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CD-Besprechung

Theresienstädter Konzert

Theresienstädter Konzert

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 16.10.08

EigenArt EigenArt 10390

1 CD • 32min • 2007

Seit 1999 finden im saarländischen Merzig die „Theresienstädter Konzerte“ statt. In ihrem Zentrum stehen Werke von den Nationalsozialisten verfolgter Komponisten. Einige von ihnen waren im Konzentrationslager Theresienstadt inhaftiert – einem Lager, in dem allein zu Propagandazwecken eine künstlerische Betätigung erlaubt war, ja sogar gefördert wurde. Zu ihnen gehörte auch der 1944 nach Auschwitz verlegte und dort ermordete Tscheche Pavel Haas, dessen Werke 1938 verboten wurden. Seinem 1937/38 entstandenen Streichquartett Nr. 3 op. 15, dem man das Nahen der Katastrophe anzuhören meint, widmen sich vier Mitglieder des 1983 ins Leben gerufenen Bartholdy-Ensembles Rheinfelden auf der mit „Theresienstädter Konzert“ titulierten CD – umrahmt von zwei Quartetten Mozarts und Schuberts.

Unüberhörbar sind die böhmischen Einflüsse und Jazzelemente in Pavel Haas’ düsterem dritten Streichquartett, dessen Themen sich vorwiegend aus nur kurzen Motiven speisen. Innerhalb des dichten harmonischen Gewebes und der polymetrischen Struktur des Kopfsatzes finden Christian Sikorski (Violine I), Anca Ionita (Violine II), Axel Breuch (Viola) und Joachim Hess (Violoncello) von Beginn an instinktsicher zu einem klangfarblich nuancenreichen und sehr beredten Tonfall. Mit geradezu bohrender Eindringlichkeit gestalten sie den klangvollen Mittelsatz samt seiner gebetsähnlichen, dem Sankt-Wenzel-Choral ähnlichen jüdischen Melodie. Hellwaches und filigranes Spiel dann im Variationsfinale, das in eine großartig gearbeitete Fuge mündet, endend mit einem weiteren Choral.

Lebendigkeit und technische Souveränität bestimmt auch die Wiedergabe von Mozarts Streichquartett B-Dur KV 159, dem vorletzten der so genannten „Italienischen Quartette“. Die unprätentiöse, aber überzeugende Lesart der vier Musiker bewegt sich gekonnt zwischen analytischem und klangsinnlichem Ansatz, ohne jeden Winkel der Partitur besonders raffiniert ausleuchten zu wollen. Bemerkenswert ist der tonale Schliff schon im eröffnenden Andante, ebenso die Geschlossenheit des Zusammenspiels im leidenschaftlichen Allegro und ausdrucksstarken Rondofinale, denen beiden allerdings ein wenig mehr Spannung gut getan hätte. Einen beweglichen, lyrisch gedeuteten Schubert legt der harmonische Streicher-Vierer schließlich mit dem ungemein liedhaften, aber verhaltenen, schwer zu fassenden und trotzdem sehr populären Streichquartett a-Moll D 804 (Rosamunde) vor. Zwar wünscht man sich in dieser Interpretation voller Wärme und tiefer Empfindung gelegentlich eine Spur mehr Temperament. Aber das Pendeln zwischen Zartheit, Wehmut und zupackendem Gestus abseits jeglicher Romantisierung gelingt sehr ansprechend. Einleuchtend klingen auch die Nuancen in Sachen Dynamik, Phrasierung und Tempo sowie die reiche Ausdruckspalette – im Rosamunde-Andante wie in dem immer wieder von dramatischen Steigerungen und Akzenten durchbrochenen Finale. Allein einige Unsauberkeiten in der Intonation trüben etwas das gelungene Gesamtbild dieser Schubert-Deutung.

Christof Jetzschke [16.10.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Streichquartett B-Dur KV 159 (5. Mailänder Quartett) 00:13:17
4 P. Haas Streichquartett Nr. 3 op. 15 00:20:59
7 F. Schubert Streichquartett a-Moll op. 29 D 804 (Rosamunde) 00:31:54

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bartholdy-Ensemble Rheinfelden Ensemble
 
EigenArt 10390;4009850103905

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