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CD-Besprechung zum Thema
Streichquartette

hänssler CLASSIC 98.587

1 CD • 46min • 2008

10.07.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die drei Quartette op. 55 gehören sicher nicht zu den Schlüsselwerken des Haydnschen Streichquartettschaffens. Warum diese charakterlich so unterschiedlichen Werke in vergleichsweise nur wenigen Einspielungen vorliegen, ist allerdings erstaunlich. Denn kaum eine andere Quartettgruppe zeigt den Komponisten – bei aller unverkennbaren Dominanz der 1. Violine – derart erfinderisch. Es ist dieses Hinterfragen oder kompositorische Kommentieren der in op. 33 erreichten und in op. 50 erweiterten klassischen Muster, was das extrovertierte op. 55 so ungemein attraktiv macht. Von den zahlreichen Überraschungen satztechnischer, rhythmischer, harmonischer oder dynamischer Art seien hervorgehoben die Fugato-Einschübe im Finale von op. 55/1 und im Sonaten-Allegro (2. Satz!) von op. 55/2, sowie die dichte Kontrapunktik des Presto-Finales aus op. 55/3. Ferner der monothematische Zug im Kopfsatz des A-Dur-Quartetts (op. 55/1), in dem solistische Passagen der 1. Violine ein den Regeln entsprechendes Seitenthema ersetzen. Und die expressiven Verdichtungen, die das an Stimmungswechseln reiche Quartett f-Moll (op. 55/2) kennzeichnen. Nicht allein, dass dieses Werk mit einem Variationssatz beginnt. Abwechselnd variiert werden gleich zwei, jedoch eng miteinander verwandte Themen: das in der Grundtonart f-Moll stehende und seine Dur-Variante.

Es ist der (im positiven Sinne) durchweg aufregenden Haydn-Lesart der jungen, 2001 gegründeten finnischen Quartettformation Meta4 zu danken, dass nicht nur diese Kühnheiten, sondern jeder einzelne, phantasievoll ausgestaltete und ebenso geistreich und fesselnd formulierte Satz zu einem tatsächlich faszinierenden Ereignis wird – in einer Aufnahme, die eine angenehme räumliche Akustik vermittelt. Antti Tikkanen und Minna Pensola (Violine), Atte Kilpeläinen (Viola) und Tomas Djupsjöbacka (Violoncello) beweisen auf ihrer Debüt-CD nicht einfach nur Schwung, nicht nur einen wachen Blick für das Ernste und Humorvolle dieser Quartette. Es sind auch nicht allein die bestechende Artikulation und Phrasierung oder der leicht angerauhte, gelegentlich scharfe Ton des Ensembles, die den Hörer regelrecht anspringen. Was Meta4 auszeichnet, ist der Mut zur Zuspitzung, die Lust am Ausreizen jeglicher Kontraste, eine Musizierhaltung, die, ohne launenhaft zu wirken, so herrlich unberechenbar ist, wie etwa das f-Moll-Quartett. Dazu gehört natürlich auch jedes kleine Feuerwerk an Brillanz und Virtuosität, das Meta4 beispielsweise in den Finalsätzen der Quartette A-Dur und B-Dur abbrennt. Und dieses mit der Musik gemeinsame Atmen, das besonders die langsamen Sätze so unwiderstehlich macht.

Für mich steht eindeutig fest: eine Referenzeinspielung in allen Belangen. Um schließlich zur Frage nach der geringen Anzahl an Einspielungen der Quartette op. 55 zurück zu kommen: Vielleicht musste erst dieses grandiose finnische Ensemble auf den Plan treten, damit diesen Werken in Zukunft eine größere Aufmerksamkeit zuteil wird.

[10.07.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Streichquartett A-Dur op. 55 Nr. 1 Hob. III:60 00:17:00
5Streichquartett f-Moll op. 55 Nr. 2 Hob. III:61 00:22:15
9Streichquartett B-Dur op. 55 Nr. 3 Hob. III:62 00:18:04

Interpreten der Einspielung

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