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CD-Besprechung

Barocke Weihnacht in Hamburg

cpo 777 553-2

1 CD • 72min • 2009

26.11.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Dank seiner starken Befestigungen blieb Hamburg von den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges verschont und die reiche Hansestadt entwickelte in ihren Mauern ein reiches Kulturleben. Hier war besonders die Kirchenmusik der vier Hauptkirchen St. Petri, St. Katharinen, St. Nikolai und St. Jacobi von Bedeutung (St. Michaelis wurde erst 1685, im Geburtsjahr Johann Sebastian Bachs, in den Rang einer Hauptkirche erhoben). Die Hamburger Organisten hatten einen guten Ruf in Deutschland, allen voran die Musikerdynastie Praetorius (nicht verwandt mit dem Wolfenbütteler Kapellmeister Michael Praetorius – der Name ist die latinisierte Form von Schultheiß bzw. Schultze). Heinrich Schütz schickte etwa seinen Schüler Matthias Weckmann nach Hamburg zu Jacob Praetorius, dem Organisten an St. Petri, in die Lehre; Jacob war das dritte Glied der Dynastie, sein Vater Hieronymus und sein Großvater Jacob Praetorius d. Ä. waren Organisten an St. Jacobi gewesen. Weckmann selbst übernahm 1655 das Organistenamt an der Jacobikirche nach einer erfolgreichen Laufbahn als Hoforganist in Dresden und Kapellmeister des dänischen Kronprinzen Christian. Jan Pieterszoon Sweelinck, der niederländische Orgelpapst an der Grenze von der Renaissance zum Barock, bildet als Lehrer von Jacob Praetorius d. J. und Heinrich Scheidemann die Brücke zu Samuel Scheidt, der ebenso bei Sweelinck in die Lehre gegangen war.

Thomas Selle und Christoph Bernhard stehen für die neben den Organisten der Hauptkirchen andere wichtige Position, die Hamburg zu vergeben hatte: die des städtischen Musikdirektors und des Kantors am Johanneum, die später Telemann und Carl Philipp Emmanuel Bach bekleiden sollten. Johann Philipp Förtsch wurde eigentlich mit seinen Werken für das Opernhaus am Gänsemarkt bekannt, hinterließ allerdings auch geistliche Musik.

Manfred Cordes präsentiert also ein breites Spektrum von Hamburger Weihnachtsmusik aus dem 17. Jahrhundert. Sein Bremer Barock Consort besteht aus Studierenden und Absolventen des Studiengangs Alte Musik, der seit 1994 an der Bremer Musikhochschule vorhanden ist und sich mit dieser CD durchaus als Zierde der Bildungsstätte an der Weser erweist. Im Vergleich mit den Aufnahmen von Cordes’ Hauptensemble Weser Renaissance, von denen eine hervorragende Aufnahme mit Motetten von Hieronymus Praetorius vorliegt, ist der Zugang zu der Musik auf dieser CD allerdings etwas zaghafter, wo doch gerade zu Weihnachten ein entschiedener Jubelton am Platze wäre – das Bremer Barock Consort macht ein wenig den Eindruck von Weser Renaissance light. Dennoch: eine sehr verdienstvolle Leistung!

Vergleichsaufnahmen: Venedig in Hamburg – Motetten von Hieronymus Praetorius. Weser Renaissance, Manfred Cordes (Leitung) cpo 777 245-2.

Detmar Huchting [26.11.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hieronymus Praetorius
1Angelus ad pastores ait (Motette a 12) 00:04:57
2Magnificat quinti toni (à 8) 00:12:27
Jacob d.J. Praetorius
3Praeambulum ex d 00:04:03
Thomas Selle
4Videntes stellam magi (Konzert à 8) 00:06:09
5Joseph! Was da? 00:03:43
Heinrich Scheidemann
6Vom Himmel hoch für Orgel 00:04:32
Christoph Bernhard
7Ach, mein herzliebes Jesulein 00:04:23
Samuel Scheidt
8Gelobet seist du, Jesu Christ (Psalmus in Die Nativitatis Christi) 00:03:55
J.Ph. Förtsch
9Gelobet seist du, Jesu Christ 00:07:49
Matthias Weckmann
10Gegrüßet seist du, Holdselige 00:06:07
Christoph Bernhard
11Toccata vel Praeludium primi toni 00:02:38
12Herr, nun lässest du deinen Diener 00:10:25

Interpreten der Einspielung

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