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CD-Besprechung

Troubadisc TRO-CD 01437

1 CD • 70min • 1976, 1974, 1997

28.04.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Ich muss gestehen, dass der aus Freiburg stammende, u.a. von Ludwig Hoffmann und Paul Badura-Skoda ausgebildete Pianist Wolfram Lorenzen sich in früheren Jahren nicht in der engeren Umlaufbahn meiner musikalischen Vorzugsplaneten bewegte. Das hat sich in den letzten Jahren geändert, der einen oder anderen Troubadisc-Einspielung sei Dank! Großen Respekt, gepaart mit Begeisterung jedoch muss ich dem Preisträger vor allem italienischer Wettbewerbe (Monza, Vercelli, Senegallia) zollen in Anbetracht der hier vorliegenden Zusammenstellung, deren Episoden aus den Jahren 1974 und 1976 bereits in der Sparte „Historische Aufnahmen“ einzuordnen sind. In erster Linie verneige ich mich vor Lorenzens gescheiter, kraftvoller, aber auch im rechten Moment umsichtig-maßvoller Virtuosität, wenn es sich um Max Regers nicht allzu oft gewagtes f-Moll-Klavierkonzert handelt. Der Mitschnitt aus St. Gallen (AD: 1997) mit dem in diesem Fall mehr als tüchtigen, offenbar von Reinhard Petersen ein- und umsichtig vorbereiteten Orchester zählt meiner Ansicht nach zum Überzeugendsten auf diesem heiklen Monsterkonzert-Terrain. Lorenzen bewältigt nicht nur den Kräfte raubenden Solopart, er lüftet, er entfettet die dichtesten, vor Noten geradezu berstenden Passagen. Und es gelingt ihm im ersten Satz das Explosive mit dem Nachdenklichen, das sozusagen musikantisch Aufgeblähte mit dem sporadisch Verschlafenen zu versöhnen!

Mit dem zweiten Satz (Largo con gran espressione) haben die Interpreten von Douglas bis Webersinke (siehe Vergleichseinspielungen!) nur selten Schwierigkeiten. Regers schwerblütige, gleichsam oberpfälzisch-tropische Verfügungen sind einem vernünftig brütenden Gesamtensemble nicht nur ins kollektive Stammbuch, sondern unter günstigen Umständen auf den Leib geschrieben. Problematisch bleibt der (allzu) kurze, abrupt endende Finalsatz mit seinem etwas verkrampft-tänzerischen Humor-Programm (in Verehrung womöglich mancher „rheinischer“ Passagen bei Schumann!). Lorenzen und dem St. Galler Orchester gelingt es hier immerhin das Disparate, das Gewollte dieses Satzes halbwegs zu binden, so dass ich insgesamt von einer der gelungensten Deutungen dieses schwierigen Reger-Werkes zu sprechen, ja zu schwärmen wage.

Auch die beiden anderen Werke ereignen sich auf hohem Niveau, was die pianistische Ausarbeitung anbelangt. Mendelssohn Bartholdys flinkes, umtriebiges Capriccio brillant erhält unter den Händen Lorenzens die nötige Geschmeidigkeit der Passagenmobilität. Auch Bartóks frühe, unzweifelhaft noch der Lisztschen Ungarn-Ästhetik verbündete Rhapsodie lässt erkennen, dass Lorenzen sich in den verschiedensten musikalischen Landschaften zu Hause, zumindest den entsprechenden Regionen verbunden fühlt. Géza Andas Einspielung bleibt freilich die führende Leistung auf diesem Sektor, weil die alte DG-Einspielung unter der Leitung von Ferenc Fricsay im Bereich des Orchesters ausgefeilter, insgesamt wirkungsvoller ist. Interessant – und empfehlenswert – für Liebhaber allen rhapsodischen Wesens ist in diesem Zusammenhang die Solo-Version dieser farbenreichen, mosaikartig gefertigten Rhapsodie, die Andreas Bach für Oehms eingespielt hat (OC 348).

Vergleichsaufnahmen: Reger: R. Serkin – Ormandy (CBS MPK 46452), Douglas – Janowski (RCA 09026-68028 2), Erdmann – Rosbaud (Orfeo C 722071 B), Korstick – U. Schirmer (cpo 777373-2), Oppitz – Stein (Koch/Schwann 311 058 H1), de Groote – Gielen (Saphir INT 830.879), Webersinke – Herbig (Berlin classics 0091422BC); Bartók: Anda – Fricsay (DG), Kocsis – I. Fischer (Philips 416 831-2), Rogé – Weller (Decca), Foldes – Bigot (Jecklin-Disco JD 648-2); Mendeslssohn: R. Schirmer – Herbig (Berlin classics 0017752 BC), R. Levin – Sloane (Edition Klavierfestival Ruhr 2009 /avi-music), Margalit – Thomson (Chandos 7070), Katsaris – Masur (Teldec 8573-80991-2), Wirtz – Smola (Koch 3-1372-2), Huang – Masur (Teldec 0630-15859-2), Hobson (AR Z 6688).

Peter Cossé † [28.04.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Felix Mendelssohn Bartholdy
1Capriccio brillant h-Moll op. 22 00:11:05
Béla Bartók
2Rhapsodie op. 1 BB 36b Sz 27 für Klavier und Orchester 00:22:05
Max Reger
3Klavierkonzert f-Moll op. 114 00:36:14

Interpreten der Einspielung

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