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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven
Sämtliche Lieder mit Klavierbegleitung

Ludwig van Beethoven<br />Sämtliche Lieder mit Klavierbegleitung

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 19.09.13

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Thorofon CTH2601/5

5 CD • 6h 21min • 2012, 2013

Eine fast wissenschaftlich-akribische Edition: der Liederkomponist Beethoven – vollständig, ungekürzt, ohne auf die Etiketten „bekannt“ oder „unbekannt“ Rücksicht zu nehmen. Fünf randvoll bespielte CDs – ein stolzes, beachtliches Unternehmen. Aber – ist es auch gelungen? Die Antwort muß lauten: nur zum Teil.

Als Grundlage für die Aufnahme diente die neue, im Rahmen der Gesamtausgabe von Beethovens Werken erschienene Publikation: „Lieder und Gesänge mit Klavierbegleitung“, herausgegeben von Helga Lühning.

Nicht darin enthalten sind die Volkslied-Bearbeitungen sowie die Theatergesänge – mit Ausnahme von Klärchens Lied Freudvoll und leidvoll aus Goethes Egmont und Mephistos Flohlied aus Faust, weil in diesen Fällen der Klaviersatz von Beethoven selbst stammt. Aufgenommen wurden auch Lied-Fragmente, sowie Sololieder, die mit einem mehrstimmigen Schlußchor versehen sind.

Gegen die Anordnung und Programmierung ist nichts das geringste zu sagen, auch Textteil und Kommentar (Jochen Köhler) – alles vorbildlich. Dass man als Hörer mitunter auf Geduldproben gestellt wird, lässt sich bei einer Vollständigkeitsausgabe kaum vermeiden. Manche Lieder dehnen sich geradezu unendlich aus, zwölf , dreizehn Strophen sind nichts Seltenes. Oft sind es belanglose Texte, auch belanglos vertont – erst in den Vor- und Nachspielen des Klaviers erkennt man den großen Meister.

Elegie auf den Tod eines Pudels – acht lange Strophen. Aus dem Titel würde man auf einen Scherz schließen, doch nein, tieftraurig. Auch Peter Schreier hat seinerzeit dieses Ungetüm von einem Haustier in sein Liedprogramm aufgenommen. Aber, wir verstehen: Vollständigkeit heißt nichts wegzulassen. Natürlich erfreut man sich am meisten über die Geniewerke, aber auch unter den kaum bekannten Stücken, die in die alte Breitkopf & Härtel-Edition keine Aufnahme gefunden haben, findet sich manches Juwel. Das ist alles sehr erfreulich. Hingegen ist über die Interpretation manch ernstes Wort zu vermelden.

Wenn schon „sämtlich“ und mit aller gebotenen Genauigkeit – dann hätte auch die Tonartenfrage berücksichtigt werden müssen. Der Großteil der Lieder wurde einem Baritonsänger (laut Plattentitel sogar Bassbariton) anvertraut, der selbstverständlich fast alles transponiert singt. Es gibt zwar auch Beethoven-Lieder für die tiefere Lage, aber das allermeiste wie Adelaide, An die ferne Geliebte, Der Wachtelschlag usw. ist eindeutig für Tenor, jedenfalls für hohe Stimme gesetzt. Tonarten – wirklich Nebensache? Das wird wohl niemand ernstlich vertreten.

Sicher, auch Fischer-Dieskau, Prey und andere haben diese Lieder gesungen – aber das geschah unter anderen Verhältnissen. Hier jedoch geht es ja gewissermaßen um eine Enzyklopädie, bei der alles stimmen sollte. Nun zu den Solisten: Heidi Brunner wurde für die Frauenlieder eingesetzt. Die geschätzte und erfahrene Opernsängerin, in Sopran- und Mezzopartien gleichermaßen zu Hause, beweist hier, dass sie für den Liedgesang keine Eignung besitzt. Die Stimme ist viel zu unruhig, wackelig, weist auch schon manche Risse und Scharten auf. Schade, dass man nicht ein Mitglied des ausgezeichneten Gustav-Mahler-Chors Wien (Leitung: Thomas Lang) für die ohnehin nur wenigen Sopran-Soli ausgewählt hat. In diesem Ensemble hört man junge, gesunde Stimmen.

