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CD-Besprechung

OehmsClassics OC 728

1 CD • 59min • 2007, 2008

26.06.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Klassik Heute
Empfehlung

Über diese Live-Mitschnitte aus der Münchner Philharmonie am Gasteig und der Kongreßhalle in Saarbrücken habe ich mich in vieler Hinsicht gefreut. Erstens, weil ich die Möglichkeit habe, etwas aus dem Orchesterkatalog eines Labels zu loben, dessen jüngste "Rezensionsmasse" mir nicht viel Anlaß zu Freude gegeben hat. Zweitens, weil die Veröffentlichung mit den Mitteln der Musik so manches im Umlauf befindliche Gerücht über den Dirigenten und sein Verhältnis zur Deutschen Radio Philharmonie in Luft auflöst: Was immer die Hintergründe der Erzählungen sein mögen, die einem über dunkle Kanäle zugetragen werden – wem etwas gelingt wie diese beiden Interpretationen, der muß etwas richtig machen. Womit ich beim dritten erfreulichen Punkt bin, der insbesondere dem noch immer verbreiteten Tschaikowsky-Bild abträglich, dem Abgebildeten selbst aber sehr förderlich ist: Beide Werke gehen unter der Leitung von Christoph Poppen in einer Weise über die Bühne, die sich weder mit dem Hysteriker noch dem irregeleiteten Sensibelchen, sondern mit dem gestandenen, seriösen, meisterhaften Komponisten Peter Tschaikowsky auseinandersetzt und dabei sogar der am Ende zwangsläufig donnernden Kanonade der Ouverture solennelle Facetten abgewinnt, die – lassen wir die 42fache Sequenz vor dem großen Böllern und Bimmeln außeracht – weit mehr Musik als martialisches Gemetzel beschert.

Das Ereignis aber ist, wie man sich wird denken können, die Wiedergabe der überaus "fatalen" Sinfonie Nr. 4 in f-Moll. Wer hätte wohl gedacht, daß diese so häufig gespielte und zumeist bis zur Überladung mit Schicksalhaftigkeit vollgestopfte Komposition sich auch als eine Tanzsinfonie würde aufführen lassen, ohne daß ihr dabei die inwendige Tragik oder die Nervosität ihres Autors abhanden käme? "In movimento di Valse" schreibt Tschaikowsky über den Anfang des Moderato con anima, das dem berühmten "Fatum" der Hörner folgt – und wenn diese Anweisung wörtlich genommen wird, wenn dazu die scharfen kontrapunktischen Überlagerungen, die unzähligen chromatischen Schleifer und rhythmischen Kanten präzis nebeneinander stehen dürfen: Dann erleben wir den Kopfsatz, wie in diesem konzertanten Dokument – nicht als epileptischen Anfall, sondern als ein großartig ausgearbeitetes Stück Musik.

In dieser Art geht es dahin. Das Andantino in modo di canzona mit überzeugend durchgehaltenem, kräftigen Bogen bei ungemein sorgfältig ausgearbeiteten Details (wer mag, kann ja mal "pars pro toto" in der Gegend von Takt 270ff. verfolgen, wie subtil die Streicher das solistische Fagott begleiten) und einem Weg auf den Gipfel des Gesangs, der weit mehr ergreift als jedes übliche Mitleidsgewinsel; das Pizzikato ostinato mit seiner beinahe schwindelerregenden Akzentverteilung wie eine lange, feinsinnige und geisterhafte Vorbereitung des wiederum nicht zu plakativ genommenen Final-Einsatzes, bei dem schwächere Naturen üblicherweise aus den Sitzen, gleich welcher Preiskategorie, geschleudert werden: Ohne daß man auf den massiven »Bumms« verzichtete, ist – wie bereits am Anfang der Sinfonie – zu spüren, daß es hier nicht darum zu tun war, den Tonkünstler als einen zwecklos vermählten Ehemann zu beschreiben, der in einem Tobsuchtsanfall das gute Porzellan auf den Fußboden schmeißt und hinterher bald 300 Takte braucht, um zu erklären, daß das völlig in Ordnung war ...

Rasmus van Rijn [26.06.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Peter Tschaikowsky
1Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36 00:43:02
5Ouvertüre solennelle 1812 Es-Dur op. 49 00:15:25

Interpreten der Einspielung

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