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CD-Besprechung

Schöne Welt, wo bist Du?

Schöne Welt, wo bist Du?

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 20.08.13

Challenge Classics CC72593

1 CD • 64min • 2012

In seinem Gedicht Die Götter Griechenlands, das von Franz Schubert vertont wurde, beklagt Friedrich Schiller den Verlust eines paradiesähnlichen Zustandes, den er als „holdes Blütenalter der Natur“ umschreibt. Die einleitende Frage hat Michael Gees als Titel eines Liedprogramms gewählt, das er mit der Sopranistin Julia Kleiter erarbeitet und vielerorts erfolgreich aufgeführt hat. In einem philosophischen Begleittext skizziert er seine Gedanken zu den Intentionen der ungewöhnlichen Zusammenstellung. Um sie einmal auf einen simplen Nenner zu bringen, enthalten sie die Aufforderung: Jammert nicht! Tut etwas, um das verlorene Paradies wieder zu erobern! Utopien sind realisierbar. Und die Kunst kann einen wichtigen Beitrag auf diesem beschwerlichen Wege leisten.

Sieht man von den beiden Schubert-Titeln ab – neben Schiller steht Uhlands Frühlingsglaube –, sind die meisten Lieder um 1900 entstanden und gehen auf Lyrik dieser Zeit zurück. Eine Fin de siècle-Stimmung herrscht vor, die hier jedoch in einen neuen Kontext gebracht wird. Im Zentrum stehen die Sieben frühen Lieder von Alban Berg, die nicht zusammenhängend wiedergegeben, sondern isoliert den Kompositionen seiner Zeitgenossen gegenübergestellt werden. Erstaunlich, welche unterschiedlichen musikalischen Aussagen Strauss, Mahler und Wolf zu ähnlichen Themen – es geht vorwiegend um Natur, Liebe, Einsamkeit – getroffen haben, vom schlichten Volkston zur ornamentalen Künstlichkeit. Berg und Schönberg, der nur mit einem Lied vertreten ist, experimentierten damals noch mit der Tonalität, leugneten aber ihre spätromantischen Wurzeln nicht. Konventioneller und auf handfeste Klangwirkungen bedacht zeigt sich der Finne Yrjö Kilpinen mit den 1928 veröffentlichten Morgenstern-Liedern. Und Gees selbst verläßt den sicheren Grund des Nachschöpferischen, indem er mit der Sängerin eine freie Improvisation von Hermann Hesses Gedicht Sternklare Nacht wagt, die bei aller Freiheit einen gewissen Formwillen erkennen läßt.

Gees und Kleiter sind gut aufeinander eingespielt und so gelingt ihnen eine durchweg dichte und spannende Interpretation der Lieder, die sich gegenseitig zu reflektieren und zu erklären scheinen. Gees ist ein regelrechter Zauberer am Klavier und Kleiter trifft den gedanklichen und emotionalen Punkt jedes Liedes genau. Dass man die Texte mitlesen muß, ist nicht ihr anzulasten. Die Komponisten ließen sich zwar von den Dichtungen inspirieren, aber es war nicht ihre erste Absicht, sie auch zu voller Kenntlichkeit zu bringen. Prima la musica! war meist die Devise.

Ekkehard Pluta [20.08.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Strauss Waldseligkeit op. 49 Nr. 1 00:02:56
2 A. Berg Die Nachtigall (aus: Sieben frühe Lieder) 00:01:56
3 G. Mahler Ich ging mit Lust durch einen grünen Wald (aus: Des Knaben Wunderhorn) 00:04:35
4 Y. Kilpinen Wind und Geige 00:02:23
5 A. Berg Nacht (aus: Sieben frühe Lieder) 00:04:12
6 G. Mahler Frühlingsmorgen (Richard Leander) 00:01:56
7 A. Berg Traumgekrönt (aus: Sieben frühe Lieder) 00:02:41
8 R. Strauss Morgen! op. 27 Nr. 4 00:04:10
9 Y. Kilpinen Sturmnacht 00:02:11
10 A. Berg Sommertage (aus: Sieben frühe Lieder) 00:01:42
11 F. Schubert Frühlingsglaube op. 20 Nr. 2 D 686 (1820) 00:03:30
12 A. Berg Im Zimmer (aus: Sieben frühe Lieder) 00:01:18
13 A. Schönberg Verlassen op. 6 Nr. 4 00:03:25
14 H. Wolf Verborgenheit (1888) 00:02:47
15 A. Berg Schilflied (aus: Sieben frühe Lieder) 00:02:06
16 F. Schubert Die Götter Griechenlands D 677 00:04:19
17 H. Hesse Sternklare Nacht 00:07:55
18 Y. Kilpinen Heimat op. 61 Nr. 1 00:01:05
19 A. Berg Liebesode (aus: Sieben frühe Lieder) 00:02:07
20 R. Strauss September 00:04:55

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Julia Kleiter Sopran
Michael Gees Klavier
 
CC72593;0608917259322

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