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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

BIS 1746

1 CD/SACD stereo/surround • 63min • 2009

04.08.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wir alle kennen Forscher und Autoren, die bei Anton Bruckner gern die Fassung verlieren. Benjamin Korstvedt von der Clark University in Worcester (Massachusetts) gehört nicht dazu. Er beschränkt sich in seiner kenntnisreichen, offensichtlich auf eigene Editionsarbeit gegründeten Einführung darauf, die wichtigsten Unterschiede zwischen den Versionen II (1878-1880) und III (1887/88) der Romantischen Symphonie zu beschreiben, anstatt sich in weltanschaurige Kampagnen über letzte, vorletzte und allerletzte Willenserklärungen zu verlieren. Da folgt man gern auch ohne Partitur, zumal er mit der Angabe von Laufzeiten hilft, die zur Debatte stehenden „Stellen" aufzuspüren.

Wie glücklich wäre ich gewesen, wenn ich ähnlich vorbehaltlos auch die musikalische Realisation aus Minnesota hätte loben können! Erstens, weil ich Osmo Vänskä insbesondere ob seines grandiosen Einsatzes für Jean Sibelius schätze, und zweitens, weil es gewiss eine gute Idee war, statt einer weiteren 78er-Version die weniger oft gespielte „definitive" Fassung der Romantischen zu riskieren. Und es gibt ja auch einiges, bei dem ich bereitwilligst die Ohren gespitzt habe. Vänskä läßt sehr viele Nebenstimmenverästelungen, kontrapunktische Seitentriebe und melodische Randschönheiten aus der satztechnischen Versenkung emporsteigen, um dergestalt eine überraschende Fülle an geradezu neuartigen Licht- und Schattenwirkungen zu erzielen – was übrigens nicht an irgendwelchen „Fassungen", sondern an den Facettenaugen des Dirigenten liegt: So entstehen in der Aufnahme viele Strecken, in denen sich das erratische Dasein der Blöcke (Bruckner kommt eben von der Orgel her) durch bewegte Ausleuchtungen in lebendiges Changieren auflöst und die große Architektur eine scheinbare Unstete annimmt – als durchschritte man eine nächtliche Kathedrale mit nichts als ein paar flackernden Fackeln bewehrt: Das Bauwerk ruht auf unerschütterlichen Fundamenten, seine Erscheinung hingegen ist in einem ständigem Fluss.

Diese prinzipiell sehr lobenswerte und beeindruckende Konzeption schmälern dann freilich ein paar klangtechnische Defizite, die sich vor allem dort in räumlicher Flachheit bemerkbar machen, wo die ganze Welt mittönen müsste. Zudem ist nicht zu leugnen, dass manche Schalt- Verbindungsstellen trotz aller innern Beweglichkeit und sorgfältig geplanten Steigerungen als solche erkennbar bleiben, weil man die jeweiligen Tempo-Übergänge eher äußerlich-ungefähr als organisch nahe liegend vornimmt (das gilt besonders fürs Andante). Und schließlich sollte Vänskä seinem Orchester noch einige Routinen austreiben: Das Juchzen und Jauchzen der Blechbläser im Scherzo ist in jedem Fall mehr als ein bloß blinkendes, gleißendes und glorreiches Strahlen der Stürzen. Es ist die pure Lebensfreude.

Rasmus van Rijn [04.08.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Bruckner
1Sinfonie Nr. 4 Es-Dur (Romantische; Fssg. 1888)

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