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CD-Besprechung

Agostino Steffani Stabat Mater

Decca 478 5336

1 CD • 73min • 2013

14.10.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Unterstützt von einer gut laufenden Medienmaschinerie, setzt sich Cecilia Bartoli für die Musik des italienischen Barockkomponisten Agostino Steffani (1654 – 1728) ein; auch die amerikanische Krimiautorin Donna Leon macht mit bei den PR-Terminen, sie hat sich von Steffanis interessanter Lebensgeschichte zu einem Roman anregen lassen. Zwar war Steffani der Fachöffentlichkeit durchaus bekannt, spätestens, seit zwischen 1905 und 1912 ausgewählte Werke in den „Denkmälern der Tonkunst in Bayern“ veröffentlicht wurden – Steffani verbrachte einen großen Teil seiner Karriere am Münchner Hof, wo er nicht nur Opern aufführte, sondern auch diplomatisch tätig war. Allzu erfolgreich kann er allerdings nicht gewesen sein, da er 1688 nach Hannover wechselte – offenbar hatte er keine Aussicht darauf, in München Kapellmeister zu werden. Tatsächlich blieb Steffanis Vokalkunst bislang einer breiteren Öffentlichkeit verborgen. Nun aber wird er mit Macht in den Markt gedrückt, selbst in ansonsten kunstfernen Medien kann man Bartoli und Donna Leon begegnen. Das ist schon etwas anderes als etwa eine Initiative auf einem kleinen Label. Nun ist zwar Steffani nicht der bedeutendste Komponist seiner Generation, da wären Namen wie Muffat, Biber und Corelli zu nennen, doch komponierte er auf hohem Niveau, melodisch elegant und kontrapunktisch versiert. Bartolis Engagement für Steffani, das sie glaubhaft als eine Herzensangelegenheit präsentiert, ist also durchaus nicht unangemessen. Die vorliegende Produktion bringt einleitend seine späte sechstimmige Vertonung des Stabat mater, die viele Schönheiten bereithält, etwa elegisch- melodische Entwicklungen, expressiv harmonisierte Chöre und einige Ariosi für Baß, die Salvo Vitale mit beeindruckender, echter Tiefe vorträgt. Das Programm wird ergänzt durch einige lateinische Motetten, welche Steffanis nicht allzu breites geistliches Œuvre abdecken. Auch, wenn die Vermarktung auf Cecilia Bartolis strahlenden Namen setzt, ist diese Produktion kein Vehikel für die Ausnahmesängerin. Das liegt in der Natur der Ensemblewerke. Doch natürlich zieht Bartoli in ihren Soli sogleich die Aufmerksamkeit auf sich, die so stark wirkende Zauberstimme verglüht gleichsam vor Leidenschaft, das „Eja Mater“ im Wechsel mit dem Chor entfacht geradezu opernhafte Dramatik. Ihre Meisterschaft kann sie am besten in der Motette Non plus me ligate zeigen; hier sprudeln die virtuosen Melismen im perfekt sitzenden Nonlegato, für die Cecilia Bartoli bekannt ist. Die übrigen Sänger verblassen jedoch gegenüber der Assoluta keineswegs, man höre etwa die reizvoll androgynen Mischfarben des argentinischen Countertenors Franco Fagioli oder den fröhlichen Höhenrausch der beiden Sopranistinnen Nuria Rial und Yetzabel Arias Fernández zu Beginn des Sperate in Deo. Sympathisch ist schließlich auch, das Chor und Orchester gerade nicht in kalter Perfektion in Erscheinung treten. Der Coro della Radiotelevisione svizzera erreicht nicht ganz die Flexibilität, Ausgeglichenheit und Klangreinheit spezialisierter Ensembles, das Ensemble I Barocchisti unter Diego Fasolis entwickelt einen weichen, etwas unkontrollierten Klang, der durch die überraschend hallige Aufnahmetechnik von Decca bisweilen unnötig diffus wirkt. Doch die kleinen Imperfektionen haben auch den Vorteil, dass sie Sterilität vermeiden. Denn dass diese Steffani-Pflege mit Herzblut betrieben wird, hört man dieser Produktion an.

Dr. Michael B. Weiß [14.10.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Agostino Steffani
1Stabat Mater 00:25:08
13Beatus vir 00:05:16
14Non plus me ligate 00:06:22
15Triduanas a Domino 00:02:51
16Laudate pueri 00:09:35
17Sperate in Deo 00:12:57
18Qui diligit Mariam 00:10:04

Interpreten der Einspielung

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