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CD-Besprechung

Chanson d'amour

Chanson d’amour

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 31.01.09

Challenge Classics CC72305

1 CD • 53min • 2008

Ralph Rousseaus ungewöhnlicher Versuch eines Brückenschlags zwischen barocker Gambenliteratur und französischen Chansons des 20. Jahrhunderts basiert auf der Überzeugung des niederländischen Gambisten, das Singen sei das wesentliche Merkmal der Viola da gamba. Dem kann man nicht widersprechen. Doch ob es dazu wirklich eines Beweises in der Form bedarf, Rondeaux und Chaconnes eines Marin Marais oder Antoine Forquerai mit formal ähnlich gebauten Chansons von Jacques Brel oder Jean Ferrat in Bearbeitungen für Gambe und Streichquintett zu kombinieren? Abgesehen von dem gesanglichen Moment und dem vorherrschenden melancholischen Tonfall sucht man vergeblich nach Gemeinsamkeiten in den hier von Ralph Rousseau, dem Matangi String Quartet und dem Bassisten Hein Van de Geyn eingespielten „Chansons d’amour“. Schuldig bleibt diese Aufnahme auch den Beweis einer direkten Linie von den mittelalterlichen Troubadours zum populären französischen Chanson des 20. Jahrhunderts und seiner Interpreten, wie sie Ralph Rousseau im Booklet-Text aufzuzeigen versucht. Was bleibt, sind allein klanglich reizvolle Kostbarkeiten in einer hervorragenden Aufnahmequalität.

Künstlerisch hat diese Produktion kaum etwas zu bieten, wären da nicht die Kompositionen von Marin Marais, Louis de Caix d’Hervelois und Antoine Forqueray, die Ralph Rousseau eloquent, akzentuiert, gleichwohl sehr gefühlvoll gestaltet (Johann Sebastian Bachs ebenfalls solistisch vorgetragenes Jesus bleibet meine Freude wirkt dagegen fahl und wie ein Fremdkörper). Der Großteil der CD wird jedoch bestritten von auf den ersten Blick attraktiven, mit zunehmender Dauer dann aber doch belanglosen Bearbeitungen französischer Chansonperlen wie La vie en rose, Sous le ciel de Paris oder Ne me quitte pas. Sie eignen sich perfekt als einschmeichelnde Hintergrundmusik, der man keine besondere Aufmerksamkeit zu widmen braucht. Ohne den empfindsamen Gambenklang inmitten eines Streichquintetts könnte man ihnen allenfalls biedere Hausmannskost bescheinigen, wären sie nicht einmal besonderer Erwähnung wert. Bemerkenswert ist allerdings der geniale Übergang zwischen Marais’ Le Badinage und Les moulins de mon coeur von Michel Legrand: Aufgrund charakterlicher Ähnlichkeiten merkt der Hörer erst einige Sekunden später, dass er die Sphäre barocker Gambenmusik verlassen hat und sich bereits in Michel Legrands vielleicht schönster Film-Titelmusik („The Thomas Crown Affair“ mit Steve McQueen und Faye Dunaway) befindet, für die der Komponist 1968 den Oscar verliehen bekam. Trotzdem: Die hier versammelten „Chansons d’amour“ tun zwar niemand weh, laufen aber Gefahr, nach dem erstmaligen Hören möglicherweise ganz hinten im CD-Regal zu verstauben.

Christof Jetzschke [31.01.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Magne Cent mille chansons 00:04:09
2 L. Caix d'Hervelois Air 00:01:47
3 J. Ferrat La montagne 00:03:48
4 M. Marais La guitarre (aus Le troisième livre de pièces de viole) 00:04:14
5 L. Guglielmi La vie en rose 00:03:13
6 É. Stern Un jour, un enfant 00:04:46
7 L. Caix d'Hervelois La Monguichet 00:04:19
8 H. Giraud Sous le ciel de Paris 00:03:28
9 M. Marais Le badinage (aus Le quatrième livre de pièces de viole) 00:03:30
10 M. Legrand Les moulins de mon coeur 00:03:03
11 J.S. Bach Jesus, joy of man's desiring 00:03:25
12 J. Brel Ne me quitte pas 00:04:00
13 A. Forqueray Chaconne La Buisson (aus: Suite II G-Dur) 00:04:54
14 R. Vincent Pour un flirt 00:04:00

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ralph Rousseau Meulenbroeks Viola da gamba
Matangi Quartett Streichquartett
 
CC72305;0608917230529

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