr. 2 00:04:25
3Laß tief in dir mich lesen op. 10 Nr. 3 00:02:05
4O sanfter Wind op. 10 Nr. 4 00:01:04
5Grünender Hügel, was lachst du so hell? op. 10 Nr. 5 00:01:40
6Nachtgruß op. 10 Nr. 6 00:03:36
7O! Stern, der Du vom fernen Osten her op. 17 Nr. 1 00:03:18
8Der verpflanzte Baum op. 17 Nr. 2 00:04:03
9Am alten Zwingergraben op. 17 Nr. 3 00:03:03
10Frühling im Alter op. 17 Nr. 4 00:04:08
11Jägers Abendlied op. 17 Nr. 5 00:03:04
12Bei Dir op. 17 Nr. 6 00:02:52
13Abendlied op. 22 Nr. 1 00:02:37
14Gruß aus der Ferne op. 22 Nr. 2 00:02:51
15Abschied op. 22 Nr. 3 00:01:30
16Ständchen op. 22 Nr. 4 00:02:07
17Gute Nacht op. 22 Nr. 5 00:02:29
18An die Sterne op. 22 Nr. 6 00:05:12
19An den Sturmwind op. 24 Nr. 1 (Ballade) 00:02:29
20Harold's Ade op. 24 Nr. 2 (Ballade) 00:03:34
21Das Waldweib op. 24 Nr. 3 (Ballade) 00:05:00
22O wie klang so herzbestrickend op. 36 Nr. 1 00:02:39
23Düftet die Lindenblüt' op. 36 Nr. 2 00:04:15
24Abendfriede op. 36 Nr. 3 00:03:15
25Der Frühling blüht op. 36 Nr. 4 00:02:06
26Der Apfelbaum op. 48 00:01:47

Interpreten der Einspielung

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