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CD-Besprechung

Beethoven

Yevgeny Sudbin

Beethoven

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 28.01.11

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 1758

1 CD/SACD stereo/surround • 70min • 2009

Ohne Superlative scheint wenig zu laufen im Klassikgeschäft, mag man es verfluchen oder sich darüber amüsieren. Auch der 30jährige Yevgeny Sudbin läßt sich in seiner Biographie mit einem Daily-Telegraph-Zitat als „vielleicht (sic!) einer der größten Pianisten des 21. Jahrhunderts" titulieren. Solcherlei Legendenbildung ist angesichts sowohl des Kalenderjahres als auch seines Alters nun wirklich unangebracht. Dass er ein sehr guter Musiker ist, der das Zeug dazu hat, auf seinem Weg wirklich weit zu kommen, sei ihm aber gerne und mit großer Begeisterung attestiert! Sudbin legt hier, zusammen mit dem Minnesota Orchestra unter Osmo Vänskä, einen Beethoven vor, der hoch aus der Masse herausragt - beginnend mit dem Klangbild, denn BIS hat darauf verzichtet, das Soloinstrument künstlich hochzudrehen, wie man es mittlerweile so oft hört. Das Klavier ist zwar knusprig klar abgenommen, in der Mischung aber so homogen ins Orchester eingebettet, dass sofort Live-Atmosphäre entsteht. Das passt auch zum interpretatorischen Ansatz des gesamten Ensembles und insbesondere zu Yevgeny Sudbins facettenreichem Beethovenbild, das gänzlich ohne Kraftmeierei und Selbstverliebtheit auskommt. Derart kammermusikalisch aufgefächert hört man das vierte und fünfte Klavierkonzert selten, und die Kommunikation zwischen Solist und Orchester ist derart spannend, dass man die großen Orchestertutti schon fast ungeduldig aussitzt, um der Fortführung des Dialogs zu lauschen.

Wenn das vierte Klavierkonzert in einer so gelungenen Interpretation wie dieser zu einem echten Erlebnis wird, dann gilt die Bewunderung auch dem Stück selbst, diesem außergewöhnlichen Meisterwerk des späten klassischen Stils, selbst an Beethovens Standard gemessen. Seine Reinheit und ästhetische Essenz sind so hoch, dass es ein perfektes Beispiel des romantischen Strebens nach dem Unendlichen ist; ein Streben, das naturgemäß nie sein Ziel erreichen darf. Solche Musik ist im Schopenhauerschen Sinne keineswegs das Abbild von Ideen, sondern Abbild des menschlichen Willens selbst. Sudbin und Vänskä haben das verinnerlicht und setzen Beethovens Klangarchitektur auf jene unspektakulär erscheinende Weise um, die in Wirklichkeit die schwierigste ist: metrisch hochprääzise, keine Note unter den Tisch fallen lassend, aber stets in langen Linien denkend, ohne Geltungsdrang und mit dem nötigen Sinn für Beethovens Humor (gerade im dritten Satz, der bei allem kompositorischem Raffinement eben auch hohen Unterhaltungswert besitzt). Das pianistische Können von Yevgeny Sudbin hat eine Stufe erreicht, die in ihrer lässigen Souveränität erstaunt: Er spielt völlig unangestrengt, mit viel Wissen um den Kontrast, um die Wichtigkeit der zarten Töne und einem natürlichen Gespür für den sprechenden klassischen Tonfall. Dass er sich aber auch eine ordentliche Dosis jugendlichen Überschwangs bewahrt hat, zeigt er in der Kadenz des ersten Satzes, die er mit spürbarer Lust an Tempo und Action abfackelt.

Das fünfte Konzert kommt in seiner Anlage viel massiver daher, weist bei näherer Betrachtung aber ein ausgewogenes Maß von Hartem und Sanftem auf. Sudbin dosiert auch hier sehr facettenreich, verzichtet darauf, große Teile des Werks im Testosteronrausch zu durchmessen und spielt trotzdem energisch-muskulös. Noch mehr als im vierten Konzert setzt er seinen hervorragenden Sinn für Klavierfarben ein und zeigt diese Kunst gerade in scheinbar unspektakulärem Passagenwerk: So lebhaft sprudelnde Alberti-Bässe und in coolem Understatement servierte leggiermente-Passagen habe ich in diesem Konzert noch nie gehört. Doch das größte Plus ist das spürbare Verlangen nach gemeinsam erlebter Musik und der Geist inspirierten Handelns, der aus beiden Konzerten von der ersten bis zur letzten Note strömt.

Henri Ducard [28.01.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Konzert Nr. 4 G-Dur op. 58 für Klavier und Orchester 00:32:09
4 Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 00:37:27

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Yevgeny Sudbin Klavier
Minnesota Orchestra Orchester
Osmo Vänskä Dirigent
 
1758;7318599917580

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