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CD-Besprechung

Powerplant Electric Counterpoint

signum SIGCD143

1 CD • 50min • 2007, 2008

17.02.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Ein Streichquartett von Beethoven, Brahms oder Alban Berg hat für Interpreten (und deren Rezensenten) deutliche Vorteile gegenüber sehr alter (z.B. Machaut oder Wolkenstein) oder sehr neuer (z.B. Steve Reich, Piazzolla oder Coldplay) Musik – es gibt eine Partitur und gute oder schlechte Interpretationen! Sind bei den sehr „Alten“ oft nur recht vage Codes für eine interpretatorische Annäherung vorhanden, so gibt es bei den „Neuen“ oft so perfekte, quasi einmalige und authentische Tonaufnahmen, dass „Interpretation“ eine fragliche Sache ist, die zumeist eher ins Auge als ins Ohr geht.

Die CD der jungen englischen Formation Powerplant muss sich insofern geradezu mit einem Befreiungsschlag gegen die maßstabsetzenden Originalaufnahmen der ja noch höchst lebendigen originalen Autoren durchsetzen oder sich zumindest von ihnen absetzen, ohne sich von deren Musik abzusetzen… ein schwieriges Unterfangen, aber hier mit Bravour gelungen! Natürlich, Drive, Puls und Konstruktion von Reichs Electric Counterpoint (1987 für Pat Metheny komponiert) stimmen perfekt und sind in jeder Mikro-Sekunde wiedererkennbar, aber vor allem im zweiten und dritten Satz geben die subjektiv und neu gesetzten Sounds der Komposition hier eine sehr andersartige, weniger coole Färbung, wodurch auch manche polyphone Linie durchaus plastischer wird, wenn auch in einem poppigen Sinn verstanden – aber warum nicht? Diese Art von „Interpretation“ jedenfalls gleicht der Problematik, Bachs Kunst der Fuge von einer Orgel, einem Cembalo oder Blechbläserensemble intonieren zu lassen – was insofern ja auf der Hand liegt, als Reich und Bach eher „Programme“ liefern als „Partituren“ im klassisch-romantischen Sinne.

Ebenso lobenswert ist hier der geglückte Versuch, auch die damals noch gewiss experimentellen und auch manchmal unbeholfenen Klänge und Rhythmen der Kult-Band Kraftwerk interpretatorisch anzupacken und ihnen sozusagen damit ein Tor zur Musikgeschichte zu öffnen! Das Paradoxe am „Original“ scheint insofern geradezu zu sein, dass es eine gewisse Veränderungsmöglichkeit aushalten muss, wenn es „Geschichte“ werden will, und dieser Prozess spielt sich originellerweise nun auch in musikalischen Sphären ab, die nicht mehr papierabhängig sind und die vor zwei oder drei Jahrzehnten noch nicht wirklich ernst genommen wurden. Auch die beiden Eigenbeiträge von Matthew Fairclough zeigen, dass „sound design“ nicht nur Spielerei ist, sondern Qualitäten besitzen kann, die man diesem Begriff vielleicht auf den ersten Blick nicht ansehen mag. Aber, geben wir’s doch zu, nicht nur Filme-Macher sehen den Komponisten gern als Sound-Designer, auch Mozart war ja wohl nur der Sound-Designer eines großartigen, phänomenalen Theater-Machers namens Emanuel Schikaneder…

Hans-Christian v. Dadelsen [17.02.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Steve Reich
1Electric Counterpoint für Gitarrenquartett und Tonband 00:14:46
Kraftwerk
4Tour de France 00:05:25
5Radioactivity 00:05:57
6Pocket Calculator 00:06:44
Matthew Fairclough
7Carbon Copy 00:05:14
Javier Alvarez
8Temaczal 00:08:05
Matthew Fairclough
9Audiotectonics III 00:03:47

Interpreten der Einspielung

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