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CD-Besprechung

A. Järnefelt

BIS 1 CD 1753

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 03.12.10

Klassik Heute
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BIS 1753

1 CD • 77min • 2008

Dass es in der Umgebung großer Geister oft zu einer schöpferischen „Versteppung“ kommt, ist ein bekanntes Phänomen, das flüchtige Beobachter gern zu „Opfer-Täter“-Gedankenspielen verleitet: Wenn etwa im Umkreis von Richard Strauss unbestrittene Talente wie Hermann Bischoff, Ernst Bœhe und sogar der enge Freund Ludwig Thuille die Segel refften beziehungsweise strichen; wenn aus Gustav Mahlers Kreis zunächst der Studienfreund Hans Rott ganz tragisch verschwand und später ein Bruno Walter oder Otto Klemperer ihre kompositorischen Ambitionen an den Nagel hängten – dann lag das nicht daran, dass das Genie den Begabungen Blut, Boden und Geist entzogen hätte, sondern zumeist an der Einsicht, dass gegen die Übermacht des Einen ohnehin nichts auszurichten war.

Ähnliches ereignete sich damals auch in Finnland, als Armas Järnefelt, fünf Jahre jünger als Jean Sibelius, kurz nach der Jahrhundertwende mit einer kleinen, entzückenden, allerdings auch ein wenig resignierenden Berceuse für Violine und Orchester den Abschied vom eigenen Notenpapier nahm. Zu hoch war der Riesenvogel des Nordens aufgestiegen, als dass der solide ausgebildete, keineswegs fantasielose Schwager Armas ihn noch hätte einholen können. Und da er ohnehin schon fast zehn Jahre früher – bei der Premiere seiner von starker Wagnerhand gelenkten Sinfonischen Fantasie – schmerzlich gestrandet war, dürfte die Entscheidung für eine Dirigentenkarriere womöglich nicht so schwer gefallen sein, wie wir uns das mitfühlend vorzustellen versuchen.

Das Programm der vorliegenden CD nährt allerdings den Verdacht, dass Järnefelt nicht bloß an der eigenen Leistungsfähigkeit gezweifelt, sondern sich obendrein auch vor den mentalen Konsequenzen des Komponistenlebens gefürchtet hat. Denn objektiv betrachtet, müssen sich weder die Fantasie des Feuerkopfes noch die charmante Serenade (1893) oder die besonders wohlgeratene Suite Es-Dur (1897) verstecken: Sie sind gelungene Assimilationen aktueller Tendenzen, von denen Järnefelt durchaus zu einer eigenen Reife hätte kommen können. Doch Talent zeigt sich, so Arthur Honegger später, „in dem Mut, immer wieder anzufangen“ – und daran mag es dem jungen Komponisten, der als Mittdreißiger die Waffen streckte, gefehlt haben. Die Angst vor ätzender Kritik, vor Gleichgültigkeit und dem Versiegen der kreativen Quellen kann zwar in der Tat übermächtig werden. Doch angesichts dessen, was uns das Sinfonieorchester aus Lahti unter Leitung des Geigers, Dirigenten und Komponisten Jaakko Kuusisto hier zu bieten hat, ist dieser vollständige Rückzug keineswegs nachzuvollziehen: Der elfenhafte Charme, die köstliche Sensibilität und die schöne Melodik der Suite allein hätten eigentlich ausreichen sollen, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Rasmus van Rijn [03.12.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Järnefelt Symphonic Fantasy 00:20:51
2 Suite Es-Dur 00:21:32
7 Serenade 00:29:55
13 Berceuse 00:03:40

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Lahti Symphony Orchestra Orchester
Jaakko Kuusisto Violine, Leitung
 
1753;7318590017531

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