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CD-Besprechung

Alpha Productions Alpha 125

1 CD • 80min • 2007

13.08.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Den Namen Lucien Durosoir sucht man in den meisten Nachschlagewerken vergeblich. Der 1878 geborene Geiger und Komponist studierte (nachdem er wegen Aufmüpfigkeit vom Pariser Conservatoire ausgeschlossen worden war) Violine bei Henri Berthelier und Komposition bei Charles Tournemire. Er wurde Konzertmeister der Concerts Colonne, studierte in Deutschland bei Joseph Joachim und Hugo Heermann und startete eine erfolgreiche Solokarriere, in deren Rahmen er sich im Ausland für französische Komponisten engagierte, aber auch das Violinkonzert von Johannes Brahms zur französischen Erstaufführung brachte.

Der erste Weltkrieg unterbrach seine Laufbahn als Geiger, und in den Schützengräben (wo er in den Gefechtspausen zusammen mit André Caplet Partituren studierte) reifte sein Entschluss, sich in Zukunft ganz dem Komponieren zu widmen. Nach seiner Entlassung 1919 zog er sich in den Südwesten Frankreichs zurück und entwickelte, abseits der Metropole Paris, seinen ganz individuellen Kompositionsstil, der von scharfer Intellektualität, eminentem Klangsinn und tiefer Emotionalität geprägt war. In den folgenden dreißig Jahren schuf er ein umfangreiches Oeuvre, das erst in jüngster Zeit erschlossen und veröffentlicht wird, in dem die – hier erstmals eingespielten – drei Streichquartette aus den Jahren 1920, 1922 und 1934 einen zentralen Platz einnehmen. Bei aller Verschiedenheit in Form und Ausdruck ist ihnen die komplexe Faktur, ein höchst eigenwilliger Umgang mit der Tonalität und das Ausreizen extremer klanglicher Möglichkeiten gemeinsam. Kontrapunkt war für Durosoir eine Conditio sine qua non musikalischen Denkens. Hinzu kam eine grandiose Fähigkeit, Themen oder Motive immer neuen, unerwarteten Verwandlungen zu unterziehen und sie in die verschiedensten Zusammenhänge zu stellen. So entstand eine Musik von hohem geistigem Anspruch im Sinne der „Musica reservata“ des 16. Jahrhunderts, die gleichwohl jeden Hörer auf Anhieb in ihren Bann schlägt.

Den Ausführenden verlangt Durosoir ein Maximum an Virtuosität und klanglicher Differenzierung ab, sowohl jedem einzelnen Spieler als auch dem Quartett als Ensemble – ein Anspruch, dem das junge französische (nach einer Komposition Luigi Nonos benannte) Diotima Quartett, das sich bisher vor allem mit zeitgenössischer Musik hervorgetan hat, in hohem Maße gerecht wird. Die schön ausgestattete, mit ausführlichen Werk-Analysen in Französisch und Englisch versehene Produktion stellt nicht nur eine wichtige Neuentdeckung (und einen Meilenstein in der Gesamtausgabe des kammermusikalischen Werkes von Durosoir) dar. Sie gehört auch zu jener seltenen Sorte von CDs, die man viele Male auflegen kann, ohne dass man sie sich überhört oder auch nur eine Spur von Langeweile aufkommt.

Sixtus König † [13.08.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Lucien Durosoir
1Streichquartett Nr. 1 f-Moll 00:32:14
5Streichquartett Nr. 2 d-Moll 00:23:52
8Streichquartett Nr. 3 h-Moll 00:23:10

Interpreten der Einspielung

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