Ein Problem bereitet auch der Sänger Constantin Graf von Walderdorff, der eigentlich fast das ganze Liedprogramm allein bewältigt. War es eine gute Idee, eine so große Aufgabe einem Neuling zu überantworten? Obwohl er seine Sache im Großen und Ganzen nicht übel macht – doch wie soll er gegenüber so starker Konkurrenz aus dem Schallplatten-Fundus bestehen? Was gibt es da für Namen – Erb, Schlusnus, Anders, Gedda, Wunderlich, dazu die bereits Erwähnten und noch viele andere! Walderdorff trägt alles korrekt und guter Einfühlung vor. Störend fallen gewisse Sprachmängel auf: das gelispelte S, das kernlose R. Auch manche unkorrekte Wortbindung ist zu vermerken: „die müdenaugen“ statt „die müden Augen.“

Walderdorffs Stimme besitzt einen großen Umfang, ein gutes Piano und markiges Forte, doch die Stimme selbst ist wenig individuell, sie klingt bei den offenen Vokalen hohl und besitzt insgesamt wenig Reizvolles, Anziehendes. Der Sänger wird es in seiner Karriere nicht leicht haben, zumindest müsste er sich bemühen, mehr Leuchtkraft in sein Organ hineinzubringen.

Was bei der gesamten Lied-Ausgabe auffällt: die Tempi sind durchweg sehr langsam, in manchen Fällen auch allzu langsam. Beispiel: Das Geheimnis (Wo blüht das Blümlein, das nie verblüht?): diese bezaubernde, liebliche Kostbarkeit wird da wie ein feierliches Gebet vorgetragen. Warum? „Nicht schleppend“ hat Beethoven dazu vermerkt. Das hätte die sonst ganz hervorragend spielende Klavierbegleiterin Kristin Okerlund verhindern müssen.

