Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

I. Albéniz

turtle records 1 CD/SACD stereo/surround TR75529

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 27.05.09

turtle records TR75529

1 CD/SACD stereo/surround • 40min • 2007, 2008

Wer sich als pianistischer „Ausländer“ an Albéniz’ Iberia-Stücke wagt, der sieht sich in einer ähnlichen Lage, wie jene deutschen, italienischen oder amerikanischen Interpreten, die sich – mit Werken von Chopin – auf polnischen Boden wagen. Zum Glück ist der musikalische Rassismus, das Beharren auf nationaler, gewissermaßen landeskundiger Vorherrschaft der 50er- und 60er-Jahre abgeebbt, aber man denke nur an die kaum endenden Debatten, wenn es etwa um die rechtmäßige, richtige Deutung von Chopins Mazurken geht.

Im Bereich der spanischen Klaviermusik geht es um tänzerische, koloristische, atmosphärische Aspekte – um Kenntnis der verschiedenen Regionen, um Wissen um die zwischen islamistischer Eroberung und gelebter Liberalität vermittelnde Geschichte. Und natürlich auch um die Riten unter der Herrschaft der katholischen Kirche. Jeder Interpret, der sich also mit den vier Iberia-Bänden des Liszt-Schülers Isaac Albéniz in die Öffentlichkeit wagt, wird diese verschiedenen Aspekte berücksichtigen müssen – besser noch: er sollte sie inhaliert haben, um sich den zum Teil intrikat schwierig gesetzten, also rein technisch gesehen hoch virtuos angelegten Stücken nicht nur belesen, sondern auch instinktiv widmen zu können. Unerlässlich ist eine ausgeprägte Feinmechanik in den vielen verzwickten figurativen und rhythmischen Passagen. In dieser Hinsicht boten die verschiedenen Einspielungen von Alicia de Larrocha ein Maximum an Wendigkeit und Brillanz, hingegen fehlte es mir immer wieder an klanglicher Rundung und Gewalt – in Übermittlung der spanischen Kultur ein unverzichtbares Element, wenn die Stücke über die Grenze des Schicklichen hinaus gehen.

Der holländisch-israelische Pianist Yoram Ish-Hurwitz erledigt seine Aufgaben mit guten Mitteln, mit musikalischem Anstand und mit einigem Einfühlungsvermögen für die launig-sentimentalen Sequenzen etwa der einleitenden Évocation, mit einigem Sinn für die tänzerischen Bewegtheiten, wenn es um die Mobilität der iberisch kommenden und gehenden Themen geht. Was mir fehlt in Ish-Hurwitz’ Einspielung sind klangliche Zwischenfarben, atmosphärische Überraschungen, denn sein Klavierton bleibt monochrom (was zu guten bzw. ungünstigen Teilen auch am verwendeten Instrument und auch der Aufnahmeregie liegen mag). Er vermittelt – um es auf einen Nenner zu bringen – auf respektablem Niveau ein Spanienbild aus der Ferne, etwas matt koloriert und – in einer Phase des Zyklus, wenn Bissigkeit, ätzende Leidenschaft verlangt sind – mit gleichsam eingezogenen Klavierkrallen. Gemeint ist die besonders kantige Triana-Studie am Ende des zweiten Bandes, die mir selbst aus den nicht gerade brutalen Händen Rubinsteins mit schärferen Konturen in Erinnerung ist.

Zur Edition noch zwei Bemerkungen. Zum ersten: attraktiver wäre es sicher, auf zwei CDs die komplette Iberia-Sammlung anzubieten. Zum zweiten: kein Begleitheft sollte den Käufer, den Hörer im Unklaren lassen, wem er seine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Nicht eine Zeile über Yoram Ish-Hurwitz findet sich in der textlichen Abteilung! Und es handelt sich ja nicht um einen Allbekannten wie Pollini oder Ashkenazy! Selbstverständlich kann man sich im Internet informieren, aber ein wenig CD-Service darf man doch erwarten. Hier nun ein wenig in dieser Richtung: Ish-Hurwitz wurde 1968 in Amsterdam geboren, studierte bei Daniele Dechenne (man erinnere sich an ihre Iramac-LPs!) und Jan Wijn am Sweelinck-Konservatorium, später an der New Yorker Juilliard School bei György Sándor und in Deutschland bei Karl-Heinz Kämmerling. 1988 wurde Ish-Hurwitz in Rotterdam mit dem zweiten Preis des Eduard Flips-Wettbewerbs ausgezeichnet.

Vergleichsaufnahmen: Ciccolini (EMI ), Hamelin (Hyperion CDA 67476/7), Torres-Pardo (Glossa GSP 98005), Pérez (Verso VRS Netanjahu 2045), Barenboim (Teldec 8573-81706-2), Corni (Dynamic S 2023), Gonzáles (Naxos 8.554311), Unwin (Chandos 9850), Baselga (Buch I /BIS 923), Arrau (Buch I /Great Pianists Philips 456 706-2), Larrocha (Great Pianists Philips 456 883-2), Baselga (Buch III /BIS 1143), Arrau (Buch I und II /Dante HPC 079), Pinzolas (DG 437 241-2), Kyriakou (Vox).

Peter Cossé [27.05.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I. Albéniz Iberia (erstes Buch)
2 Iberia (zweites Buch)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Yoram Ish-Hurwitz Klavier
 
TR75529;0608917552928

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc