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CD-Besprechung

Chorale concertos and Chorale variations

Music by Thomas Selle, Johann Shop and Heinrich Scheidemann

Chorale concertos and Chorale variations

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 19.12.08

cpo 777 362-2

1 CD • 58min • 2007

Abgesehen von den Unikaten, die das vorliegende Programm als lohnende Ausgrabungen präsentiert, widmet sich die Gambistin Simone Eckert mit imponierender Kompetenz und einem hervorragenden Interpretenteam einem kulturhistorisch und musikgeschichtlich mit Spannung und Genuß zu vermittelnden Barockthema. Es geht dabei quasi um eine Musterkollektion originaler Archivquellen aus der norddeutschen „Schule“ protestantischer Kirchenmusik, kombiniert mit dem Versuch einer Wiederbelebung des hohen Standards der „Hamburger Ratsmusik“ des 17. Jahrhunderts. Wenn auch der Gipfel der Bedeutung chronologisch erst später mit der Berufung eines Telemann oder C.P.E. Bach als Hamburger Musikdirektoren erreicht werden sollte, so überraschen doch deren Vorgänger als Bindeglied von Heinrich Schütz’ Geistlichen Konzerten zu Bachs Kantaten als erstaunlich kreative Wegbereiter. Diese Situation um das Jahr 1658 hat Simone Eckert in Personalunion als Virtuosin auf den Gamben-Instrumenten, als Ensemblegründerin und Leiterin, versehen mit historischem Wissen und aufführungspraktischen Kenntnissen, nach 500 Jahren mit der Wiedergründung einer „Hamburger Ratsmusik“ im Jahre 1991 in eine künstlerisch hoch ambitionierte Praxis umgesetzt.

Mit Erfolg, wie sich sehr bald zeigte, als die Hamburg ZEIT-Stiftung im Verbund mit der hanseatischen Staats- und Universitätsbibliothek, mit Deutschlandradio Kultur und der CD-Produktionsfirma cpo zu Förderern und Schirmherren der klingenden Denkmäler-Reihe „Musica sacra Hamburgensis 1600-1800“ wurden. Der vorliegende Beitrag spricht für sich. Nicht nur treten die ausgewählten Komponisten und deren Werke endlich einmal aus dem Schatten und können damit – wie auch ihre modernen Interpreten – ihre souveräne Beherrschung der einstigen Kantoreipraxis unter Beweis stellen. Bereits der erste Programmbeitrag, ein sogenanntes „Choralkonzert“ von Thomas Selle (1599-1663) mit dem Thema des Abendmahl-Kirchenliedes Jesus Christus unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt ist mit seinen durchkomponierten zehn Strophen bereits ein regelrechtes Kompendium barocker Formen. Vom schlichten cantus-firmus-Satz (man verfolge einmal die Melodie und Melodiezitate nach der Notenvorlage des Liedes Nr. 154 im Evangelischen Kirchengesangbuch) bis hin zu den vielfältigen Möglichkeiten homophoner und polyphoner Satztechniken wird jede „konzertierende“ Stimmenkombination mit nahezu schulmäßiger Deutlichkeit und Transparenz dem Zuhörer vorgeführt. Dank der kammermusikalischen Besetzung der „Ratsmusik“ mit zwei Sopranstimmen, zwei Violinen, Theorbe bzw. Laute, Gambeninstrumente und Orgelpositiv steht jede Partie im Dienste einer erbaulichen Andacht während der Verteilung der Abendmahlsgaben.

Diesem Beispiel folgen mehr oder weniger ausführlich alle weiteren Beiträge. Alle zeichnen sich durch eine von den Interpreten mustergültig dargebotene Klangsprache aus. Ohne Manierismen und ohne jede gekünstelt wirkende Barockideologie oder trockene Gelehrsamkeit wurden „über alle Mahssen bewegliche Stüklein“ ausgewählt und vorgeführt, „wobei ich widrüm dermahssen ward erquikket“, berichtet der Dichterpastor Johann Rist im Jahre 1658 aus der Hamburger St. Katharinenkirche. Dieses Zitat aus dem Beiheft mit sach- und fachkundigen Begleitkommentaren aus der Feder der Leiterin des Ensembles weist die Autorin zugleich als Kennerin des historischen Umfeldes aus. Durch sie und mit ihr sind weit mehr als 58 Minuten hörenswerte barocke „Seelenbewegungen“ vom Können und Wissen aller gegenwärtigen Hamburger Ratsmusikanten geprägt.

Dr. Gerhard Pätzig [19.12.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Th. Selle Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt (Opera omnia: Dritter Theil Teutscher Geistlicher Concerten, Nr. 13) 00:13:36
2 H. Scheidemann Betrübet ist zu dieser Frist 00:02:56
3 J. Schop Ich ruff zu dir, Herr Jesu Christ (Erster Theil Geistlicher Concerten, Hamburg 1644) 00:04:51
4 Karaelen ('t Uitnement Kabinet, Eerste deel, Amsterdam 1646, Nr. 16) 00:05:21
5 Allein zu dir, Herr Jesu Christ (Erster Theil Geistlicher Concerten, Hamburg 1644) 00:04:27
6 Th. Selle Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand (Opera omnia: Dritter Theil Teutscher Geistlicher Concerten, Nr. 8) 00:05:40
7 J. Dowland Von Gott will ich nicht lassen (Tabulatur-Buch Ernst Schele, Anno 1619) 00:06:36
8 J. Schop Christ lag in Todesbanden (Erster Theil Geistlicher Concerten, Hamburg 1644) 00:04:16
9 Th. Selle Wir gläuben all an einen Gott (Opera omnia: Dritter Theil Teutscher Geistlicher Concerten, Nr. 12) 00:08:54

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Veronika Winter Sopran
Stephanie Petitlaurent Sopran
Hamburger Ratsmusik Ensemble
Simone Eckert Leitung
 
777 362-2;0761203736225

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