Clemens Höslinger [19.09.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Schilderung eines Mädchens WoO 107 00:03:53
2 An einen Säugling WoO 108 00:03:47
3 Der freie Mann WoO 117 (2. Fassung) 00:05:26
4 Urians Reise um die Welt op. 52 Nr. 1 00:06:33
5 Feuerfarb' op. 52 Nr. 2 (2. Fassung) 00:05:34
6 Das Liedchen von der Ruhe op. 52 Nr. 3 00:08:04
7 Mailied op. 52 Nr. 4 00:01:54
8 Mollys Abschied op. 52 Nr. 5 00:05:37
9 Die Liebe op. 52 Nr. 6 00:01:29
10 La Marmotte op. 52 Nr. 7 00:02:51
11 Das Blümchen Wunderhold op. 52 Nr. 8 00:08:31
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Neue Liebe, neues Leben WoO 127 (1. Fassung) 00:02:56
2 La tiranna WoO 125 (Canzonetta) 00:03:58
3 Bitten op. 48 Nr. 1 00:06:13
4 Die Liebe des Nächsten op. 48 Nr. 2 00:10:16
5 Vom Tode op. 48 Nr. 3 (1800/1802) 00:12:24
6 Die Ehre Gottes aus der Natur op. 48 Nr. 4 (1800/1802) 00:05:49
7 Gottes Macht und Vorsehung op. 48 Nr. 5 00:07:04
8 Bußlied op. 48 Nr. 6 00:05:15
9 Lebensglück op. 88 00:02:42
10 Der Wachtelschlag WoO 129 00:03:23
11 An die Hoffnung op. 32 (1. Vertonung) 00:05:11
12 Elegie auf den Tod eines Pudels WoO 110 00:05:39
13 Als die Geliebte sich trennen wollte WoO 132 00:02:16
14 In questa tomba oscura WoO 133 00:03:40
CD 3
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sehnsucht WoO 134 (1. Vertonung) 00:01:11
2 Sehnsucht WoO 134 (2. Vertonung) 00:01:08
3 Sehnsucht WoO 134 (3. Vertonung) 00:01:21
4 Sehnsucht WoO 134 (4. Vertonung) 00:01:52
5 Andenken WoO 136 00:02:37
6 Der Jüngling in der Fremde WoO 138 00:03:59
7 Lied aus der Ferne 00:02:33
8 Gesang aus der Ferne WoO 137 00:04:18
9 Der Liebende WoO 139 00:02:52
10 Kennst du das Land op. 75 Nr. 1 00:04:43
11 Neue Liebe, neues Leben op. 75 Nr. 2 (2. Fassung) 00:02:54
12 Aus Goethes Faust op. 75 Nr. 3 (Der Floh) 00:02:33
13 Gretels Warnung 00:01:53
14 An den fernen Geliebten op. 75 Nr. 5 (1. Fassung) 00:03:43
15 An den fernen Geliebten op. 75 Nr. 5 (2. Fassung) 00:03:24
16 Der Zufriedene op. 75 Nr. 6 00:01:33
17 Dimmi, ben mio, che m'ami op. 82 Nr. 1 00:02:05
18 T'intendo sì, mio cor op. 82 Nr. 2 00:03:37
19 L' amante, impaziente op. 82 Nr. 3 (Arietta buffa) 00:01:33
20 L' amante impaziente op. 82 Nr. 4 (Arietta assai seriosa) 00:03:10
21 Odi l'aura che dolce sospira op. 82 Nr. 5 00:03:01
22 Wonne der Wehmut op. 83 Nr. 1 00:03:04
23 Sehnsucht op. 83 Nr. 2
24 Mit einem gemalten Band op. 83 Nr. 3
25 An die Geliebte (1. Fassung) 00:01:16
26 An die Geliebte WoO 140 (3. Fassung) 00:01:12
27 Der Bodengeist WoO 142 00:07:11
28 Des Kriegers Abschied WoO 143 00:03:31
CD 4
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Merkenstein WoO 144 (1. Vertonung) 00:04:42
2 Merkenstein op. 100 (2. Vertonung) 00:03:25
3 Das Geheimnis WoO 145 00:02:14
4 An die Hoffnung op. 94 (2. Vertonung) 00:07:32
5 Sehnsucht WoO 146 00:02:24
6 Auf dem Hügel sitz ich spähend op. 98 Nr. 1 00:03:45
7 Wo die Berge so blau op. 98 Nr. 2 00:02:29
8 Leichte Segler in den Höhen op. 98 Nr. 3 00:01:40
9 Diese Wolken in den Höhen op. 98 Nr. 4 00:01:02
10 Es kehret der Maien op. 98 Nr. 5 00:02:58
11 Nimm sie hin denn diese Lieder op. 98 Nr. 6 00:05:12
12 Der Mann von Wort op. 99 00:04:37
13 Ruf vom Berge WoO 147 00:01:46
14 So oder so WoO 148 00:04:18
15 Resignation WoO 149 00:03:14
16 Abendlied unterm gestirnten Himmel WoO 150 00:05:07
17 Der Kuß op. 128 (Ariette) 00:02:13
18 Klage WoO 113 (1. Fassung) 00:03:30
19 Klage WoO 113 (2. Fassung) 00:03:53
20 Erhebe das Glas mit froher Hand WoO 109 00:01:41
21 Punschlied WoO 111 00:00:51
22 An Laura WoO 112 00:03:44
23 Der freie Mann Hess 146 (1. Fassung) 00:05:56
CD 5
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Feuerfarb' Hess 144 (1. Fassung) 00:05:09
2 Ein Selbstgespräch WoO 114 00:03:34
3 O care selve, oh cara WoO 119 00:03:49
4 Seufzer eines Ungeliebten und Gegenliebe WoO 118 00:06:22
5 Gretels Warnung (1. Fassung) 00:02:33
6 Romance WoO 128 00:01:20
7 Man strebt die Flamme zu verhehlen WoO 120 00:02:54
8 In questatomba oscura (1. Fassung) 00:03:12
9 Dimmi, ben mio, che m'ami Hess 140 (1. Fassung) 00:01:53
10 Wonne der Wehmut Hess 142 (1. Fassung) 00:03:14
11 An die Geliebte WoO 140 (2. Fassung) 00:01:08
12 Der Gesang der Nachtigall WoO 141 00:05:18
13 Die laute Klage WoO 135 00:03:31
14 Auf, Freunde, singt dem Gott der Ehren WoO 105 (1. Fassung) 00:01:45
15 Auf, Freunde, singt dem Gott der Ehren WoO 105 (2. Fassung) 00:01:53
16 Gedenke mein WoO 130 00:02:11
17 Es lebe unser teurer Fürst WoO 106 00:02:26
18 Freudvoll und leidvoll op. 84 Nr. 4 (1. Fassung) 00:01:29
19 Freudvoll und leidvoll op. 84 Nr. 4 (2. Fassung) 00:02:08
20 Bundeslied op. 122 00:10:15
21 Opferlied op. 121b 00:07:04

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Constantin Graf von Walderdorf Bariton
Heidi Brunner Mezzosopran
Kristin Okerlund Klavier
Gustav Mahler Chor Wien Chor
 
CTH2601/5;4003913126016

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