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CD-Besprechung

Russian Cello Sonatas

Alexander Chaushian

Russian Cello Sonatas

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 21.03.11

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BIS 1858

1 CD/SACD stereo/surround • 82min • 2010

Der aus St. Petersburg stammende Pianist Yevgeny Sudbin ist – auch von mir – in den letzten Jahren mit viel Lob und Superlativen bedacht worden. Seit 1997 lebt er in Großbritannien und steuert von dort aus sein internationales Wirken mit vielen Stationen an den wichtigen Brennpunkten der Konzertszene. Nun wagt er als Exklusiv-Künstler des BIS-Labels erstmals eine Kammermusik-CD – und er dehnt damit seinen künstlerischen und diskographischen Wirkungsbereich aus, denn bislang konzentrierte er sich auf Solo-Klavierwerke und Konzerte mit Orchester.

Ihm zur Seite sitzt und wirkt mit energischem, leider zuweilen auch etwas jammerndem, will sagen: auf hohe Emotionalität hin gezüchteten Ton der zunächst von seinem Großvater ausgebildete, später an der Yehudi Menuhin School betreute Alexander Chaushian. Auch an der Londoner Guildhall School of Music and Drama hat Chaushian studiert, zudem in Berlin unter den pädagogischen Schutzschirmen von Boris Pergamenschikow und David Geringas. 2002 gewann Chaushian den Dritten Preis beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs – und genau auf diesem Podestplatz erlaube ich mir auch, seine solistisch-kammermusikalische Leistung im Rahmen dieser BIS-Publikation einzuordnen. Denn für mein Empfinden agiert dieser Musiker anerkennenswert bemüht um Expression, aber es gelingt ihm nicht, wirklich entscheidende gestalterische Akzente zu setzen. Im Zusammenspiel mit dem souveränen, technisch wie musikantisch völlig frei und zielstrebig pointierenden Sudbin entfaltet – oder duckt – sich Chaushian sozusagen als aufmerksamer Mitgestalter, gelegentlich mit sehrendem Ton um Aufmerksamkeit werbend, aber insgesamt im Schatten seines Partners artikulierend.

Von Belang für alle Freunde der Kammermusik ist die Aufzeichnung von Alexander Borodins sicher weitgehend unbekannter Sonate in h-Moll aus dem Jahr 1860. Andrew Huth unterrichtet uns im Begleitheft über die Umstände eines Werkes aus der Werkstatt eines Komponisten, der sich hauptberuflich der Medizin und der Chemie widmete: „In Heidelberg wohnte Borodin neben einem Geiger, der häufig Bachs erste unbegleitete Violinsonate BWV 1001 spielte. Das Fugensubjekt des zweiten Satzes faszinierte Borodin so sehr, dass er es zum Ausgangspunkt für eine eigene Sonate für Cello und Klavier machte. Borodins Stil zeigt nicht die formale und kontrapunktische Strenge des Bachschen Originals. Er spielt Bachs Thema auf seine eigene, eher unkonventionelle Weise, verwandelt es auf höchst geistreiche Art und verweilt dabei gern in jener sinnlichen Lyrik, die sein unnachahmliches Markenzeichen ist."

Das insgesamt heitere, spielfreudig angelegte Stück ist nur fragmentarisch überliefert. Sudbin und Chaushian folgen in tendenziell lebhafter Übereinkunft der Fassung des Musikwissenschaftlers Michael Goldstein (1917–1989) „mit leicht gekürztem Finale". Wie zu vermuten, kann das der sympathischen Wirkung dieses munteren Werkes keinen Abbruch tun, zumal es jedem russisch orientierten Musikliebhaber Freude bereiten dürfte, Borodin einmal nicht nur als Schöpfer der Polowetzer Tänze, der Steppenskizze aus Mittelasien oder einer zweiten Sinfonie in h-Moll zu erleben, die immerhin von Erich und später auch von Carlos Kleiber eingespielt wurde (Hänssler 93.116)!

Vergleichsaufnahmen: Rachmaninoff: Cellosonate op. 19 – Gutman – Wirssaladaze (LCL 206), Kniazev – Lugansky (Warner 2564 63946-2), Tetzlaff – Süssmann (Avi Music 8553082), G. Capucon – Montero (Virgin classics / EMI 385786 2), Geringas – Fountain (Häänssler 93.245), Ciccolini – P. Tortelier (EMI 50999 685824 2 5 /CD 52), E. Kurtz – Kapell (RCA 09026-68442-2), Hopkins – Madzar (Intim Musik IMCD 062), Kleinhapl – Mikitka (Ars FCD 368365), Rostropovich – Dedyukhin (DG 459022-2 1958); Schostakowitsch: Cellosonate op. 40 – Rostropovich – Schostakowitsch (multisonic 310179-2), Kleinhapl - Woyke (Ars Produktion 38003), Vogler – Canino (Berlin classics 0017062 BC), Savinova – V.Yampolsky (Tudor 7138), Gabetta – Ursuleasa (RCA 88697342612).

Peter Cossé [21.03.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 S. Rachmaninow Sonate g-Moll op. 19 00:35:27
5 A. Borodin Sonate h-Moll für Violoncello und Klavier 00:18:40
8 D. Schostakowitsch Sonate d-Moll op. 40 für Violoncello und Klavier 00:22:16
12 S. Rachmaninow Vocalise e-Moll op. 34 Nr. 14 für Violoncello und Klavier 00:05:16

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Alexander Chaushian Violoncello
Yevgeny Sudbin Klavier
 
1858;7318599918587

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