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CD-Besprechung

cpo 777 258-2

2 CD • 1h 49min • 2000

09.07.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Im Jahr 1708 wurde Alessandro Scarlattis Oratorium zu Ehren der heiligen Cäcilia in Rom erstmals aufgeführt, doch bald nach dem Tod des Textdichters, des Kardinals Pietro Ottoboni, geriet die Partitur in die Hände diverser Käufer und Verkäufer. Dadurch blieb das kostbare Werk, das auch Händel gekannt und geschätzt hat, der Musikwelt durch weit mehr als zweieinhalb Jahrhunderte entzogen. Scarlattis „geistliche Tragödie" lebte in der Musikgeschichte bloß als Phantom weiter, als tief beklagter Verlust. Erst in relativ neuer Zeit, Mitte der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, wurde die Notenhandschrift in einer Schweizer Privatsammlung (Fondation Martin Bodmer) entdeckt. Das Werk kam 1990 in Zürich zur Aufführung – in derselben Besetzung, in der es jetzt als CD vorliegt.

Einige Angaben im originalen Libretto deuten darauf hin, daß das Werk für eine szenische oder vielleicht bloß quasi-szenische Wiedergabe gedacht war. Die Gesangspartien wurden damals durchwegs von Kastraten ausgeführt, was bei heutigen Wiedergaben zu den bekannten Problemen führt. Bei der cpo-Aufnahme wurde der Fall glücklich gelöst: Die zentrale, auffallend hoch gelegene Partie der Cäcilia (damals vermutlich von einem Knaben gesungen) übernimmt die Sopranistin Nancy Argenta, deren helle, reine Stimme das Keusche, Engelhafte ideal versinnbildlicht. Die Rolle der Amme (Nutrice) wird von der Mezzosopranistin Marinella Pennicchi dargestellt, auch sie eine tadellose Besetzung.

Der Gegenspieler zur Märtyrerin Cäcilia ist der römische Richter Almachius, der nur widerstrebend das Todesurteil über die Christin verhängt, weil er sich mittlerweile in die junge Dame verliebt hat. Bernhard Landauer vermag mit seiner geradezu unwirklich klingenden Altstimme die Konflikte dieser Figur eindringlich darzustellen. In diesem Fall kommt man der Klangvorstellung des Originals immerhin ziemlich nahe. Der Tenor Marco Beasley (Consigliere) versucht ähnliches, vor allem mit Zuhilfenahme der Fistelstimme, doch fällt seine Leistung gegenüber den anderen beträchtlich ab

Das Ensemble I Barocchi unter der Leitung von Diego Fasolis bietet eine vollkommene und berührende Wiedergabe, die alle Zonen dieser stark psychologisch orientierten Musik zu höchster Wirkung bringt. Scarlattis Oratorium ist ein wahres Wunderwerk, voll von musikalischen Schätzen, reich an Überraschungen und Höhepunkten. In der Hauptstruktur bleibt das Werk dem Zeitstil verbunden, vor allem im schematischen Wechsel von Rezitativ und Arie. Aber es gibt mehrere Abweichungen, darunter auch Duette oder Mischformen aus Rezitativ und Arie. Merkwürdig ist auch der fast unerwartete kommende Schluß sowohl im ersten als auch im zweiten Teil: ein sanftes Verklingen in Andacht und Meditation. Die Arien selbst sind verhältnismäßig kurz, prägnant und ausdrucksreich.

Die Szene, in der die blutüberströmte Cäcilia den Henker anfleht, den Schlag mit dem Schwert zu wiederholen, ist eine jener Ausgeburten christlicher Schauerphantasie, wie sie sich auch in der bildenden Kunst offenbaren. Aber die grandiose Gestaltung trägt auch hier den Sieg über Makabres und Abstoßendes davon.

Clemens Höslinger [09.07.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alessandro Scarlatti
1Il Martirio di Santa Cecilia (Oratorium)

Interpreten der Einspielung

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