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CD-Besprechung

Freddy Kempf

Freddy Kempf

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 05.09.08

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BIS 1580

1 CD/SACD stereo/surround • 65min • 2006

Der immer noch recht junge englische Pianist Freddy Kempf ist dem schwedischen Label BIS treu geblieben. Eine Reihe von zunehmend lebendigen, was die analytische Seite des Interpretierens angeht auch wachsend kompetenten Editionen zieren den reichen Katalog dieser skandinavischen Firma, die sich nicht zuletzt durch die Breite ihres Repertoires auszeichnet, aber auch hinsichtlich der Ernsthaftigkeit, was die aufnahmetechnischen Belange und auch die Begleitinformationen angeht.

Kempf macht sich hier für schwierigste, noch vor gut 70, 80 Jahren in der professionellen Pianistenszene als schier unspielbar eingeschätzte Werke im wahrsten Sinne des Wortes stark: Ravels Gaspard de la nuit, Balakirevs Islamey – zwei absolute Gipfel der pianistischen Extremkletterei! – und dazu Mussorgsky Bilder ergeben eine reichliche Stunde der musikalisch-technischen Selbstprüfung, wie sie sich nur manuell und intellektuell ausgefuchste Künstler zu gönnen wagen. Und Kempf leistet nicht nur zuverlässige Arbeit, also sauberes Handwerk. Er weiß den verschiedenen Aufgabenstellungen durchaus eigenes Flair, eigene Farben und Akzente zu verleihen. In den Zeitmaßen hält er sich keineswegs im Vorsichtsbereich auf, hütet sich jedoch, etwa in den Wechselfällen, in den Hell-Dunkelzonen der Scarbo-Abenteuerlichkeiten allzu sehr auf die sportliche Tube zu drücken (und er berücksichtigt damit Ravels originalen Verhaltenswunsch, in dieser Hinsicht Zurückhaltung zu wahren, nämlich die Vortragsbezeichnung „modéré“ wörtlich zu nehmen!). So packend die wirbelnden, rein manuell verblüffenden Einspielungen von Martha Argerich und Charles Rosen auch in Erinnerung sind, sie schießen doch weit über das von Ravel verlautbarte musikalisch-dramaturgische Ziel hinaus – wobei ich anfügen möchte, dass die frühe DG-Einspielung der Argerich weit umsichtiger, kontrollierter ausgefallen ist als der bei EMI erschienene Mitschnitt aus den späten 70er Jahren.

Kempf entfaltet die Märchenhaftigkeit aller direkten und indirekten Beleuchtungen, wie sie Ravels Ondine in fabelhaften Sequenzen in schier unbegreiflicher Klang- und Bewegungswirklichkeit offeriert, mit einer guten Portion an Glaubhaftigkeit, er verleiht dem ersten Gaspard-Satz Atmosphäre, Spannung und in den dynamischen Zuspitzungen auch genügend Durchschlagskraft, ohne sich zu Übertreibungen verleiten zu lassen. Dies gilt auch für die anstrengenden Rahmenteile der orientalischen Fantasie von Balakirev, an deren Ende ihm allerdings – wie bei so gut wie allen Islamey-Aspiranten – etwas die Luft ausgeht. Von allen mir vorliegenden Studio- und Live-Einspielungen bleiben mir einzig und allein Cziffras Versionen in Erinnerung, die in dieser schweißtreibenden Spätphase kaukasischen Tastentaumels noch Steigerungsfähigkeit, will sagen: erhöhte Brillanz und damit erhöhte Temperatur ins finale Feld führen.

Für die „russischen“ Elemente der Bilder einer Ausstellung zwischen Promenaden-Orthodoxie, Katakombendüsternis und Genre-Turbulenz zeigt Freddy Kempf eine sichere Nase und bestes pianistisches Rüstzeug. Im Allgemeinen hält er sich an die im Westen üblichen, zumeist an russischen Interpretationen orientierten Gepflogenheiten. Was jedoch auch zur Folge hat, dass ein Kabinettstück wie jenes Scherzino-Ballett der Küchlein so exakt und fast militärisch abgezirkelt daherkommt wie die Parodie einer perfekt getrimmten Bolschoi-Truppe. Oleg Maisenberg etwa ist im Konzertsaal längst zur Überzeugung gelangt, dass diese winzigen, gerade geschlüpften Tierlebewesen in ihren Eierschalen etwas wackelig, zögerlich dargestellt werden sollten.

In Summe eine mehr als respektable Leistung, eine CD mit hohem Anspruch und gutem Resultat – insgesamt der Beleg für Kempfs beachtliche Entwicklung vom jungen Freddy in Richtung eines reifen Fred.

Vergleichsaufnahmen: Balakirev: Cziffra (EMI, Urania URN 22.288), Zhang (XL Presents 8371011585), El Bacha (Triton OVCT-00037), Gawrylyuk (VAI 4433 /DVD), Pletnev (DG 471 157-2), Judd (Chandos 9914), Bronfman (Sony SK 60689), Ogdon (Philips 456 916-2), Katchen (Philips 456 856-2), Lang Lang (Telarc CD-80524), Berezovsky (obligat 01.102S), Barere (The Piano Library 232 1936), Cziffra (Foundation Cziffra 1-RCP-9607), Olga Kern (HM USA 907399); Ravel: Argerich (DG/Philips 456 700-2, EMI 557101 2), Rosen (RCA)

Peter Cossé [05.09.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Mussorgsky Bilder einer Ausstellung 00:32:54
17 M. Ravel Gaspard de la nuit 00:22:43
20 M.A. Balakirew Islamey (orientalische Fantasie) 00:08:32

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Freddy Kempf Klavier
 
1580;7318599915807

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