Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Julia Fischer

Poème

Julia Fischer

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 27.04.11

Klassik Heute
Empfehlung

Decca 478 2684

1 CD • 70min • 2010

Es müssen nicht immer die konzertanten Schlachtrösser sein. Es können auch kleinere Schmuckstüücke sein oder – um einem hier nicht unangepassten kulinarischen Idiom zu frönen – trefflich mundende Schmankerln. Ungefähr nach diesem Motto hat die Geigerin Julia Fischer ihr aktuelles CD-Rezital zusammengestellt. Eigenartigerweise geht die Edition auf eine Anregung Giuseppe Sinopolis zurück, der Julia Fischer einst die Poema autunnale von Ottorino Respighi schmackhaft machen wollte – jenes Stück also, das jetzt das vierteilige Programm eröffnet und zudem der unbekannteste Teil der ganzen Zusammenstellung ist. Zugleich zeichnet es den Weg vor: vier spätromantische Kostproben, mit Akzent auf lyrischer Schwelgerei. Ein Feld, auf dem sich die Geigerin hörbar wohl fühlt.

Wenn man eine kompositorische Wertung des geigerischen Quartetts aus vier Ländern machen will: das Poème von Ernest Chausson, das dem Unterfangen zugleich den Titel gegeben hat, ist sicher – vielleicht noch neben The Lark Ascending (Die aufsteigende Lerche) von Ralph Vaughan Williams – der künstlerisch gewichtigste Teil dieser Kombination. Derweil die immer noch frisch wirkende Fantasie von Josef Suk eine reizvolle Jugendschöpfung des Tschechen auf unverkennbarer Dvorák-Spur ist und Respighis „Herbstgedicht" von der Interpretin kaum ganz zufällig als gefällige Kulisse für einen imaginären Harry-Potter-Film eingestuft wird.

Wenn wir dieser CD trotz ihres anekdotischen Cachets gleich die Spitzennote 10 gewähren, so hat das zwei Gründe. Zum einen soll der Mut belohnt werden, sich ein wenig abseits der immer gleichen Bestseller zu bewegen und ein paar einnehmende, zudem keineswegs wertlose Piècen der zweiten Linie zu berücksichtigen (die im übrigen, gerade wegen ihrer Kürze, sehr selten in Konzertprogrammen auftauchen). Zum andern, und dies in erster Linie, wegen der superben Darstellung Julia Fischers. Sie nimmt die vier Werke nicht als Vorwand für geigerische Selbstfeier, sondern sie versucht mit Erfolg, den sinnlichen Botschaften dieser Töne auf die Spur zu kommen. Schlackenloser Ton und empfindsame Gestaltung gehören ebenso dazu wie geschickte Ausweichmanöver um gelegentlich sich einschleichende Rühreffekte. Das ist Poesie und nicht Sentimentalität! Ins Lob einschliessen lässt sich die Begleitung – wahrscheinlich die letzte Platten-Tat des vor wenigen Wochen überraschend verstorbenen Yakov Kreizberg (aufgezeichnet wurde im November 2010). Der Chefdirigent des angemessen sensuellen Monte-Carlo-Orchesters und die Geigensolistin finden sich im beherzten Einsatz für diese gefälligen Preziosen um 1900, als das romantische Feuer bereits auf einer zwar kleineren, aber keineswegs kälteren Flamme köchelte.

Mario Gerteis † [27.04.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 O. Respighi Poema autunnale 00:14:23
2 Fantasie d-Moll 00:24:48
3 E. Chausson Poème Es-Dur op. 25 00:16:05
4 R. Vaughan Williams The Lark Ascending 00:14:27

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Julia Fischer Violine
Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo Orchester
Yakov Kreizberg Dirigent
 
478 2684;0028947826842

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc