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CD-Besprechung

La Bella Mandorla

Ballate, Cacce & Madrigale from the Codex Squarcialupi

cpo 777 623-2

1 CD • 64min • 2010

13.09.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Eine der berühmtesten Musikhandschriften ist der sogenannte Squarcialupi-Codex, ein prächtig illuminiertes Florentiner Manuskript, das gut 350 Werke von Komponisten des italienischen Trecento (also des 14. Jahrhunderts) enthält und nach seinem späteren zeitweiligen Besitzer, dem Organisten und Komponisten Antonio Squarcialupi, benannt ist. Der Codex ist nicht zuletzt auch deshalb bedeutend, weil er ein frühes Dokument dafür ist, dass systematisch nicht nur die Namen, sondern sogar auch Bildportraits der Komponisten überliefert werden; und das in einer Zeit, die europaweit einen Großteil des Repertoires anonym tradierte. Die im Codex gesammelte Musik, allesamt weltliche Stücke, ist stilistisch durchaus vergleichbar mit der sich zeitlich ungefähr parallel entwickelnden ars subtilior französischen oder zypriotischen Zuschnitts: Die Komponisten entdecken gleichsam im großen Stil ihre eigene Virtuosität, die rhythmischen, melodischen und kontrapunktischen Möglichkeiten von Musik; entsprechend kunstvoll und kompliziert ist die Notation.

Für heutige Ohren ist diese Musik also durchaus fremdartig: Sie ist von großer Raffinesse, aber gerade nicht am Ideal der Natürlichkeit ausgerichtet, sondern an dem einer durchaus kunstvollen, manchmal auch künstlichen technischen Meisterschaft, die man auch manieristisch genannt hat. Das vierköpfige Ensemble um die Sängerin Maria Jonas, das sich nach der Bibliothekskennung des Squarcialupi-Codex „Palatino 87“ nennt, schafft es, die Komplexität der Musik auf sehr geläufige Weise zu realisieren und somit dem historisch fernen Höher näherzubringen, ohne den Reiz des lange Vergangenen einzuebnen; wunderbar, wie sich die Rhythmen und Metren etwa im Madrigal Sedendo all'ombra d'una bella mandorla des Giovanni da Cascia reiben und genau aus dieser Widerspenstigkeit der faszinierende Höreindruck zustande kommt. Manchmal sind die Effekte überraschend modern, etwa in der Caccia A poste messe veltr'e gram mastini des Lorenzo da Firenze, dessen lautliche Bizarrerie nicht einmal vom Mahler der Wunderhorn-Lieder erreicht wird. Großen Anteil an der sinnlichen Qualität dieser wunderbaren Auswahl hat dabei die Gesangskunst Maria Jonas; dass sie im Madrigal La bella stella von da Cascia die Traumerzählung spricht, ist zwar nicht unbedingt historisch korrekt, doch höchst wirkungsvoll.

Dr. Michael B. Weiß [13.09.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Lorenzo da Firenze
1Non so qual' i' mi vaglia 00:01:56
Francesco Landini
2Adiu, adiu, dous dame jolie (Virelais a 3 voci) 00:02:56
Donato da Firenze
4S' i monacordo gentile stormento 00:01:44
Vincenzo da Rimini
5In forma quasi tra 'l veghiar e 'l sonno 00:02:22
Giovanni da Cascia
6Sedendo all' ombra d' una bella mandorla 00:03:04
Ghirardello da Firenze
8L' va bene a chi vol bene 00:02:21
Andrea da Firenze
9Dolce speranza d' amoroso foco 00:03:13
Francesco Landini
10L' onesta tuo biltò, donna, e amor 00:04:03
Giovanni da Cascia
11La bella stella 00:02:44
Francesco Landini
12Questa fanciull' amor (Ballata a 3 voci) 00:01:33
Lorenzo da Firenze
14A poste messe veltr' e gram mastini 00:04:02
Bartolino da Padova
15I bei senbianti con busiardi efetti 00:03:29
Francesco Landini
16Da poi che va mie donna 00:03:47
17Giovine donna vidi star selvaggia 00:02:56
Lorenzo da Firenze
18Ita se n' era star nel paradiso 00:03:24
Vincenzo da Rimini
19Ay schosolato ed amoroso Troyola 00:02:55
Anon.
20Non al su' amante (Codex Faenza) 00:01:53
Jacopo da Bologna
21Non al su' amante più Diana piacque 00:03:14
Francesco Landini
22La mente mi riprende 00:01:36
Niccolò da Perugia
24Dio mi guardi di peggio 00:03:10

Interpreten der Einspielung

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