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CD-Besprechung

Federico Ricci: Corrado d'Altamura (Highlights)

Opera Rara 1 CD ORR246

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 09.07.09

Opera Rara ORR246

1 CD • 79min • 2008

Mehrere Opern hat er gemeinsam mit seinem Bruder Luigi komponiert, darunter Crispino e la comare (1850), die einzige nach Don Pasquale entstandene Buffa, die noch gelegentlich gespielt wird. Doch auch im Alleingang war Federico Ricci (1809-1877) ein ungemein fruchtbarer und zu seiner Zeit sehr erfolgreicher Opernfabrikant. Sein Corrado d’Altamura erlebte, wenige Monate vor Giuseppe Verdis großem Durchbruch mit Nabucco, am 16. November 1841 an der Mailänder Scala eine glanzvolle Premiere, an der einige der besten Sänger der Zeit beteiligt waren. Die Sopranistin Luigia Abbadia (Delizia) hatte sich zuvor schon in den Uraufführungen von Verdis Un giorno di regno und Donizettis Maria Padilla einen Namen gemacht, für die Mezzosopranistin Marietta Brambilla (Bonello) schrieb Donizetti die Hosenrollen in Lucrezia Borgia und Linda di Chamounix, der Tenor Carlo Guasco (Roggero) kreierte Verdis Ernani und den Oronte in I Lombardi und der Bariton Felice Varesi (Corrado) ist als erster Rigoletto und erster Vater Germont in die Musikgeschichte eingegangen.

Corrado d’Altamura gehörte keineswegs zu den im damaligen Opernbetrieb sehr häufigen „Eintagsfliegen“, die nach der Premiere in der Versenkung verschwanden. Tom Kaufman weist im Booklet der Opera Rara nicht weniger als 55 Produktionen nach, die bis 1870 nicht nur an den großen italienischen Opernhäusern stattgefunden haben, sondern auch in Amsterdam, Kopenhagen, Lissabon, Boston, Santiago, Malta, Buenos Aires und (in deutscher Sprache!) in Budapest.

Das Libretto Giacomo Sacchèros, der später für Donizetti Caterina Cornaro schrieb, ist so wüst, wie man es von einer romantischen Oper dieser Zeit erwartet. Im Mittelpunkt steht Roggero, der Herzog von Agrigent, der Delizia, die Tochter seines Vasallen und ehemaligen Erziehers Corrado verführt hat, dann aber die Ehe mit Margarita, der Tochter des Marchese Albarosa, eingehen will. Bei der Hochzeitszeremonie sorgt Delizia durch ihren unerwarteten Auftritt für einen Eklat. Der Marchese ist empört und Corrado fordert Roggero zum Duell heraus, bei dem er im letzten Akt fällt. Roggero wird schließlich als sein Mörder zum Tode geführt, ohne die Verzeihung Delizias erlangt zu haben.

Federico Riccis Musik zu diesem dramatischen Machwerk steht auf der Höhe seiner Zeit, ohne besondere Originalität zu beweisen. Das ist gekonnte Mache, Belcanto aus zweiter Hand, insgesamt hört man mehr Getöse als echte Seelentöne. Die Poesie Bellinis, mit dem Ricci befreundet war, fehlt dem Werk durchaus. Und so war es klug von Opera Rara, wie bereits im Falle von La prigione di Edimburgo des gleichen Komponisten, die Ersteinspielung auf aussagekräftige Ausschnitte zu beschränken. Und einmal mehr hält die künstlerische Wiedergabe der editorischen Leistung nicht ganz stand.

Ein Kritiker der Uraufführung bemängelte das laute Orchester, das die Sänger oft zugedeckt habe. Roland Böer, langjähriger Kapellmeister in Frankfurt, glaubte offensichtlich einen Beitrag zur historischen Aufführungspraxis zu leisten, indem er das Philharmonia Orchestra immer wieder dröhnend in den Gesang hineinkrachen läßt. Dramatische Spannung wird fast durchgehend durch Lautstärke und Imponiergehabe ersetzt. Auch vokal bleiben viele Wünsche offen. Dimitra Theodossiou (Delizia) verfügt nicht mehr über den für das Belcantofach notwendigen ebenmäßigen Ton und bringt im Verbund mit der ebenso unstet singenden Mezzosopranistin Ann Taylor (Bonello) das Duett des 1. Aktes („Dio rimerti la parola“), eine der überzeugendsten lyrischen Nummern der Oper, um seine Wirkung. Der junge Tenor Dmitry Korchak (Roggero) ist im Augenblick noch mehr ein Versprechen als eine Erfüllung und dem grundsoliden James Westman (Corrado) fehlt die dunkle Charakterfarbe eines echten italienischen Baritons.

Ekkehard Pluta [09.07.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Ricci Corrado d'Altamura (Highlights)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Dimitra Theodossiou Delizia - Sopran
Dmitry Korchak Roggero, Herzog von Agrigent und Aragon - Tenor
James Westman Corrado, Conte di Altamura, Delizias Vater - Bariton
Ann Taylor Guiscardo Bonello, ein Söldner - Mezzosopran
Andrew Foster-Williams Giffredo, Anführer einer Söldnerbande - Bariton
Cora Burggraaf Margarita - Mezzosopran
Camilla Roberts Isabella - Sopran
Geoffrey Mitchell Choir Chor
Philharmonia Orchestra Orchester
Roland Böer Dirigent
 
ORR246;0792938024622

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