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CD-Besprechung

Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 8 c-Moll (1. Fssg. 1878)

OehmsClassics 2 CD/SACD OC 638

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.10.09

Klassik Heute
Empfehlung

OehmsClassics OC 638

2 CD/SACD • 83min • 2008

Der Streit um die verschiedenen Fassungen von Bruckners Sinfonien ist alt und geht weiter. Bruckner war ein unsicherer Mensch und hat immer wieder aufgrund von (sicher gutgemeinten) Ratschlägen seine Sinfonien verändert, zweite oder gar dritte Fassungen erstellt. Außerdem haben Dirigenten Retuschen vorgenommen. Lange war so der Blick auf die Urfassungen verstellt. Oft nahm sich Bruckner frühe Werke vor und revidierte diese aufgrund der Erfahrungen, die er mit Aufführungen seiner Sinfonien gemacht hatte, und das auch, nachdem er als Sinfoniker schon eine andere Entwicklung genommen hatte (maßgeblich gilt das für die Erste). Es kam zu Zugeständnissen an den Geschmack der Zeit und zur Glättung der eigenen Diktion.

Die achte Sinfonie bildet insofern eine Besonderheit, als Bruckner ungewöhnlich rasch nach Fertigstellung des Werkes an dessen Umarbeitung ging. Die erste Fassung entstand in den Jahren 1884 bis 1887. Hermann Levi, der für die Uraufführung der Erstfassung vorgesehene Dirigent, fand indes keinen Zugang zu dem Werk, bezeichnete die Instrumentation als „unmöglich“ und bekannte, der letzte Satz sei ihm „ein verschlossenes Buch“. Er meinte aber: „Vielleicht läßt sich durch eine Umarbeitung viel erreichen.“ Bruckner arbeitete die Achte zwischen Oktober 1887 und März 1890 gründlich um. Beide Fassungen unterscheiden sich indes so gravierend, dass man fast von zwei verschiedenen Sinfonien sprechen kann. Bruckner komponierte das Trio des dritten Satzes völlig neu. Seine Umarbeitung betrifft im Wesentlichen aber die Formgestaltung, die Harmonik, vor allem den Klang. Dreifache Holzbläser und die Hörner 5 bis 8 im Wechsel mit Tenortuben werden nun nicht mehr nur im Finale, sondern in allen Sätzen verlangt. Der Bruckner-Forscher Leopold Nowak konstatierte in seiner Edition der Urfassung (1972) treffend, die Achte Sinfonie lasse erkennen, „wie Bruckner sein eigenes Gedankengut, seinen eigenen Formwillen veränderte und mit genialer Meisterschaft eine zweite Partitur schrieb“.

Simone Young setzt sich – wie vor Jahren schon Eliahu Inbal mit dem RSO Frankfurt – vehement für die Urfassungen der Brucknerschen Sinfonien ein. Nach der zweiten, dritten und vierten Sinfonie hat sie nun die Achte in ihrer originalen Gestalt mit den Hamburger Philharmonikern aufgenommen. Young führt mit ihrem Orchester die „geniale Meisterschaft“ und Bruckners Radikalität vor und eben nicht die philologische Besonderheit der Partitur. Man hört einen undomestizierten Bruckner, eine Musik, die (noch) nicht geglättet ist, die sich frei, unmittelbar und ohne große Rücksichtnahme auf die Konventionen der Zeit entfaltet. Die Diktion ist klar, die Dramaturgie stimmt, musiziert wird schlank, nie pauschal, sondern außerordentlich detail- und kontrastreich, dazu sehr nuanciert und differenziert. Was diese Interpretation darüber hinaus auszeichnet, ist das Fehlen von Schwere, falscher Monumentalität, heftigem Auftrumpfen oder weihevoller Diktion. Der Kopfsatz hebt geheimnisvoll an, das Scherzo ist wirklich nur „moderato“, das Adagio entwickelt sich sehr organisch und atmend, das Finale mit dem schon lakonischen Schluß ist „feierlich“, wird aber nicht zelebriert. Die Hamburger Philharmoniker legen sich für die ungewohnte Version mächtig ins Zeug und geben ihr Bestes. Das Ergebnis: ein aufregendes Hörerlebnis und eine Entdeckung!

Dr. Helge Grünewald [01.10.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Bruckner Sinfonie Nr. 8 c-Moll (1. Fssg. 1878)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Philharmoniker Hamburg Orchester
Simone Young Dirigentin
 
OC 638;4260034866386

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