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CD-Besprechung

Historisch Orgeln in Frankreich

Sinus Sin 3004

1 CD • 59min • [P] 2008

31.10.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der unermüdliche Orgelreisende Albert Bolliger stellt auf dem vorliegenden vierten Teil seiner Serie über französische Orgeln ein kostbares Erbstück der Orgelbaukunst in Frankreich vor. Während der Französischen Revolution richtete sich der Volkszorn oft in besonderem Maße gegen Kirchen und Klöster, so dass nur wenige historische Orgeln die Zerstörungen unbeschadet überlebten. Die Mönche der südfranzösischen Zisterzienserabtei Boulbonne ließen sich Anfang der 1740er Jahre eine Orgel bauen, die 1791 nach teilweiser Zerstörung der Abtei als „eine der komplexesten und besten Orgeln" zum Verkauf angeboten wurde, jedoch keinen Abnehmer fand. Erst sieben Jahre später ersteigerte Jacques Fageadet, Bäckermeister im nahen Städtchen Cintegabelle, das Instrument für die Pfarrkirche seines Heimatortes. Dreizehn Jahre lang wurde das Instrument ab 1806 in der Kirche von Cintegabelle wieder aufgebaut und erklang 1819 erstmalig nach 28 Jahren wieder unter den Händen von François Nolé, des ehemaligen Organisten der Abtei Boulbonne, der die Wirren der Zeitläufte ebenfalls überlebt hatte.

In der Folgezeit wurde das Instrument verschiedentlich dem Zeitgeschmack angepasst, bis 1989 ein Rückbau auf die ursprüngliche Disposition vorgenommen wurde, die sich glücklicherweise durch eine genaue Inventarisierung des Registerbestandes im Jahr 1754 erhalten hatte.Das herrliche Instrument wird porträtiert mit Musik von François d‘Agincourt (ca. 1680-1738), Louis Marchand (1669-1732) – jener große Orgelvirtuose, der sich 1717 einem Wettstreit mit dem Kollegen Bach in Dresden durch eilige Abreise entzog, nachdem er den Kontrahenten heimlich beim Üben belauscht hatte – und mit einer weihnachtlichen Suite aus Claude-Bénigne Balbastres (1727-1799) charmanten Noëls à l‘Orgue. Die prachtvolle Klanglandschaft einer typisch französischen Orgel dieser Zeit könnte sich schöner kaum entfalten! Dem Orgelspiel Albert Bolligers geht allerdings der französische Akzent ein wenig ab, hier wartet man vergebens auf jene landestypischen Artikulationen, die beispielsweise André Isoirs Interpretationen dieses Repertoires auszeichnen. Die Klangschönheit des Instruments vermag diesen Mangel indessen nahezu gänzlich auszugleichen; für Freunde der französischen Orgelkultur ist diese CD also trotz allem ein Muss.

Detmar Huchting [31.10.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jacques André François Agincourt
1Pièces d'Orgue de 5e ton 00:10:51
Louis Marchand
9Suite d-Moll 00:10:43
16Le 5e Livre d'orgue 00:10:31
Claude Bénigne Balbastre
23Deuxième Suitte de Noëls 00:27:16

Interpreten der Einspielung

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