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CD-Besprechung

D. Schostakowitsch • M. Weinberg • S. Nemtsov

SWRmusic 1 CD 93.233

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 27.02.09

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SWRmusic 93.233

1 CD • 70min • 2007

Seit ich Jascha Nemtsovs Einspielung von Liszts Ungarischen Rhapsodien, wichtiger aber noch: von jüdisch geprägten Stücken des Komponisten Juliusz Wolfsohn (1880–1940) gehört habe (Oehms OC 572), verspüre ich Interesse für sein pianistisches, aber auch musikethnologisches Betreiben. Mittlerweile ist der aus dem russischen Magdan stammende, am Leningrader Konservatorium ausgebildete Musiker Mitglied des Kollegiums „Jüdische Studien“ an der Universität Potsdam und – wie im Begleitheft verraten wird – dort seit 2007 habilitiert. Dieser für das Klavier durchaus begabte Künstler weiß also nicht nur, was er spielt und dem Publikum zur Diskussion stellt, er beschäftigt sich auch mit den soziologischen und weltanschaulichen Hintergründen der von ihm gewählten Kompositionen.

Von Wichtigkeit in diesem Zusammenhang sind die Hefte für Kinder des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919–1996). Weinberg flüchtete 1939 vor den anstürmenden deutschen Truppen, fand Asyl in der Sowjetunion und lebte ab 1943 in Moskau. Er zählte zum engen Freundeskreis von Schostakowitsch, womit seine nur am Rande kindlichen, in Wahrheit schwerblütigen, nachdenklichen Notationen auch in ästhetischer Nachbarschaft zu den Kompositionen des berühmten, stets gefährdeten Freundes zu sehen und zu hören sind. Hier hat man es mit einem echten Komponisten, mit einem Hervorbringer von Musik zu tun, dessen nachdenkliche, zuweilen auch erregte Notationen in den meisten Stationen so etwas wie schöpferische Unabwendbarkeit signalisieren, das heißt: Weinberg wollte nicht nur Musik zu Papier bringen, sondern er „musste“ es. Bei den 20 Skizzen der Pianisten-Gattin Sarah Nemtsov fällt es mir schwer, eine solch bewundernde Diagnose zu stellen. Ich beeile mich hinzuzufügen, dass solch familiäre Unterstützung an sich kein Problem ist – auch Lars Vogt protegiert die Inventionen seiner Gemahlin…

Zusammenfassend möchte ich von einem thematisch überlegt pointierten Programm sprechen, dessen zwischen Zärtlichkeit, Naivität und ätzenden Strukturen pendelnde Kleinformate von Jascha Nemtsov gekonnt übermittelt werden. Er ist kein Zauberer, kein Magier des Klanges, sondern ein untadeliger pianistischer Lektor des jeweils Anstehenden. Mithin eine – textlich informativ begleitete – Edition für jene Musikenthusiasten, die sich, was das Repertoire anbelangt, der Weiterbildung verschrieben haben.

Vergleichsaufnahmen: Schostakowitsch: Scherbakov (Naxos 8.555781), Zukowskaja (Dynamic CDS 464).

Peter Cossé [27.02.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Weinberg Hefte für Kinder I op. 16 00:11:44
9 S. Nemtsov Zwanzig Skizzen (2005) 00:19:12
29 M. Weinberg Hefte für Kinder II op. 19 00:14:32
37 D. Schostakowitsch Aphorismen op. 13 (1927) 00:13:14
47 M. Weinberg Hefte für Kinder III op. 23 00:11:15

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jascha Nemtsov Klavier
 
93.233;4010276021568

Bezug über Direktlink

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