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CD-Besprechung

Concertante

Virtuosic Wind Concertos

Concertante

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 25.02.14

Challenge Classics CC72621

1 CD • 69min • 2010

Seit dem Spätbarock machten ausgefallene instrumentale Klangkombinationen einen besonderen Reiz konzertanter Musik aus; vornehmlich gefiel sich dann die Frühklassik darin, Instrumente mit starker klanglicher Eigenart zu farbenreichen Sologruppen zusammenzustellen. Die Werke dieser CD kombinieren mit Horn, Klarinette und Fagott drei Blasinstrumente als Solisten, deren Timbres höchst individuell sind, so dass ihre erzwungene Partnerschaft ein wenig an arrangierte Ehen erinnert, die solchen Verlobten den Rat mitgab: „Die Zuneigung kommt mit der Gewöhnung!“

Ein besonders reiches Experimentierfeld farbiger Instrumentationen war die kurfürstliche Hofkapelle von Mannheim. Franz Danzi (1763-1826), der älteste Komponist der auf dieser CD vereinten Werke, entstammt diesem künstlerisch höchst inspirierenden Milieu; sein Concertino in B-Dur für Klarinette, Fagott und Orchester ist das bekannteste Stück der CD, noch Richard Strauss ließ sich davon zu seinem Duett-Concertino für die gleiche Besetzung inspirieren. Die weiteren Komponisten der CD sind wenig oder gar nicht bekannt, ganz zu schweigen von ihren Stücken: Von Agostino Belloli (1778-1839), seinerzeit berühmter Spross einer italienischen Hornistendynastie, stammt ein Konzert für Klarinette und Horn; Ignaz Lachner (1807-1895), ein jüngerer Bruder des berühmteren Franz Lachner, steuert ein Concertino für Horn und Fagott bei und Louis Emmanuel Jadin (1768-1853) komponierte eine Symphonie concertante, die alle drei Blasinstrumente zu einer Solistengruppe vereint – Jadin war Sohn eines aus dem heutigen Belgien gebürtigen Geigers der Versailler Hofkapelle und zu Lebzeiten ein in Frankreich gefragter Lehrer, Komponist und Musiker.

Claus Efland, der Dirigent der Einspielung, gibt im Beiheft der CD offen zu, dass die hier vereinigten Kompositionen keine „großen“ Stücke sind: „Sie alle haben, und das ist nicht abwertend gemeint, keinen tieferen Sinn. Sie sind echte ‘Show-Pieces’ – Bravourstücke für die jeweiligen Solisten, bei denen das Orchester eine untergeordnete Rolle spielt“. Das scheint mir ein wenig hart formuliert zu sein, zumal Efland sich als Dirigent von dieser Sichtweise nichts anmerken lässt: Engagiert, jedoch ohne jede Übertreibung, holt er mit der keineswegs zweitrangig aufspielenden Sinfonietta Riga aus den Werken, die von den „Kleinmeistern“ mit Sinn für musikalische Dramatik und beachtlicher handwerklicher Routine verfertigt worden sind, ihre starken Seiten heraus.

Es ist von beträchtlichem Vorteil, dass die beteiligten Solisten, der Fagottist Niels Anders Vedsten Larsen, Egīls Šefers an der Klarinette und der Hornist David M. A. P. Palmquist, einander als Mitglieder des dänischen Carion Bläserquintetts vertraut sind. Sie sind hervorragend aufeinander eingespielt, verzichten darauf, ihr musikalisches Miteinander wie einen Kampf der Provinzprimadonnen à la „Ich bin die erste Sängerin!“ (Mozarts Schauspieldirektor) zu inszenieren, zeigen Temperament und setzen in schönster Übereinstimmung untereinander und mit dem Dirigenten die verborgenen Qualitäten dieser Musik ins Licht. So präsentiert diese hörenswerte CD ebenso interessante wie unterhaltsame Entdeckungen abseits des Olymp von Haydn, Mozart und Beethoven.

Detmar Huchting [25.02.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Belloli Concerto für Klarinette, Horn und Orchester 00:13:48
3 F. Danzi Concertino B-Dur op. 47 für Klarinette, Fagott und Orchester 00:16:04
7 I. Lachner Concertino op. 43 für Horn, Fagott und Orchester 00:20:17
11 L.E. Jadin Symphonie Concertante für Klarinette, Horn, Fagott und Orchester 00:18:32

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Niels Anders Vedsten Larsen Fagott
Egīls Šēfers Klarinette
David M.A.P. Palmquist Horn
Sinfonietta Riga Orchester
Claus Efland Dirigent
 
CC72621;0608917262124

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