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CD-Besprechung

E.W. Korngold

cpo 1 CD 777 600-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 03.02.14

cpo 777 600-2

1 CD • 68min • 2010, 2011

Diese Veröffentlichung ist ein schönes Beispiel dafür, wie man aus Erich Wolfgang Korngolds frühem Schaffen einiges von dem ungutem Geplapper hinausmusizieren kann, das so leicht in die Regionen zwischen frühreifer Besserwisserei und pubertierender Wehmut entgleitet und selbst die vergnügtesten Geniestreiche auf halber Wegesstrecke verhungern läßt. Man muß nur die beliebten Glacéhandschuhe abstreifen und den Sachen, wie es das aron Quartett mit seinen Gästen Thomas Selditz und Márius Diaz unternimmt, mit beherztem Griff zu Leibe rücken, muß den übermäßig satirischen Anstrich dem „fröhlichen Herzen“ opfern, das in dem jungen, mit reichen Gaben gesegneten und verwöhnten Burschen pochte – und schon erhält selbst ein derart ausladendes Werk wie das Streichsextett op. 10 geradezu klassische Proportionen, innerhalb derer dann obendrein die munteren, sentimentalen, wehmütigen und frechen Aspekte zu ihrem ganzen Recht kommen. Verglichen mit der vor rund zwei Jahren erschienenen, aufs feinste ausgesponnenen, in allen Nuancen gewissermaßen „hinterfragten“ Tacet-Produktion der Camerata Freden (vgl. Besprechung bei Klassik heute vom 28.09.2012, CD Tacet 198) wirkt die Kreation hier um einiges weniger „caféhäuslich“, weshalb ihre kleinen Kabbeleien – hier ein bißchen Strauss, da ein bißchen Mahler, dort ein bißchen Prater – denn auch nicht das einzige sind, worum es geht: Die allgemeinen Zerfallserscheinungen der Zeit sind spürbar, doch der 19-jährige Korngold ist in seinem Opus 10 zweifelsfrei weder Magen- noch Leichenbitter.

Die Suite für Paul Wittgenstein, zwei Violinen und Violoncello op. 23 aus dem Jahre 1929 schlägt allerdings, wie schon das linkshändige Klavierkonzert, schroffere Töne an und könnte einiges von der Finsternis vertragen, die das Trio Parnassus insbesondere dem aus Präludium und Fuge bestehenden Kopfsatz mitgeteilt hat, als es die Komposition 2006 in seiner vorletzten Besetzung aufnahm. Henri Sigfridsson, der nach dem Ausscheiden des Kollegen Ciao Chou bei den „Parnassen“ aparterweise die Pianistenrolle spielt, nimmt seinen Part in der eigentümlichen Musik mit praller Kraft und einer eher diesseitig orientierten, dabei keineswegs unangebrachten Virtuosität. Auch das ist vertretbar und paßt in jedem Fall zu dem überzeugend gestrafften Sextett, das mir in seiner unbeschwerten Wiedergabe doch sehr zusagt.

Rasmus van Rijn [03.02.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E.W. Korngold Streichsextett D-Dur op. 10 00:33:07
5 Suite op. 23 (für zwei Violinen, Violoncello und Klavier, linke Hand) 00:34:59

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
aron quartett Streichquartett
Henri Sigfridsson Klavier
Thomas Selditz Viola
Christophe Pantillon Violoncello
 
777 600-2;0761203760022

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