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CD-Besprechung

Glossa GCD 921614

2 CD • 2h 18min • 2007

08.05.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Entfesselte Elemente, verkleidete Götter, Liebeswirren und Ränkespiel: Das ist der Stoff, aus dem Marin Marais’ Sémélé aus dem Jahr 1709 gebaut ist. Jupiter, Schwerenöter und Herr über Blitz und Donner, stellt zum Leidwesen seiner Gattin Juno der dem Prinzen Adraste versprochenen thebanischen Königstocher Sémélé nach. Um die Nebenbuhlerin loszuwerden, spinnt Juno eine Intrige. Auf Sémélés Drängen erscheint Jupiter dieser in seiner himmlischen Gestalt, bewaffnet mit Blitz und Donner. Sémélé stirbt, Jupiter entreißt sie aber wieder der Unterwelt, damit sie „unter den Augen der Juno am ewigen Ruhm der Götter teilhabe“.

Sémélé, 34 Jahre vor dem gleichnamigen weltlichen Oratorium Händels entstanden und eine für ihre Zeit typische Tragédie lyrique auf ein Libretto von Houdar de la Motte, ist ein nahezu in Vergessenheit geratenes Huldigungswerk an den französischen Sonnekönig – trotz oder gerade wegen der belehrenden Züge dieses antiken Stoffes in Sachen Umgang mit Gottheiten oder gottgleichen Obrigkeiten. Unvollständig überliefert, wurde Sémélé, die letzte der vier Tragédies lyriques von Marin Marais, 2006 anlässlich des 350. Geburtstags des Komponisten restauriert und liegt nun als Weltersteinspielung auf CD vor.

Es ist eine großartige und symbolhafte Musik, deren dramatischer Kraft und faszinierender Klangmalerei zwischen pastoralem Idyll und attackierendem Auftrumpfen man sich kaum entziehen kann. Ebenso großartig ist die akzentuierte Wiedergabe durch das Concert Spirituel unter der Leitung von Hervé Niquet, der die Partitur Marais' subtil auszuleuchten versteht. Die schon mehrfach preisgekrönten Entdecker nahezu unbekannter französischer Musik des 18. Jahrhunderts gehen dieses schlagkräftige Werk durchweg sehr beredt, schwungvoll und zupackend an, was während der gesamten Spielzeit von über zwei Stunden – und das ist das vielleicht größte Plus dieser Aufnahme – nie eintönig wirkt. Denn Niquet lässt dieser Musik auch genügend Raum für ihre sinnliche Entfaltung: innerhalb zahlreicher intimer Airs wie in den die meist durchkomponierten Szenen strukturierenden Préludes, Sinfonien oder Ritornellen. Mitreißende Tanzsätze wechseln sich ab mit prachtvollen Chorszenen und mit galanten, attraktiv instrumentierten Rezitativen. Vor allem aber mit bildhaft aufgeladenen Arien, die Marais‘ ausgezeichnete Personencharakterisierung unterstreichen und die von den Vokalsolisten mit überzeugender Ausdrucksintensität gestaltet werden. Ob eine in Zweifeln gefangene Sémélé (Shannon Mercer), ein herrischer Jupiter (Thomas Dolié) oder Sémélés schalkhafte Dienerin Dorine (Bénédicte Tauran): Sämtliche Solisten verfügen über einen perfekten Stimmsitz, agieren klanglich und dynamisch sehr differenziert und demonstrieren auch mit ihrer vorzüglichen Verzierungskunst großes gestalterisches Vermögen – zu nennen sind hier insbesondere Shannon Mercer und Bénédicte Tauran.

Fazit: Hervé Niquets Einspielung ist eine Entdeckung in zweifacher Hinsicht. Sie zeigt den Gambenvirtuosen Marin Marais als einen ernst zu nehmenden Meister der französischen Oper zwischen Lully und Rameau. Und sie sprüht vor lauter Entdeckerfreude, die die Ausführenden an Maraisí herrlicher Musik haben. Eine Freude, die sich eigentlich jedem Hörer dieser Doppel-CD mitteilen sollte.

Christof Jetzschke [08.05.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Marin Marais
1Sémélé

Interpreten der Einspielung

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